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Spannende Wanderung: Bio-Landwirt Oliver Bischoff hat am Sonntag bei einer Exkursion zahlreiche Interessierte über seine Felder geführt.  Foto: Roller 

Es geht auch ohne Pestizide: Kieselbronner Umweltliste organisiert Exkursion über die Felder

Kieselbronn. Während vom Himmel die Frühsommer-Sonne brennt, wandert die Gruppe am Sonntagnachmittag vom Häckselplatz aus durch die Felder rund um Kieselbronn. Immer wieder macht sie Halt, um sich von Oliver Bischoff vor Ort seine Betriebsweise erklären zu lassen. Bei der von der Kieselbronner Umweltliste organisierten Veranstaltung geht es um die Landwirtschaft und darum, in welchem Verhältnis sie zur Ökologie steht.

„Landwirtschaft kann sowohl Teil des Problems als auch der Lösung sein“, sagt Bischoff, der vor fünf Jahren mit der Umstellung auf Ökolandbau begonnen hat und Teile der Kieselbronner Gemarkung bewirtschaftet. Ihm ist es ein Anliegen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Er redet ruhig und betont, konventionelle Betriebe nicht schlecht machen zu wollen. Die Landwirtschaft hat er von der Pike auf gelernt, eine entsprechende Ausbildung und ein Studium absolviert.

Vor sieben Jahren übernahm er den Betrieb seiner Eltern, nachdem er sie auch vorher schon immer unterstützt hatte. Bischoff suchte eine neue Herausforderung und beschloss, den Betrieb auf Bio umzustellen. Bisher habe er das nicht bereut, sagt Bischoff, der hauptsächlich Ackerbau betreibt, unter anderem mit Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Sojabohnen. Zudem hat er Viehhaltung, genauer gesagt Mutterkühe zur Fleischerzeugung, die das ganze Jahr über im Freien auf der Weide stehen. „Mit relativ gutem Erfolg“ züchtet Bischoff Kaltblutpferde. Mit seinem Hof ist er Mitglied im Naturland-Verband, der viel Wert auf hohe Sozialstandards legt und im fairen Handel aktiv ist.

Bischoff achtet auf eine weite Fruchtfolge und setzt keinen synthetischen Stickstoffdünger ein. Er betreibt viel Feldfutterbau und baut Kleegemenge an, die mit Hilfe von Knöllchenbakterien den Stickstoff in den Boden bringen. Bischoff verzichtet auf chemische Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat.

Er will nicht „die Chemie-Giganten“ unterstützen, die Züchterfirmen aufkaufen und versuchen, monopolähnliche Strukturen aufzubauen. Bischoff sagt, er wolle weg von den großen Züchtern und kaufe stattdessen regional, wo immer es immer möglich sei. Er betreibt eigenen Nachbau und sät unter Beachtung der Sortenlizenz eigenes Getreide aus. Gespannt hören ihm die Teilnehmer des Rundgangs zu.

Es ist nicht der erste, den die Kieselbronner Umweltliste auf die Beine gestellt hat. Dabei ist es bisher immer um ökologische und soziale Themen gegangen, etwa um die ursprüngliche Wasserversorgung oder alte Obstsorten. Zudem organisiert die Umweltliste zusammen mit der Brettener Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) in regelmäßigen Abständen die Abgabe von Fruchtsträuchern zu deutlich vergünstigten Preisen. Diese sollen in Hausgärten eine Heimat für Insekten, Bienen und Vögel bieten. Im Herbst soll die Abgabe-Aktion wieder stattfinden.