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Der aus Birkenfelder Sicht zu breite Ausbau und weitere Fehler bei der Sanierung des Laiserwegs haben zuletzt für Ärger mit dem Kreisforstamt gesorgt. Der Streit hat auch die Diskussion um die weitere Beförsterung durch das Landratsamt bestimmt. Foto: Privat
Der aus Birkenfelder Sicht zu breite Ausbau und weitere Fehler bei der Sanierung des Laiserwegs haben zuletzt für Ärger mit dem Kreisforstamt gesorgt. Der Streit hat auch die Diskussion um die weitere Beförsterung durch das Landratsamt bestimmt. Foto: Privat
15.05.2019

Entscheidung in Birkenfeld: Forst weiterhin aus der Hand des Enzkreises

Birkenfeld. Da konnte Birkenfelds Bürgermeister Martin Steiner noch so sehr beteuern, dass es mit dem Forstamt des Enzkreises in den vergangenen Jahren eine „offene, ehrliche und gute Zusammenarbeit“ gewesen sei – die heftige Kritik prasselte dennoch ein auf Hilde Neidhardt, die Forstdezernentin aus dem Landratsamt. Quer durch die Gemeinderatsfraktionen wurde sie fast zwei Stunden lang verbal unter Beschuss genommen – vor allem wegen der Fehler beim Ausbau des Laiserwegs.

Als es an die Entscheidung ging, waren die politischen Lager aber wieder messerscharf getrennt. Mit 13 Stimmen von CDU, UWB und Bürgermeister Martin Steiner befürwortete das Gremium eine weitere Beförsterung des Birkenfelder Walds durch den Enzkreis. Die acht Vertreter von Grünen und SPD stimmten dagegen. Das Landratsamt hatte offensichtlich die Brisanz erkannt. So war in Birkenfeld die Vorstellung der Neustrukturierung im Kreis Chefsache. Neidhardt erläuterte, dass die Gemeinde zwar einen festen Ansprechpartner bekommen soll, aber möglicherweise nicht mehr wie bisher nur ein Förster in Birkenfeld aktiv sein wird, sondern mehrere sich die Aufgabe teilen. Das habe Vorteile, so Neidhardt, denn: „Ein guter Holzverkäufer ist nicht unbedingt ein guter Waldpädagoge.“ Weil die 770 Hektar Birkenfelder Wald zu wenig seien, werde ein Revier mit Engelsbrand (420 Hektar) gebildet. Der Nachbar hatte sich zuvor schon entschieden, die kommenden fünf Jahre unter der Regie des Enzkreises weiterzumachen. Der Preis für Birkenfeld steige durch die kartellrechtlich erzwungene Forstreform von bisher 44.000 auf gut 73.000 Euro jährlich.

Mit einem eigenen, bei der Gemeinde angestellten Förster wäre Birkenfeld womöglich sogar noch günstiger gefahren. Knapp 84.000 Euro Mindestkosten waren berechnet. Vom Land hätte die Gemeinde gut 15.000 Euro Mehrbelastungsausgleich bekommen.

„Wir sollten uns die Entscheidungshoheit über unseren Wald wieder zurückholen“, sagt Joachim Wildenmann (Grüne) zum Antrag auf einen eigenen Förster. Er bemängelte neben einer Salamitaktik beim Laiserweg („Das Forstamt hat immer nur zugegeben, was schon bewiesen war“), dass das Kreisforstamt beim Alt- und Totholzkonzept gebremst und bei der Waldkalkung die geforderten Messergebnisse anderthalb Jahre lang nicht vorgelegt habe.

Auch sein Fraktionskollege David Hartfelder befürwortete eine Trennung vom Kreis: „Wenn ein Dienstleister Mist baut, muss man die Konsequenzen ziehen.“

Hartmut Ochner (CDU) zeigte sein Vertrauen in den Kreisforst erschüttert. Er prangerte an, dass beim Ausbau des Laiserwegs unter Aufsicht des Landratsamts offensichtlich Fremdmaterial zum Auffüllen eingebracht worden sei: „Da waren Beton, Ziegel, Teer, Asphalt und gelber Lehm dabei. Wenn das ein Bürger gemacht hätte, wäre er als Umweltsünder dran gewesen!“

Frank-Michael Lemminger (UWB) fragte „Was ist eigentlich gut gelaufen bei der Zusammenarbeit in den letzten Jahren?“ ohne darauf tatsächlich eine konkrete Antwort erhalten zu haben.

Sein Fraktionskollege Martin Jost wollte wissen, warum der Kreis Birkenfeld nicht eine maßgeschneiderte Lösung mit nur einem Ansprechpartner bieten könne. Das sei der Personalplanung geschuldet, so Neidhardt.

Ein wichtiges Anliegen von Martin Gnadler (CDU) war, mit der bisherigen Försterin Susanne Kienzle, früher Schletter, weiterzumachen. Sie habe ihm gegenüber signalisiert, nach ihrer Elternzeit nach Birkenfeld zurückkehren zu wollen, aber nicht in einer Direktanstellung, sondern nur über den Kreis.

Ob dies tatsächlich auch so kommen wird, konnte Neidhardt aber nicht garantieren. Noch sei nicht sicher, welcher Förster Birkenfeld ab kommendem Jahr zugeordnet werde, auch wenn wichtigstes Kriterium bei der Auswahl die Ortsvertrautheit sei.

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