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Er kann es nicht lassen: Wolfgang Oechsle sind die Geschicke Remchingens nach 37 Jahren im Bürgermeisteramt noch immer nicht egal, denn er engagiert sich im Gemeinderat. Von seinem großen Wissen können dort alle profitieren.  Foto: Zachmann 

Engagement ohne Ende: Remchinger Alt-Bürgermeister feiert runden Geburtstag

Remchingen. Kommunalpolitisch kein bisschen müde geworden ist Wolfgang Oechsle. Höchstens zu seinem 80. Geburtstag, den der Remchinger Alt-Bürgermeister am Sonntag feiert, will er sich eine Auszeit mit der Familie gönnen. Ansonsten poche sein Herz nach wie vor für die Geschicke der Gemeinde, die er 37 Jahre lang als Rathaus-Chef lenkte, nachdem er zuvor sechs Jahre Bürgermeister im schwäbischen Münklingen war. „Ich kenne ja nichts anderes. Nach so langer Zeit ist die Gemeinde fast wie eine Familie, zu der ich gehöre“, stellt der Jubilar fest, der schon als kleiner Bub seinen Vater zu den Ratssitzungen in Großglattbach begleitet hatte. „Das Bürgermeisteramt war nicht nur ein Beruf, sondern zugleich Hobby und Lebensaufgabe: Das, was Freude gemacht hat im Leben.“

Remchingen wuchs in seiner Zeit von 8.000 auf 12.000 Einwohner und entwickelte sich zum Unterzentrum. Zu den sichtbarsten Projekten gehörten Freibad, Kulturhalle, Altenpflegeheim und der Stadtbahnanschluss — die meisten schlaflosen Nächte habe der Kampf für das 2005 eingeweihte Gymnasium beschert, erinnert sich Oechsle, der schließlich beim damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel vorgesprochen hatte. Viele Jahre war er Vorsitzender einiger Ortsvereine, Kreisrat und Mitglied im Regionalverband und erhielt 2011 für sein Engagement weit über die beruflichen Belange hinaus das Bundesverdienstkreuz am Bande. Neben seinem Einsatz für Gesangvereine lenkt er heute noch den früheren Trägerverein des Altenpflegeheims, der seit Jahren in einem Pachtstreit mit der Kommune steht und weiterhin die Tagespflege stemmt. Zudem ist er Gemeinderat.

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Darum tritt der langjährige Remchinger Feuerwehr-Chef ab

Ein Einschnitt in Oechsles Leben war die damals noch geltende Altersgrenze für Bürgermeister, die ihn zwang, im Januar 2010 mit 68 Jahren sein Amt niederzulegen — obwohl er für drei weitere Jahre gewählt gewesen wäre. Nach einer kleinen Verschnaufpause, in der er sich verstärkt der Imkerei und dem Reisen widmete, habe es ihn immer noch gejuckt, begründet Oechsle seine Rückkehr an den Ratstisch 2019, mit der von ihm initiierten „Bürgerliste für Umwelt, Transparenz und Fortschritt“.

"Wenn man von Anfang an dabei war, kann man sich nicht einfach zurückziehen. Natürlich hätte ich aufhören können, das wäre der einfachere Weg gewesen — aber ich wollte weiter für Remchingen da sein",

erinnert Oechsle daran, dass die früheren Singener und Nöttinger Bürgermeister Fritz Ebel und Hermann Kindler nach der Gemeindefusion denselben Weg eingeschlagen hätten.

Dennoch musste er sich beim Comeback durchaus verdutzte Blicke früherer Schultes-Kollegen gefallen lassen.

Auch im Gremium und bei seinem Nachfolger Luca Wilhelm Prayon ernten seine teils kritischen Bemerkungen und Anträge nicht immer Applaus, sondern sorgen für manch hitzige Diskussion: „Letztendlich ist das Wissen aus früheren Jahrzehnten doch von Vorteil für alle — auch für meinen Nachfolger“, stellt Oechsle schmunzelnd fest. „Wir sind nicht immer der gleichen Meinung, aber das ist Demokratie. Wir verstehen uns und eines eint uns am Ende immer: Jeder denkt an das Wohl unserer Gemeinde.“

Zum Geburtstag wünsche er sich nur eines: „Dass Corona so schnell wie möglich vorübergeht und wir wieder normal leben können.“

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