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Das Piepenbrock-Areal soll eine Flüchtlingsunterkunft werden.
Das Piepenbrock-Areal soll eine Flüchtlingsunterkunft werden. © Ketterl
09.10.2015

Enzkreis: 500-Seelen-Dorf Darmsbach soll größter Asylstandort werden

Im Remchinger Ortsteil Darmsbach plant der Enzkreis die Einrichtung einer provisorischen Unterkunft. Bis zu 300 Menschen sollen im Gebäude der Firma Piepenbrock einziehen – die ersten noch in diesem Jahr. Zur Vorstellung der Planungen hat die Gemeinde die Bürger am kommenden Mittwoch um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

„Mit dieser Unterkunft können wir etwa ein Drittel der Flüchtlinge unterbringen, die wir noch in diesem Jahr aufnehmen müssen“, sagt Landrat Karl Röckinger. „Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck an den Konzepten für die Sicherheit, die Sozialbetreuung und für bauliche Maßnahmen wie Sanitär-Container“, so Röckingers Stellvertreter, Erster Landesbeamter Wolfgang Herz. Er wird zusammen mit Katja Kreeb, als Sozialdezernentin für die Flüchtlinge zuständig, und Miriam Mayer, Leiterin des Amts für technische Dienste, beim Bürgerinformationsabend diese Konzepte vorstellen.

Bis vor einigen Monaten hatte man im Enzkreis auf dezentrale Gemeinschaftsunterkünfte mit 50 bis 80 Plätzen gesetzt. „Die aktuelle Situation zwingt uns, diese Linie – hoffentlich nur vorübergehend – zu verlassen“, sagt Landrats-Vize Herz. Passende Gebäude gebe es im Enzkreis praktisch keine mehr und Wohn-Container seien derzeit ebenfalls nicht mehr zu bekommen – zumindest nicht kurzfristig.

Auch leerstehende Firmengebäude gibt es nur sehr vereinzelt – und wenn, dann seien davon nur wenige tatsächlich geeignet, erklärt Miriam Mayer: „Große Probleme gibt es häufig beim Brandschutz sowie bei den sanitären Anlagen und den dafür notwendigen Anschlüssen.“ Viele Fertigungshallen hätten zudem keine Fenster, also kein Tageslicht.

„Die neue Einrichtung wird für uns alle in Remchingen eine große Herausforderung“, sagt Remchingens Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Er lässt keinen Zweifel daran, dass Remchingen das Landratsamt bei seiner schwierigen Aufgabe unterstützen und dabei alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um rund um diese neue Einrichtung geordnete Verhältnisse sicherzustellen. Das betont auch Wolfgang Herz: Unter anderem wird ein Sicherheitsdienst 24 Stunden vor Ort sein.

Auch bei der Betreuung kommt auf die Gemeinde und den Enzkreis ein gewaltige Aufgabe zu – schließlich sollen in der Unterkunft in Darmsbach mehr als doppelt so viele Menschen eine vorläufige Bleibe finden wie in der Kerschensteiner-Halle in Mühlacker, der bislang größten Unterkunft im Enzkreis. „Dort haben wir bereits erfolgreiche innovative Konzepte entwickelt und erprobt“, sagt Sozialdezernentin Katja Kreeb – beispielsweise die Vor-Ort-Sprechstunde zur ärztlichen Versorgung.

Auch bei der Sozialbetreuung fange man nicht bei Null an, sagt Kreeb. Diese Aufgabe übernimmt wie in den anderen Einrichtungen im Enzkreis der Verein miteinanderleben. In Darmsbach, wo etwas über 500 Menschen leben, werde man sich gezielt um Kinder und Jugendliche kümmern: „Wir wollen auch dort eine Bildungsförderung installieren“, erklärt Kreeb – um zum Beispiel die Beschulung in den umliegenden Schulen vorzubereiten.

In Remchingen setzt Bürgermeister Prayon außerdem auf ehrenamtliche Helfer, „die sich bereits in jüngerer Vergangenheit mit großem Herzblut und Engagement für die Flüchtlinge eingesetzt haben.“ Mit einem Informationsbrief hat er sich direkt an die Bürgerschaft gewandt und darin um Unterstützung für das Vorhaben geworben: „Remchingen ist eine tolerante und weltoffene Gemeinde. Dies haben wir in der Vergangenheit oft und sehr eindrucksvoll bewiesen. Daher bitte ich Sie auch jetzt mit Blick auf diese neue und sicherlich sehr herausfordernde Aufgabe weiterhin um Ihre Unterstützung. Gemeinsam werden wir diese meistern!“

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