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Voneinander lernen wollen Verwaltungsexperten und Projektbetreiber aus Schweden, Italien und der Region bei einem zweitägigen Austausch im Landratsamt Enzkreis.  Foto: Meyer 

Europäische Ideen-Gemeinschaft: Enzkreis tauscht sich mit Partnern aus Italien und Schweden aus

Enzkreis. Persönlich sind Dänen gar nicht vertreten im Großen Sitzungssaal des Landratsamts. Doch der per Film eingespielte Denkanstoß zum Thema Fremde und Gemeinschaft kommt vom dänischen Fernsehen.

„Die und wir“ – dieser Konflikt wird heruntergebrochen auf entgegengesetzte soziale Gruppen: Manager gegenüber von Krankenschwestern, Alteingesessene gegen Zugezogene, sozial Engagierte gegen Straßengangs, Fans verschiedener Fußballclubs. Dann fragt ein Moderator nach Gefühlslagen und Lebenssituationen – und plötzlich haben Menschen vieles gemeinsam, die das nicht für möglich gehalten hätten.

Ein gewitzter Beitrag für ein Forum, das sich zwei Tage lang mit Modellen befasst, wie Flüchtlinge und andere Migranten über den Arbeitsmarkt in die Gesellschaft integriert werden können. Im Saal sitzen Delegationen aus der italienischen Provinz Parma, aus Südtirol und aus dem schwedischen Trollhättan bei Göteborg. Im April hatte es in Schweden ein erstes Treffen gegeben, bei dem in Einrichtungen und Betrieben angeschaut wurde, wo dort die Vermittlung von Neuankömmlingen in Arbeit oder in Qualifikationsmaßnahmen gut funktioniert hat. Gerade aus Schweden kämen gute Denkanstöße, sagt Sozialdezernentin Katja Kreeb, die die Delegationen für den Enzkreis begrüßt. Auf Englisch, der Tagungssprache. Der Austausch mit Italien und Schweden im Rahmen des EU-Projekts „Dekolla“ sei ihr umso wichtiger, als Europa in der Wahrnehmung vieler eher auseinanderdrifte. Der Austausch der Verwaltungskollegen spreche da eine ganz andere Sprache.

Im Landratsamt stehen zunächst Projekte im Vordergrund, die in der Region den Schritt von Migranten in den Arbeitsmarkt ebnen sollen. Silvia Morabito vom Pforzheimer Stadtjugendring stellt vor, wie das Projekt „Elisa“ beispielsweise Erfahrungen von Menschen mit Wurzeln in den Ländern der Neuankömmlinge nutzt, die bereits beruflich erfolgreich sind. Anna Gierse erklärt, wie Q-Prints & Service bei Müttern ansetzt, um ihre berufliche und soziale Situation zu verbessern. Und eine ganz praktische Erfolgsgeschichte erzählt der Wurmberger Flüchtlingshelfer Michael Hecht.

Hecht berichtet von Abdulkarim Al Daghli, der aus Syrien geflüchtet war, wo er in Aleppo und Damaskus Kleider geschneidert hatte. Mit hohem Einsatz versuchten er und seine Frau Hanifa, möglichst schnell in Wurmberg Fuß zu fassen und Deutsch zu lernen. Im Gegenzug erhielten sie aus dem Ort viel Beratung in Sachen Steuern, Versicherungen und Buchführung für ein Geschäft hierzulande. Im Frühjahr 2017 eröffneten die Al Daghlis ihre eigene Schneiderei. Heute verdiene Hanifa Al Daghli selbst ihr Geld in einer Wurmberger Wäscherei. Ihr Mann hat die Öffnungszeiten erweitert und Kunden gewonnen.

Solche Beispiele stoßen auf Interesse.

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