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Bernd Waibel
Bernd Waibel
Alle Plätze belegt: Viele Einwohner, vor allem aus Steinegg, diskutierten im Palottisaal über das geplante Asylbwerberheim. Bürgermeister Oliver Korz (am Stehpult) musste viele Fragen beantworten. Fux
Alle Plätze belegt: Viele Einwohner, vor allem aus Steinegg, diskutierten im Palottisaal über das geplante Asylbwerberheim. Bürgermeister Oliver Korz (am Stehpult) musste viele Fragen beantworten. Fux
29.12.2013

Emotionale Asyldebatte bei Bürgerversammlung in Neuhausen

Die Diskussion über ein geplantes Asylbewerberheim in Neuhausens Teilort Steinegg wühlt die Einwohner auf: Der Pallottisaal platzte aus allen Nähten, als am vergangenen Freitag zwischen 300 und 400 Menschen, zur Bürgerversammlung strömten, zu der ein anonymes Flugblatt aufgerufen hatte.

Denn die geplante Umnutzung des früheren Seniorenheims Sankt Josef in ein Asylbewerberheim des Enzkreises, mitten im Ort, ist in dem rund 1000-Seeelen-Dorf umstritten – das zeigte die hochemotionale Diskussion, die aber auch von vielen konstruktiven Vorschlägen geprägt war.

Als Franz-Josef Leicht noch vor dem Initiator der Bürgerversammlung, Bernd Waibel, gleich zu Beginn der Veranstaltung das Mikrofon an sich nimmt und zur positiven Behandlung des Themas aufruft, erntet er ein Pfeifkonzert und die Veranstaltung droht zu kippen. Doch eine Vertreterin des Steinegger Pfarrgemeinderats, der mit den Verkaufsplänen der Neuhausener Kirchengemeinde der Altenheim-Immobilie nichts zu tun hat, machte schnell klar: „Es geht um Menschen in unserem Ort, aber auch um Menschen, die Asyl finden sollen. Beide liegen uns am Herzen.“

Auch als der Veranstalter und Schreiber des anonymen Flugblatts, der Steinegger Bernd Waibel spricht, wird schnell klar: Da werden keine rechtsradikalen Gedanken verbreitet. „Es war nicht richtig, dass es anonym war, aber es war mein erstes Flugblatt. Es musste schnell gehen und ich habe die Telefonnummer vergessen“, sagt der 64-Jährige.

Der Rentner machte aber auch keinen Hehl daraus, dass ein Flugblatt „Zug haben muss“. Bernd Waibel unterstrich sein soziales und ehrenamtliches Engagement. Der Steinegger führt mit seiner Frau Katharina, die die Pflegedienstleitung innehat, seit Jahren die täglichen Geschäfte des Krankenpflegevereins.

Waibel sprach in der Bürgerversammlung aber auch Ängste aus –es gehe um etwa 50 Asylbewerber in der Ortsmitte, ohne große Infrastruktur, nahe der Hauptbushaltestelle. Der Steinegger sieht Immobilienverluste in Höhe von 20 Prozent auf die Steinegger zukommen, spricht Baugrundstücke an, die nahe des früheren Seniorenheims liegen, als Altersvorsorge von Bürgern gedacht waren und nun wertlos würden.

„Die Neuhausener drücken den Steineggern ein Asylbewerberheim mitten im Ort aufs Auge. Das ist eine tickende Zeitbombe und zerreißt die Gemeinde“, sagt Bernd Waibel und erntet immer wieder Applaus.

Aber es gibt auch viele Menschen, die sich bei der Aussprache zu Wort meldeten, denen das Flugblatt sehr sauer aufgestoßen ist. „Ich war über das Flugblatt entsetzt. Es stellt Steinegg dar, als wären wir fremdenfeindlich“, sagt ein Frau, die anbietet, bei einem entsprechenden Konzept bei der Integration mitzuarbeiten. Die Bürgerin, die auch vielen auch aus der Seele spricht, auch sie bekommt Beifall, macht aber auch klar, dass Steinegg mit 50 Asylbewerbern in der Ortsmitte und einer schlechten Verkehrsanbindung überfordert wäre.

Auch Bernd Waibel verweist bei der Integration von Flüchtlingen, gerade in Steinegg, auf positive Erfahrungen aus der Vergangenheit. Er sieht auch die Verpflichtung, Menschen aufzunehmen und machte den Vorschlag, mehrere Familien oder auch Vollwaisen, verteilt auf alle Neuhausener Ortsteile, unterzubringen. Eine Bürgerin schlug eine andere Lösung vor: Das frühere Pflegeheim solle von der katholischen Kirchengemeinde Neuhausen an den Enzkreis nicht verkauft, sondern nur auf Zeit vermietet werden.

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