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Der Moment der Entscheidung: Bürgermeister Thomas Karst (vorne links) hat im Eisinger Rathaus gegen 18.45 Uhr gerade bekanntgegeben, dass eine klare Mehrheit die Flüchtlingsunterkunft in der alten Turnhalle unterstützt. Roy Molnar und Susanne Wenzlaff von der kritischen Bürgerinitiative (vorne Mitte und rechts) demonstrierten per Händedruck, dass sie das Ergebnis respektieren. „Das ist Demokratie“, sagte Molnar. Foto: Martin Schott
Der Moment der Entscheidung: Bürgermeister Thomas Karst (vorne links) hat im Eisinger Rathaus gegen 18.45 Uhr gerade bekanntgegeben, dass eine klare Mehrheit die Flüchtlingsunterkunft in der alten Turnhalle unterstützt. Roy Molnar und Susanne Wenzlaff von der kritischen Bürgerinitiative (vorne Mitte und rechts) demonstrierten per Händedruck, dass sie das Ergebnis respektieren. „Das ist Demokratie“, sagte Molnar. Foto: Martin Schott
20.09.2015

Eisinger Bürger entscheiden sich für die Asyl-Pläne des Gemeinderats

Am Ende war das Ergebnis deutlich. 1248 Eisinger gaben den Plänen des Gemeinderats, dem Enzkreis die alte Turnhalle bei der Grundschule als Flüchtlingsunterkunft anzubieten, ihren Segen. Nur 763 hatten die Sorgen und die Kritik der Bürgerinitiative geteilt, die gegen das Vorhaben vorgegangen war.

Vertreter der BI um Roy Molnar akzeptierten das Votum direkt nach der Bekanntgabe durch Bürgermeister Thomas Karst mit einem Händedruck. Eine lange kontroverse Debatte in der Gemeinde kam damit vorerst zu einem Ende. Karst erinnerte die rund 40 Zuhörer im Ratsaal aber daran, dass die Arbeit damit erst losgeht. Die Flüchtlingshilfe sei eine Herausforderung, „die wir nur gemeinsam meistern können und nicht gegeneinander.“ „Genau, das ist richtig“, rief ein Bürger.

Roy Molnar, Yvonne Rygiel und Susanne Wenzlaff von der Bürgerinitiative kündigten an, weiterzuarbeiten und die Ausgestaltung der Flüchtlingsunterkunft im Blick zu behalten. „Wir hätten uns das Ergebnis natürlich umgekehrt gewünscht“, sagte Molnar. Und Yvonne Rygiel betonte, auch die Kritiker erhofften sich eine positive Entwicklung für die Asylunterkunft. Stolz waren die BI-Vertreter waren auf die hohe Wahlbeteiligung. 2018 von 3726 stimmberechtigten Eisingern hatten den Sonntag für ein Votum genutzt – ein weitaus höherer Anteil als bei so mancher Bürgermeisterwahl.

Helfer bereiten sich vor Ute Lutz, Vorsitzende des „Freundeskreises Internationaler Beziehungen“ (FiB), freut sich über den Ausgang des Bürgerentscheids. „Ich bin glücklich“, sagte sie: „Ich war zwar optimistisch, aber es gab auch andere Einschätzungen.“ Ute Lutz ist die Koordinatorin des neuen „Arbeitskreises Asyl“, der sich derzeit in Eisingen formiert. Der Arbeitskreis ist unter dem Dach des „Freundeskreises“ angesiedelt, der sich in seiner Hauptaufgabe der Pflege der Beziehungen zu Eisingens beiden italienischen Partnergemeinden widmet. Am Mittwoch werde die Gemeinde mit dem Arbeitskreis und dem Verein „miteinanderleben“ die Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge erörtern. Karst nimmt auch Gespräche mit dem Landratsamt über die Vorbereitung der Halle auf.

Hans-Peter Karst, Gemeinderat und Eisingens stellvertretender Bürgermeister, freute sich über das deutliche Ergebnis, ist vom Ausgang des Bürgerentscheids an sich jedoch nicht überrascht. „Ich habe dies so erwartet. Wenn man die Eisinger kennt, dann musste das so ausgehen“, so Karst. Die hohe Wahlbeteiligung zeige, dass man in Eisingen erkannt habe, dass man gefordert ist. Karst hofft, dass sich die Gemüter beruhigen und der Ort nach dem Entscheid zur Ruhe findet.

Die Entscheidung der Eisinger wurde von einem Filmteam des Norddeutschen Rundfunks für die Sendereihe „Panorama“ beobachtet. Ein Sendetermin des Beitrags steht noch nicht fest. Hans-Peter Karst glaubt mit Blick auf dieses überregionale Interesse, dass die Bürger die Gemeinde mit ihrer Haltung in ein gutes Licht rücken.

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