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Wollen enger zusammenarbeiten: Neuenbürgs Dekan Joachim Botzenhardt, Mühlackers stellvertretender Dekan Ernst-Dietrich Egerer und Kieselbronns Pfarrer Markus Mal, der derzeit stellvertretend das Dekanat Pforzheim-Land führt. PZ-Archiv
Wollen enger zusammenarbeiten: Neuenbürgs Dekan Joachim Botzenhardt, Mühlackers stellvertretender Dekan Ernst-Dietrich Egerer und Kieselbronns Pfarrer Markus Mal, der derzeit stellvertretend das Dekanat Pforzheim-Land führt. PZ-Archiv
20.03.2016

Evangelische Dekanate machen sich auf den Weg zum Diakonieverbund

In der Flüchtlingskrise ist der Enzkreis auf der Suche nach weiteren Partnern als Ergänzung für den bisher in der Betreuung der Neuankömmlinge zuständigen Verein „miteinanderleben“ (die PZ berichtete).

In der Stadt Pforzheim hat sich die evangelische Diakonie als ein solcher Partner bewiesen. Der Enzkreis steht dagegen derzeit noch vor einem strukturellen Problem. Die evangelischen Kirchengemeinden im Kreis teilen sich in drei unterschiedliche Dekanate auf: Neuenbürg, Mühlacker und Pforzheim-Land. Und in zwei Landeskirchen: die württembergische (Mühlacker und Neuenbürg) und die badische (Pforzheim-Land). Die Folgen sind beispielsweise bei sozialen Aufgaben die dreifache Zahl an Ansprechpartnern und kleiner dimensionierte organisatorische Strukturen als etwa in Pforzheim. Doch die Dekanate haben sich auf den Weg gemacht, das zu ändern.

Neuenbürg hat Weichen hin zu einem Diakonieverbund bereits gestellt. Mühlacker und Pforzheim-Land möchten später im Jahr nachziehen.

Natürlich ist es nicht so, dass die Dekanate nicht schon zusammenarbeiten. Die in Mühlacker angesiedelte Stelle zur Koordinierung der Flüchtlingsarbeit zum Beispiel, die derzeit allerdings neu besetzt werden muss, ist für alle drei Dekanate zuständig. Das soll den Plänen nach künftig für die gesamte diakonische Arbeit gelten. Neuenbürgs Dekan Joachim Botzenhardt und Mühlackers stellvertretender Dekan Ernst-Dietrich Egerer sehen einen entscheidenden Vorteil des Diakonieverbunds darin, dass gerade bei den Leitungs- und Verwaltungsaufgaben die Kräfte gebündelt werden.

Botzenhardt stellt sich die Struktur so vor: Dienststellen bleiben nahe bei den Menschen, dezentral verteilt, aber eine Geschäftsführung soll künftig für die diakonische Arbeit im gesamten Enzkreis sprechen. Das ist es, was er eine Professionalisierung der Arbeit nennt.

Schließlich, sagt auch Markus Mall, der stellvertretende Dekan von Pforzheim-Land, gebe es Herausforderungen, wo solch ein zentraler Ansprechpartner entscheidend sei. Die Flüchtlingsfragen seien nur das derzeit akuteste Beispiel dafür. Der Weg in Richtung eines Diakonieverbunds ist selbst ein Beleg dafür, warum die soziale Arbeit neu strukturiert werden soll. Bei drei Dekanaten gibt es auch drei Gremien, die über Weichenstellungen entscheiden müssen. Neuenbürg ist da einen Schritt weiter als Mühlacker und Pforzheim-Land.

Wo Neuenbürgs Synode schon einen Beschluss gefasst hat, beginnt in den anderen Dekanaten im Frühjahr erst die Information der Gremien. Beschlüsse könnten dann wohl erst im Herbst gefasst werden. Zumal in Mühlacker mit Dekan Ulf van Luijk eine Triebfeder des Prozesses derzeit ausfällt. Und in Pforzheim-Land wird der Nachfolger des früheren Dekans Axel Ebert noch gesucht.

Der Wunsch des Enzkreises nach einem starken Partner für soziale Aufgaben ist ein Antrieb für das Projekt. Der andere Reiz ist das Überwinden der Grenzen zwischen den Landeskirchen Baden und Württemberg. „Wir können zeigen, dass es geht“, meint Egerer. Der Wille sei entsprechend da. Und wo ginge das besser als im Enzkreis, wo die früheren Landesgrenzen ohnehin wild verlaufen. So kommt es zustande, dass mit Mühlacker im Osten und Neuenbürg im Westen zwei württembergische Dekanate das badische Pforzheim-Land praktisch in die Mitte nehmen.

Eine weitere Besonderheit ist der Zuschnitt des Dekanats Neuenbürg, das bei der diakonischen Arbeit nicht nur den Enzkreis im Blick haben muss, sondern auch den Kreis Calw. Dekan Botzenhardt ist bis tief in den Calwer Kreis hinein zuständig.