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Rechen mit den automatischen Reinigungsharken des Wasserkraftwerks an der Enz in Niefern-Öschelbronn.   Tilo Keller
Rechen mit den automatischen Reinigungsharken des Wasserkraftwerks an der Enz in Niefern-Öschelbronn. Tilo Keller
Helmut Andrä (rechts), Projektleiter der Energieerlebnistage und Volker Bunte, Prokurist von Prowind sind in 60 Metern Höhe beinahe so hoch wie die Nabe der Windkraftanlage in Langenbrand.
Helmut Andrä (rechts), Projektleiter der Energieerlebnistage und Volker Bunte, Prokurist von Prowind sind in 60 Metern Höhe beinahe so hoch wie die Nabe der Windkraftanlage in Langenbrand.
20.09.2015

EnergieErlebnisTage bieten tiefe Einblicke

Der Regionalverband Nordschwarzwald hat am Wochenende zu den EnergieErlebnisTagen eingeladen. Bereits zum vierten Mal hatten Interessierte die Gelegenheit, sich über regenerative Energiequellen in der Region Nordschwarzwald zu informieren. 14 verschiedene Anlagen zwischen Mühlacker und Bad-Rippoldsau, die Wasserkraft, Solarenergie, Bioenergie und Windenergie nutzen, sind für Besucher geöffnet worden.

„Es geht uns darum, versteckte Energieschätze an die Öffentlichkeit zu holen“, erklärte Helmut Andrä, Projektleiter der Energieerlebnistage. „Vieles liegt versteckt oder man läuft sogar täglich daran vorbei, ohne es zu beachten.“

In Niefern-Öschelbronn gab es Führungen rund um das Kleinwasserkraftwerk an der Enz. Roland Schmoll und Rüdiger Arns von der EnBW standen den Besuchern Rede und Antwort. Damit man im unterirdisch gelegenen Turbinenraum auch nur ein Wort verstehen konnte, wurde das Kraftwerk bei der Führung kurz abgestellt, so dass die Kaplan–Turbine zum Stillstand kam. „Das Wasser läuft jetzt über das Streifwehr“, erklärte Schmoll, der auch vier weitere Enz-Wasserkraftwerke betreut. Die Besucher erfuhren über die bald 15 Jahre alte Anlage unter anderem, dass die Turbine eine Leistung von 262 Kilowatt hat und jährlich durchschnittlich 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, der ins öffentliche Netz der Gemeindewerke Niefern-Öschelbronn eingespeist wird.

Die Enz hat hier eine Fallhöhe von 2,22 Metern vom Oberwasserpegel zum Unterwasserpegel, woraus sich die Leistung ergibt. „Es wird darauf geachtet, dass Fische dran vorbeiwandern können“, erklärte Roland Schmoll weiter. Für solche wandernde Fische gibt es deshalb einen Fischan- und abstieg. Zu sehen ist die Anlage normalerweise nicht, da selbst der Kanal zur Turbine unter der Straße liegt. Im Außenbereich der Anlage ist nur der Rechen mit den automatischen Reinigungsharken zu sehen. In Schömberg-Langenbrand gab es eine Windkraftanlage der ersten Generation zu sehen – und das quasi auf Augenhöhe.

Mit einer Krangondel konnten die Besucher über die Baumwipfel bis auf 60 Meter Höhe aufsteigen. Die Nabenhöhe der Anlage liegt mit 74 Metern nur wenig höher. Während sich der Rotor mit einem Durchmesser von 52 Metern in der Nähe der Gondel drehte, konnte selbstverständlich auch die atemberaubende Aussicht über den Schwarzwald und bis in den Pfälzer Wald genossen werden.

Windrad bald Aussichtsturm?

„Super, grandioser Ausblick“ – solche und und ähnlich begeisterte Kommentare waren auch von denjenigen zu hören, die vor der Höhe zunächst Respekt hatten. Die Anlage aus dem Jahr 1998 bringt jährlich durchschnittlich 796 000 Kilowattstunden. Betrieben wird sie durch Prowind. Die Finanzierung wurde seinerzeit unter Beteiligung von Gesellschaftern aus der Bürgerschaft realisiert. Insgesamt 25 Jahre sind als Gesamtlaufzeit vorgesehen. Sollte der Windpark Langenbrand realisiert werden, dann würde das alte Windrad früher abgebaut. Überlegungen zur Umwandlung in den höchsten Aussichtsturm im Nordschwarzwald klingen vielversprechend.