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Die Probleme, vor die mache Kinder ihre Erzieher stellen, gehen weit über ein normales Maß hinaus. Foto: Fotolia
Die Probleme, vor die mache Kinder ihre Erzieher stellen, gehen weit über ein normales Maß hinaus. Foto: Fotolia © Fotolia
17.01.2019

Erzieher am Limit: Umstrittene Betreuung schwieriger Kinder im Enzkreis geplant

Enzkreis. Der Enzkreis sieht eine Überforderung von Kitas durch schwierige Kindern. Die Zahl der Fälle, in denen diese bereits im Alter von drei bis sechs Jahren „herausforderndes, zum Teil aggressives, zerstörerisches und übergriffiges Verhalten“ zeigten, steige. So steht es in einer Beschlussvorlage, mit der sich der Jugendhilfeausschuss in einer Sondersitzung beschäftigte. Die Verwaltung will eine gesonderte Gruppe für diese Kinder einrichten – Die „Hohberg-Minis“ im Hohberghaus in Bretten, getragen vom Badischen Landesverein für Innere Mission.

Das Vorhaben stieß im Ausschuss mehrheitlich auf Gegenwehr – Exklusion statt Inklusion, lautete der Vorwurf. Doch die Verträge sind bereits seit Monaten geschlossen. So musste in der Sitzung nun ein Kompromiss gefunden werden. Hintergrund ist, dass derzeit vier Kinder im Kreis aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten dauerhaft aus Kitas ausgeschlossen sind. Sie benötigten einen klar strukturierten Tagesablauf in Kleingruppen mit besonderer Betreuung, so Jugendamtsleiter Wolfgang Schwaab.

Auf Anfrage des Jugendamts hat das Hohberghaus an einem solchen Konzept gearbeitet. Sechs Kinder sollen dort von Fachkräften betreut werden. Bewegungs- und Sprachförderung sowie intensive Elternarbeit und Kooperation mit Erziehern und Lehrern inklusive – das Ziel sei die Reintegration in das Regelsystem im Wohnort. Das erläuterte Einrichtungsleiter Christoph Röckinger.

Der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Elisabeth Vogt, die seit 1998 im Hohberghaus arbeitet, und Christine Danigel (Grüne), seit 25 Jahren Kita-Leiterin in Neuenbürg, ist das Konzept ein Dorn im Auge. Es entspreche nicht der Inklusion, der sich der Kreis verschrieben habe. Es gelte, die Strukturen zu ändern, nicht die Kinder aus diesen heraus zu nehmen. Auch CDU-Fraktionschef Günter Bächle hält nichts davon, „einen Vierjährigen durch den ganzen Kreis zu karren“. Für die Förderung vor Ort plädierten auch Heinrich Furrer (FWV) und Helmut Spiegel (CDU). Allein der Wiernsheimer Bürgermeister Karlheinz Oehler (FDP) stellte sich auf die Seite der Verwaltung.

Der Beschlussvorschlag war im Vorfeld ergänzt worden. Demnach ist vorgesehen, dass sowohl das Gruppenangebot ermöglicht wird als auch in Einzelfällen mehr Geld in die Hilfe vor Ort fließen soll. Zweiteres wurde einstimmig beschlossen. Ein Kompromiss wurde für die „Hohberg-Minis“ mehrheitlich gefunden: Die vier Kinder dürfen wie vorgesehen ins Hohberghaus. 140000 Euro kostet dies den Kreis jährlich. Über jeden weiteren Fall wird entschieden, nachdem ein Beschluss in einer Sondersitzung zum Thema Inklusion gefallen ist.

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