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Das König-Karls-Bad, einst Thermalbad und heute Veranstaltungszentrum für Gäste und Einheimische in Bad Wildbad, ist von außen schmucker Renaissance-Bau und steckt im Innern voller Kunst. 

Einst dem Abbruch nur knapp entgangen - König-Karls-Bad in Bad Wildbad feiert Jubiläen

Bad Wildbad. Eines der hervorstechenden, schmucken Renaissance-Gebäude ist in Bad Wildbad das Forum König-Karls-Bad (FKKB). Auf den Bau des Architekten Felix von Berner (1842–1923) fallen in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen. Als Bad wurde es vor 140 Jahren, 1882, eingeweiht.

Zehn Jahre später wurde eine größere Erweiterung in Betrieb genommen. Umbauten und Ausbauten folgten. Eine grundlegende Sanierung wurde 2012, also vor zehn Jahren abgeschlossen. Als eingetragenes Kulturdenkmal wurde der Bau 1972, also vor einem halben Jahrhundert geschützt.

Zuvor ist das Bad nur knapp dem Abbruch entgangen. Dazu schreibt Autor Thomas Eckhard Föhl 1988 in dem Buch "Wildbad – Die Chronik einer Kurstadt als Baugeschichte": "Die Ausbauplanung von 1956/59 sah den ersatzlosen Abbruch des Bades vor. Diese, bis vor wenigen Jahren immer wieder erwogene Absicht wurde hauptsächlich wegen Finanzierungsschwierigkeiten nicht realisiert."

Raum für standesamtliche Trauungen

Was als Bad begann, ist heute ein Haus des Gastes und Veranstaltungszentrum auch für Einheimische. Das FKKB beherbergt neben Räumen für Konzerte, Vorträge und verschiedenste Veranstaltungen das am 24. September nach der Sommerpause wieder gestartete Kino in Wildbad, das "KIWI".

Ein ganz besonderer und geschätzter Rahmen bietet sich im Kuppelsaal für standesamtliche Trauungen, auch trug sich hier schon mancher besondere Gast ins Goldene Buch der Stadt ein. Seit Beginn der Pandemie gibt es in dem Gebäude außerdem eine Corona-Teststation.

Mit einer kunstvollen Ausstattung sucht das Haus seinesgleichen und kann durchaus mit einem Schloss konkurrieren. Die steigende Gästefrequenz hatte im königlichen Staatsbad zunächst 1879 gerade zur Errichtung – eine entsprechende Ladenpassage einbezogen – einer 130 Meter langen Trinkhalle in Glas- und Eisenkonstruktion entlang der Enz geführt.

Sie stand dort, wo heute die Endhaltestelle der S-Bahn am Kurpark gegenüber vom Quellenhof und seinerzeitigen Hotel Bellevue liegt. Der stolze Bau wurde 1959 ein Opfer von Neuplanungen und abgebrochen. Dieser und das König-Karls-Bad waren im 19. Jahrhundert dem Aufstreben Wildbads geschuldet und sollten der Konkurrenz Baden-Baden Paroli bieten.

Hochwertige künstlerische Gestaltung

Treibende Kraft für die Entwicklung war in jener Zeit Wildbads Badearzt und königlicher Bäderverwaltungschef Wilhelm Theodor von Renz (1834–1896). Er nahm auf den Badbau – wie zuvor auf die Errichtung der Trinkhalle – entscheidenden Einfluss, gilt als dessen Initiator.

Begleitmaßnahmen waren 1881 die Fertigstellung der neuen König-Karl-Straße bis zur Wilhelmsbrücke. Links der Enz mussten dafür die Gassen des "Kroatenviertels" dem Ausbau weichen. Große Teile der Stadt erhielten jetzt eine Wasserversorgung, Kanal, asphaltierte Gehwege, Gasbeleuchtung und erste Stromanschlüsse.

Im König-Karls-Bad, wurde nicht an bis heute sichtbarer, wertvoller Kunst gespart. Allein einen Vortrag füllen würden die dortigen Deckengemälde des Künstlers Hans Kolb (1845-1928) aus dem Jahr 1891, der Dozent und Direktor der Kunstgewerbeschule Stuttgart war.

Ob im Zugangsbereich mit den Büsten von König Karl und Königin Ola, im großen Saal oder selbst im Treppenhaus mit Fresken, Stuck und bunten Fenstern: Überall ist die hochwertige, künstlerische Gestaltung sichtbar.