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In der alten Schulturnhalle neben dem Schulkomplex in Niefern und hinterm Hallenbad finden bald 60 Asylsuchende eine vorläufige Bleibe. Als Aufenthaltsbereich steht der Bereich bei der Skateranlage zur Verfügung. Foto: Ketterl
In der alten Schulturnhalle neben dem Schulkomplex in Niefern und hinterm Hallenbad finden bald 60 Asylsuchende eine vorläufige Bleibe. Als Aufenthaltsbereich steht der Bereich bei der Skateranlage zur Verfügung. Foto: Ketterl
16.11.2015

Enzkreis braucht schnell viele Wohnräume: Neulingen vermittelt Kontakte

Der Anlass der Reise einer Delegation aus Neulingen und dem Enzkreis in den äußersten Westen Frankreichs war dramatisch: die Not in kürzester Zeit immer neue Unterkünfte für Flüchtlinge und bald auch viele Sozialwohnungen schaffen zu müssen. Durch die Anschläge von Paris wurde die Reise in die Region der Neulinger Partnergemeinde Le Pouiré-sur-Vie selbst dramatisch. Während die Neulinger am Volkstrauertag der französischen Freunde gedachten, konnten Bürgermeister Michael Schmidt und Landratstellvertreter Wolfgang Herz ihr Mitgefühl und ihre Betroffenheit persönlich übermitteln.

Im Nachbarort der Neulinger Partner, in La Roche-sur-Yon gibt es ein Unternehmen, das für diejenigen äußerst interessant ist, die derzeit in der Wohnraum-Hatz gefangen sind. Für die vielen Flüchtlinge im Enzkreis gehen große Gebäude rapide aus, selbst der Markt für Wohncontainer ist leergefegt. In Neulingens Teilort Göbrichen haben vor allem Familien aus Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan ein winterfestes Zelt bezogen. Und alle Kommunen wissen, dass sie spätestens in zwei Jahren, wenn viele der Neuankömmlinge dauerhaft bleiben, günstigen Wohnraum brauchen. Und da, glaubt Michael Schmidt, könnte das Unternehmen Yves Cougnaud ein wichtiger Ansprechpartner sein. Seine Spezialität sind Gebäude, die aus vorgefertigten Modulen schnell und flexibel aufgestellt werden können. Von kleinen Unterkünften, die Containern ähneln bis hin zu mehrstöckigen Einheiten.

Die Reise habe gezeigt, dass die Konstruktionen aus der Partnerregion deutsche Baunormen etwa zu Brandschutz oder Energieeffizienz erfüllen, so Schmidt. Und gestalterisch „bräuchten wir uns nicht zu genieren, auch sozialen Wohnungsbau so zu realisieren“, so Schmidt. Zumindest als eine Alternative. Ein Problem der derzeitigen Unterkunftssuche ist schließlich, dass es im angespannten Markt dauern kann, bis ein Projekt umgesetzt ist. Und wenn beim Wettlauf um dauerhafte Bleiben ein Bauboom losgehe, so Schmidt, könne das haargenau so wieder aussehen. Die möglichen Baufirmen müssten den zu erwartenden Aufträgen erst mal nachkommen. Die Franzosen würden derzeit rund drei Monate von Bestellung bis Fertigstellung in Aussicht stellen.

„Nicht ewig auf Zelte setzen“

Eine spannende Perspektive, findet Schmidt. So könnte der Enzkreis am Ende von Neulingens partnerschaftlichen Kontakten profitieren, „Wir können schließlich nicht ewig auf Zelte setzen“, so der Bürgermeister. Zusammen mit Wolfgang Herz hatte er erst in der vergangenen Woche den Göbrichern erklärt, dass die Notunterkunft an der Büchighalle nur als eine Übergangslösung gedacht sei. Für einen Übergang braucht es freilich solidere Unterkünfte, in die die Bewohner wechseln können.