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Der Spielleiter habe immer wieder Sponsoren um Mittel für den Verein gebeten und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Symbolbild pixabay

FV Tiefenbronn stand kurz vor dem Aus: Ehemaliger Spielleiter veruntreute jahrelang Vereinsgelder

Tiefenbronn. Ein übles Foul aus den eigenen Reihen hätte den FV Tiefenbronn fast in den finanziellen Ruin getrieben: Der ehemalige Spielleiter hat über Jahre hinweg Vereinsgelder veruntreut, wie jetzt bei der Hauptversammlung des Vereins öffentlich bekannt wurde.

Insgesamt betrage der Schaden rund 44.000 Euro, so Vorstand Manuel Hess auf PZ-Anfrage. „Die Dunkelziffer ist deutlich höher“, fügt er hinzu. Nach diesem Desaster konnte sich der Fußballverein nur über Wasser halten, weil Privatleute aus dem Verein Mittel in fünfstelliger Höhe zur Verfügung stellten. Hess: „Die laufende Saison ist seit dem Start im August komplett privat finanziert.“ Das war natürlich keine Dauerlösung und so drohte das Aus für die Fußballer – doch jetzt ist der Fortbestand des FVT durch ein Darlehen der Kommune gesichert, das der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung einstimmig gewährt hat. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Bauunternehmer Hess.

Man habe dem Spielleiter blind vertraut und hätte nie im Leben mit einem Betrug gerechnet: Der Mann gehörte als aktiver Spieler viele Jahre zum Verein, bevor er Spielleiter wurde. Erst jetzt habe man erfahren, dass er wohl schon lange spielsüchtig war. Um das zu finanzieren, habe er immer wieder Sponsoren um Mittel für den Verein gebeten und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Erst als ein Betroffener beim Vorstand nachfragte, kam die Sache ins Rollen. Trotzdem dauerte es noch eine Weile, bis man die Vorgänge aufgeklärt hatte und sich im Herbst 2017 von ihm trennte. Der Spielleiter habe ein kompliziertes Konstrukt, eine regelrechte Scheinwelt, aufgebaut, um seine Machenschaften zu verschleiern. „Neben dem finanziellen Schaden war die menschliche Enttäuschung riesig“, so Vorstand Hess.

Vertrauen zurückgewinnen

Nun ermittle die Staatsanwaltschaft gegen den Mann. Der Verein werde jedoch nicht gegen ihn vorgehen: Der frühere Spielleiter verfüge über keine finanziellen Mittel, die den Schaden ausgleichen könnten. Darüber hinaus müsste der Verein das Verfahren aus eigener Tasche bezahlen, weil er keine Rechtsschutzversicherung hat. Der FVT sei erleichtert, dass durch das Darlehen der Gemeinde das Schlimmste verhindert worden sei, so Hess.

Bürgermeister Frank Spottek betont, dass die Gemeinde einen Verein in Not, der in der Jugendarbeit sehr aktiv sei, nicht hängenlasse. Das Sanierungskonzept habe den Gemeinderat überzeugt: Das Darlehen in Höhe von 28.000 Euro ist auf zwei Jahre angelegt und wird in monatlichen Teilraten ausgezahlt. „Aber die Maßgabe ist natürlich, dass der Verein sich langfristig auf eigene Beine stellen muss“, so Spottek. Vielleicht wirke das Vertrauen der Gemeinde auch als Signal an die verunsicherten Sponsoren.