760_0900_137439_ROL_UDO_KLEINER.jpg
Hat seine Entscheidung getroffen: Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner, der hier vor dem Bilfinger Rathaus steht. Dessen Sanierung zählt zu den größten Leistungen in seiner 16 Jahre dauernden Amtszeit.  Foto: Roller 

Emotionale Ansprache: Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner tritt nicht mehr an

Kämpfelbach. Es war ein Paukenschlag: Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner stellt sich nicht mehr zur Wiederwahl, sondern gibt sein Amt ab. Unter Tränen und mit zitternder, immer wieder versagender Stimme hat er am Ende der Gemeinderatssitzung am Montag eine emotionale Erklärung abgegeben, die viele in der gut besuchten Kämpfelbachhalle sichtlich überrascht hat (die PZ berichtete).

Bis ganz zum Schluss hat er damit gewartet. Erst, nachdem alle Tagesordnungspunkte abgehandelt, alle Fragen der Gemeinderäte und der Einwohner gestellt waren, setzte Kleiner die FFP2-Maske ab und fing an, ins Mikrofon zu sprechen.

Das Amt als Bürgermeister mache ihm nach wie vor große Freude, sagte er. „Es gibt aber auch zahlreiche Ereignisse, die viel Kraft kosten, auch mich viel Kraft gekostet haben.“ Er stelle an sich selbst sehr hohe Anforderungen: „Integrität, Seriosität und Glaubwürdigkeit waren stets meine Leitplanken. Ich hätte sie mir manchmal auch von anderen gewünscht.“

Mehr Zeit für die Familie

Kleiner sagte, er wolle sich nun seiner Frau und Familie zuwenden. „Für eine weitere Amtszeit in dieser wunderbaren Gemeinde stehe ich nicht zur Verfügung. Ich höre auf – und zwar zu einem Zeitpunkt, wo es am Schönsten ist.“ Das tue er „in Dankbarkeit, in Aufgeräumtheit und fester Überzeugung, die Gestaltung der Gemeinde nun in jüngere Hände abzugeben“.

Kleiner sagte, mit „vollem Einsatz und Herzblut“ habe er sich auch in seiner zweiten Amtszeit zum Wohl der Bürger eingebracht. Die Gemeinde sei schuldenfrei und kerngesund. „Es gibt auch keinen Investitionsstau oder Aktenberge, die geordnet werden müssten.“ Stichpunktartig verwies er auf die Schwerpunkte in seiner zweiten Amtszeit: die Sanierung der Bilfinger Ortsdurchfahrt, den Bau des Kreisverkehrs, die Suche nach einem Feuerwehrstandort, die Planungen zur Bahnüberführung Kirchgrund, das Neubaugebiet „Bell“, die Sanierung des Bilfinger Rathauses, das Gemeindeentwicklungskonzept und das neue Pflegeheim.

Kleiner zeigte sich dankbar für alles, was er „in dieser tollen Gemeinde“ als Bürgermeister habe erleben und gestalten dürfen. Er lobte seine „Verwaltungsmannschaft“, deren Spielführer, Coach und Kapitän er gewesen sei. Seinem Nachfolger versprach er, sich nach dem Ende seiner Amtszeit nicht einzumischen. „Meine Türen werden für Rat offenstehen, aber niemals ungefragt.“

Kleiner sagte, die Gemeinde sei in den vergangenen 16 Jahren das Herzstück seiner beruflichen Tätigkeit gewesen. „Wir haben viel geschafft, miteinander gearbeitet, gelacht, gestritten.“ Sicher habe nicht alles immer auf Anhieb funktioniert.

Aber: „Wir stehen heute so gut da wie nie. Darauf dürfen wir alle miteinander stolz sein.“ Nach einem Dank an seine Zuhörer schloss er die Gemeinderatssitzung – und erhielt tosenden Applaus von den Gemeinderäten, den Verwaltungsmitarbeitern und aus den Reihen der Zuhörer.

Udo Kleiner ist seit 16 Jahren Bürgermeister von Kämpfelbach. 2006 wurde er zum Nachfolger des inzwischen verstorbenen Ralph Herwig gewählt und bei der Wahl 2014 in seinem Amt bestätigt. Für die Bürgermeisterwahl, die im Sommer geplant ist, hat mit dem Remchinger Thomas Maag bereits ein erster Kandidat sein Interesse bekundet. Er war in der Ratssitzung anwesend und verfolgte Kleiners Rede.