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Fahrradexperten bei der Arbeit: Asylbewerber Eshref Shehu (von links), Werner Binhack, Gerhard Horbach und Knut Britsch basteln an der kaputten Gangschaltung eines Mountainbikes. Foto: Seibel
Fahrradexperten bei der Arbeit: Asylbewerber Eshref Shehu (von links), Werner Binhack, Gerhard Horbach und Knut Britsch basteln an der kaputten Gangschaltung eines Mountainbikes. Foto: Seibel
30.10.2016

Fahrradwerkstatt des Netzwerks Asyl in Neuenbürg läuft auf Hochtouren

Neuenbürg. Der kleine, enge Hof im Johannes-Sproll-Gemeindehaus droht aus allen Nähten zu platzen. Fahrräder in allen Kategorien, wohin das Auge reicht. Seit Mai dieses Jahres herrscht gegenüber der katholischen Kirche in Neuenbürg einmal pro Woche emsiges Treiben. Denn jeden Donnerstag von 14 bis 18 Uhr hat dort die Fahrradwerkstatt, organisiert vom Netzwerk Asyl, geöffnet.

Diesmal stehen die ehrenamtlichen Helfer Gerhard Horbach, Werner Binhack und Knut Britsch vor einer kniffligen Aufgabe. „Das ist technisch äußerst anspruchsvoll“, meint Horbach und deutet auf die 27-Gang-Schaltung eines Mountainbikes, das auf dem Montageständer festgezurrt ist. Es wird geschraubt, justiert und erneut justiert – doch die Kette will einfach nicht über die Zahnräder springen. „Kein Problem“, sagt Binhack, „dann müssen wir die Schaltung eben austauschen.“ Geht nicht – gibt’s nicht, lautet das Motto in der Werkstatt. „Bisher haben wir noch alles hinbekommen, selbst wenn es einige Tage gedauert hat“, versichert Knut Britsch. Der Pforzheimer Pensionär ist ausgebildeter Feinmechaniker, seine Kollegen hatten ähnliche, technische Berufe. „Uns macht die Tüftelei hier Riesenspaß. Wir sind mit Leidenschaft bei der Sache und können anderen Menschen auch noch etwas Gutes tun“, betont Britsch.

Vor allem über die Sommermonate brummte der Laden. Und nicht nur Asylsuchende sind in der Werkstatt willkommen. „Wir haben Kunden aus der ganzen Umgebung, die uns ihre kaputten Räder bringen“, bekennt Binhack, der auch im Bürgerverein „WiNi“ (Wir-in-Neuenbürg-Initiative) als einer von drei Vorständen aktiv ist. Warum die Fahrradwerkstatt so beliebt ist, liegt auf der Hand. Repariert wird zum Selbstkostenpreis der Ersatzteile. Die minimalen Gewinne investiert man in neue Werkzeuge. Bisher habe man rund 40 gebrauchte und wieder hergerichtete Fahrräder hauptsächlich an Asylsuchende verkauft, erzählt Binhack. Das helfe den Menschen abseits der öffentlichen Verkehrsmittel ein bisschen mobiler zu sein.

In der Regel gehen die Fahrräder für etwa 20 Euro weg, in Ausnahmesituationen auch mal gratis. „Die Ansprüche sind heutzutage aber ganz schön gestiegen“, weiß Binhack, „für Räder mit Dreigangschaltung interessiert sich kaum noch jemand.“ In der Werkstatt wird aber nicht nur verkauft und repariert. Sie dient auch als Begegnungsstätte für Flüchtlinge wie Esref Shehu und Shahrm Ahmadian. Die Männer aus dem Kosovo und dem Iran packen kräftig mit an und lernen dabei etwas Deutsch. „Mittlerweile klappt die Verständigung“, sagt Ahmadian, der in seiner Heimat als Kfz-Mechaniker gearbeitet hat. „Problematisch ist für uns nur die personelle Fluktuation“, betont Werner Binhack. „Wir haben schon einige begabte Schrauber verloren, weil die Flüchtlinge in anderen Orten untergebracht worden sind.“

Spenden sind willkommen

Aber auch damit kommen die Helfer vom Netzwerk Asyl klar. Was allerdings die Ausrüstung mit gespendeten Fahrrädern, Mountainbikes, Werkzeugen oder Ersatzteilen anbelangt, sind noch viele Wünsche offen. „Einen neuen Kompressor und einen zweiten Montageständer könnten wir gut gebrauchen“, gibt Gerhard Horbach einen kleinen Fingerzeig.