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Aus der U-Haft vorgeführt wird der mutmaßliche Brandstifter, der für das Abfackeln von 15 Autos infrage kommen soll. 

Ermittler sind sich sicher, dem mutmaßlichen Feuerteufel mindestens acht Brände nachweisen zu können - mehr als die vier Brandanschläge auf mehrere Autos

Pforzheim. Es ist 13 Uhr, vor dem Gebäude des Pforzheimer Amtsgerichts an der Lindenstraße fährt ein dunkelblauer VW-Bus der Justiz mit Landeskennzeichen vor. Der Beifahrer, ein Vollzugsbeamter, steigt aus, überreicht einer Wachtmeisterin seine „Depesche“ – man hat sie erwartet. In einer halben Stunde soll Ahmed G. (Name geändert) erneut dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Anwalt des 24 Jahre alten Syrers hat einen Haftprüfungstermin beantragt. Sein Mandant sitzt seit Samstag, 7. Dezember, in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte ihn einen Tag zuvor in Neuenbürg, wo er zuletzt wohnhaft war, festgenommen. Er steht im Verdacht, die Person zu sein, die mit Brandstiftungen die Region in Atem hielt. Es handelt sich nach PZ-Informationen um einen vor vier Jahren nach Deutschland gekommenen Flüchtling.

G. soll zuletzt regelmäßig in einer Moschee in Pforzheim gewesen sein, die vorwiegend von Muslimen mit arabischem Hintergrund besucht wird. Dort soll er sich radikalisiert haben – in seinem Hass auf eine Gesellschaft, die ihm nicht das bieten kann und will, was er sich nach seiner Flucht erträumte.

Feuerteufel gefasst – Spurensuche am Haus des Verdächtigen
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Feuerteufel gefasst – Spurensuche am Haus des Verdächtigen

Als Ahmed G. – die Hände gefesselt – aus dem VW-Bus steigt, wird er von einem der Vollzugsbeamten in das Amtsgerichtsgebäude geführt. Er hat volles Haar, trägt Bart, eine wattierte Jacke, Hosen mit „Hochwasser“ – es ist ein in der Szene gerne genutztes Mode-Erkennungszeichen von Salafisten, den Vertretern einer ultrakonservativen Form des Islam.

Nach PZ-Informationen sind sich die Ermittler sicher, ihm mindestens acht Brände nachweisen zu können. Es würde sich damit um weit mehr als die vier spektakulären Mehrfach-Fälle vom 26. November bis 3. Dezember in Pforzheim, Singen, Ersingen und Neuenbürg handeln, bei denen an den insgesamt 15 ausgebrannten beziehungsweise beschädigten Autos und in Mitleidenschaft gezogenen Anwesen ein Gesamtschaden von mehreren Hunderttausend Euro entstanden war. Wie die Beamten des Kriminalkommissariats – es wurde die Ermittlungsgruppe „Lenkrad“ ins Leben gerufen – auf die Spur des mutmaßlichen Brandstifters kam, wird seitens von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht preisgegeben.

Brandherde in der Nähe von Bahnhaltestellen

Es fällt auf, dass alle Brandherde in unmittelbarer Nähe zu Bahnhaltestellen liegen. Spekulation bleibt, ob ein Abgleich von Videoaufnahmen auf einen Wiederholungstäter schließen ließ.

Ermittler, so ist zu hören, gehen davon aus, dass der 24-Jährige keinen Mittäter hatte, auch wenn im Fall Maihälden Zeugen gesehen haben wollen, dass in der Nacht des Brands von fünf Fahrzeugen sich zwei Männer im fraglichen Viertel aufgehalten haben sollen.

Vorläufig nach Emmendingen

Nach mehr als zwei Stunden biegt der Justiz-Bus wieder auf die Lindenstraße ein, verlässt Pforzheim – ohne Ahmed G. Der sitzt in einer der Gewahrsamszellen des Amtsgerichts und wird später von der Polizei abgeholt – in Richtung Emmendingen. Dort wird er in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung auf seine Anklage warten.

Denn während der Anhörung beim Haftrichter wird klar: Es gibt Anhaltspunkte, die auf eine psychische Störung schließen lassen. Deshalb wird die Untersuchungshaft in die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung umgewandelt. Ahmed G. bestreitet alle ihm zu Last gelegten Taten.

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