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Zahlreiche, teilweise sehr gut erhaltene Ziegel konnte Michael Oesterle bergen. Mit ihnen war das Dach des Hauptgebäudes des römischen Gutshofes gedeckt. Dort, wo zwei der flachen Leistenziegel (römisch: Tegula) aufeinanderstießen, wurde ein Wölbziegel (römisch: Imprex) gelegt. Martin Schott
Zahlreiche, teilweise sehr gut erhaltene Ziegel konnte Michael Oesterle bergen. Mit ihnen war das Dach des Hauptgebäudes des römischen Gutshofes gedeckt. Dort, wo zwei der flachen Leistenziegel (römisch: Tegula) aufeinanderstießen, wurde ein Wölbziegel (römisch: Imprex) gelegt. Martin Schott
13.09.2016

Eisingens römische Vergangenheit - Michael Oesterle lokalisiert größeren römischen Gutshof

Seit Jahrzehnten gab es Vermutungen, dass sich im östlichen Teil der Eisinger Gemarkung einst ein römischer Gutshof, eine „Villa rustica“, befunden habe. Ziegelreste und eine römische Lanzenspitze waren im Bereich des „Birkenwäldchens“ gefunden worden.

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der Eisinger Gemeinderat Michael Oesterle mit der Geschichte seines Heimatortes. Insbesondere die Berichte über die mögliche römische Besiedelung wirkten inspirierend. Jahrelange intensive Nachforschungen in alten Aufzeichnungen und die intensive Suche im Wald, auf der Wiese und im Feld haben sich nun ausgezahlt. Oesterle ist es anhand von weiteren Fundstücken nicht nur gelungen nachzuweisen, dass es den vermuteten römischen Gutshof tatsächlich gegeben hat. Spezielle Luftbildaufnahmen des Gebietes haben zudem ergeben, dass der römische Gutshof bemerkenswert groß war und die im Boden befindlichen Mauerreste wohl ungewöhnlich gut erhalten sind.

„Es gibt wenige Luftbilder, die die Strukturen so klar und gleichmäßig erkennen lassen. Ich habe das so noch nicht gesehen“, sagt Jeff Klotz, Leiter des Remchinger Römermuseums. Er und Archäologe Günther Wieland vom Landesamt für Denkmalschutz haben Oesterle bei seinen Forschungen unterstützt. Wieland zufolge handelt es sich um eine mittelgroße Villa rustica. Das Landgut war von einer Hofmauer mit den ungefähren Maßen von 130 mal 150 Metern umgeben. Das Hauptgebäude mit einer Grundfläche von 750 Quadratmetern ist durch einen zentralen Säulengang mit Freitreppe an der Front und flankierenden Ecktürmen gekennzeichnet. In der Archäologie ist dieser Typ der „Villa rustica“ als „Portikusvilla mit Eckrisaliten“ ein fester Begriff. Gefundene Ziegelstücke lassen vermuten, dass das Gebäude mit einer Warmluftheizung ausgestattet war. Ebenfalls erkennbar sind Mauerüberreste eines zweiten Gebäudes von 20 mal 25 Metern Grundfläche, bei dem es sich vermutlich um ein Wirtschaftsgebäude handelt, in dem die Ernte gelagert wurde.

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