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Essen im Eisloch: Peter Fix hat im Pforzheimer Wildpark hungrige Enten vor sich.
Essen im Eisloch: Peter Fix hat im Pforzheimer Wildpark hungrige Enten vor sich.
Warm einpacken und frisch ans Werk: Tur Kadir leert Mülltonnen bei dicken Minusgraden. Baustellen lässt das Eis vielfach ruhen. Und auf dem Neulinger Auenhof ist Cedric Bauer bestens gerüstet. Fotos: Ketterl
Warm einpacken und frisch ans Werk: Tur Kadir leert Mülltonnen bei dicken Minusgraden. Baustellen lässt das Eis vielfach ruhen. Und auf dem Neulinger Auenhof ist Cedric Bauer bestens gerüstet. Fotos: Ketterl
27.02.2018

Eiskalte Arbeit: Winter hat die Region fest im Griff – und viele Berufe gleich mit

Strenger Frost lässt die Region bibbern. Dafür sorgt die Wetterlage wohl zumindest bis Donnerstag. Dick einmummeln ist also angesagt. Manchen macht der Frost gleich einen Strich durch die Rechnung. Viele Baustellen zum Beispiel ruhen. Einige Menschen müssen aber in der Kälte draußen arbeiten. Die PZ hat sich umgehört.

Müllabfuhr: Warme Mütze, dicke Handschuhe – und rauf aufs Müllauto. Die Tonnen in der Region müssen geleert werden. Männer wie Tur Kadir dürfen da nicht zimperlich sein. Seine Runde begann gestern um 6.30 Uhr bei minus elf Grad. Immerhin: Probleme mit eingefrorenem Müll, der nicht aus der Tonne will, sind zumindest der Abfallwirtschaft im Enzkreis nur vereinzelt gemeldet worden. Beim Restmüll gebe es dank Plastiktüten, die keine Nässe durchlassen, kaum Schwierigkeiten, meint Abfallberater Dieter Eickhoff. Schwieriger sei der feuchte Biomüll. Plastik darf da keines rein – auch keine kompostierbare Tüten. „Aber wenn man drei Lagen Zeitung in die Tonne legt, schützt das vor Festfrieren.“

Wasserversorgung: Damit die Wasserrohre vereisen und der Hahn somit trocken bleibt, sind über einen längeren Zeitraum minus 20 bis minus 25 Grad notwendig, sagt Markus Becker, Ortsbaumeister in Remchingen. In der Gemeinde häuften sich durch die Temperaturschwankungen dagegen die Wasserrohrbrüche. Vier seien es in den vergangenen drei Wochen gewesen, so Becker. „Normal ist einer pro Monat.“ Es habe jedoch auch schon Winter gegeben, in denen nichts dergleichen passiert sei.

Obstbau: Im vergangenen Jahr hatte Frost für eine sehr maue Ernte auf den Streuobstwiesen gesorgt. Das ist jedoch durch die niedrigen Temperaturen derzeit nicht zu befürchten. Da sind sich Karen Prem, Geschäftsführerin des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Enzkreis/Pforzheim, sowie dessen Vorsitzender Jürgen Metzger einig. Der Frost hatte die Pflanzen damals sehr viel später erwischt, als die Knospen und Blüten bereits weiter ausgebildet waren. Noch seien die Minus-Temperaturen absolut unkritisch für die Obstbäume.

Austräger: Bei minus zehn Grad ist PZ-Austrägerin Birgit Kurfiss gestern zwischen 1.30 und 5 Uhr durch Huchenfeld gestapft, um die Zeitungen rechtzeitig bei den Abonnenten abzugeben. Die Kälte, sagt sie, könne ihr nicht viel anhaben. Bewegung und die richtige Kleidung hielten warm. Kurfiss trägt in Nächten wie diesen Funktionsunterwäsche samt schwedischer Thermoleggins unter einer gefütterten Arbeitshose. Ein Fleecepullover und eine Softshell-Jacke halten sie obenrum warm. Die Füße stecken, warm umhüllt von Merino-Socken in Turnschuhen, Handschuhe, Mütze, Kapuze und ein spezieller Schal, der über die Nase gezogen wird, komplettieren das Outfit. Unangenehmer als Kälte, sei nasses Wetter, sagt die Austrägerin. „Wenn es schüttet wie aus Kübeln und dazu noch gewittert“ – das seien die schlechtesten Bedingungen neben Glatteis auf ungeräumten Gehwegen.

Obdachlose: Für Obdachlose ist die derzeitige Kälte nicht nur unangenehm, sondern gefährlich. Wer keinen Platz zum Übernachten findet, dem droht der Erfrierungstod. „Unser Haus ist voll belegt“, erklärt Gieso Wege vom Pforzheimer Wichernhaus. Abgewiesen würde deshalb jedoch niemand. Selbst Personen, die ein Hausverbot hätten, würden derzeit im Foyer der Einrichtung aufgenommen. „Bei dieser Kälte darf man niemanden draußen lassen“, so der Sozialarbeiter. In Pforzheim wüsste er aktuell von niemand, der auf der Straße übernachtet.

Winzer: Durchaus willkommen ist die Kältewelle bei den Winzern in der Region. „Die Reben standen schon kurz davor auszutreiben. Die Kälte signalisiert den Pflanzen nun, dass der Winter noch nicht vorbei ist“, erläutert der Ötisheimer Winzer Frank Jaggy. Ansonsten hätte, wie im April 2017, die Gefahr bestanden, dass die Rebe früh Triebe bildet und diese dann von Frost zerstört werden. Beim Rebschnitt hat Jaggy in seinen Weinbergen auch darauf geachtet, dass die Ruten nicht zu dicht an den Rebknoten abgeschnitten werden. So bleibe noch eine Art Kältepuffer. Ihm selbst mache Kälte nichts aus: „Ich habe sogar richtig Spaß daran, dick eingepackt draußen in den Weinbergen an der frischen Luft zu arbeiten.“

Wildpark: Auch im Wildpark Pforzheim sanken die Temperaturen in der Nacht auf Montag in den zweistelligen Minusbereich. „Die Leidtragenden sind an solchen Tagen die Tierpfleger“, erklärt Wildpark-Förster Carsten Schwarz. Diese müssten derzeit bis zu zweimal täglich das Eis in zugefrorenen Wassertrögen aufschlagen. Den Tieren selbst mache die Kälte wenig aus. „Viele stammen ohnehin aus dem Norden und mögen diese Temperaturen“, so Schwarz. Selbst die Fischotter, die die meiste Zeit im Eiswasser verbringen, hätten keine Probleme mit dem Wintereinbruch. Der Park sei weiterhin geöffnet, die Tiere die meiste Zeit im Außengehege, denn: „wie die Menschen suchen auch sie an solchen Tagen die Sonnenstrahlen“, so der Förster. lu

Meiricher
27.02.2018
Eiskalte Arbeit: Winter hat die Region fest im Griff – und viele Berufe gleich mit

In meiner Jugend war ich Zeitungsausträger im Mäuerach. Die Austräger bekamen damals ein Moped von der PZ gestellt. Im Winter zog ich dann Stollenreifen auf und ab ging es morgens um 4 in den Schnee. Noch vor dem Schneepflug. Es war herrlich! Und manchmal jämmerlich kalt. mehr...