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Entschädigung nach der Einigung mit dem Land Baden-Württemberg: Das Resultat des langen Ringens von Justizopfer Harry Wörz und seiner Anwältin Sandra Forkert-Hosser stößt auf großes Interesse. Grundsätzlich kritisiert der Deutsche Anwaltverein die bundesweite Praxis der Entschädigung für Menschen, die zu Unrecht hinter Gittern waren. Foto: Seibel, Archiv
Entschädigung nach der Einigung mit dem Land Baden-Württemberg: Das Resultat des langen Ringens von Justizopfer Harry Wörz und seiner Anwältin Sandra Forkert-Hosser stößt auf großes Interesse. Grundsätzlich kritisiert der Deutsche Anwaltverein die bundesweite Praxis der Entschädigung für Menschen, die zu Unrecht hinter Gittern waren. Foto: Seibel, Archiv
11.01.2017

Fall Harry Wörz: Ende eines verzweifelten Kampfs

Es war einmal mehr ein langes Ringen für Harry Wörz. Nach dem Prozessmarathon, an dessen Ende der Freispruch von den Vorwürfen stand, er habe 1997 versucht, seine Ex-Frau umzubringen, folgte der Kampf um die Entschädigung für die finanziellen Folgen der zu Unrecht verhängten Haft. Nach einem Vergleich erhält Wörz vom Land Baden-Württemberg insgesamt 450 000 Euro (die PZ berichtete) – damit werden alle Forderungen zu Verdienstausfällen und entgangenen Rentenansprüchen durch die Zeit im Gefängnis und die jahrelangen Gerichtsverfahren danach und alle anderen materiellen Schäden abgegolten.

Im Fall des Gräfenhäusers ist es damit zu einer Lösung gekommen, die bei vielen anderen schlagzeilenträchtigen Fällen von unschuldig Verurteilten aus unterschiedlichen Gründen ausgeblieben ist (siehe „Zerstörte Leben“). Freilich relativiert sich auch solch eine Vergleichssumme, wenn man sie auf die vielen Jahre herunterrechnet, die Wörz mit ihr abdecken muss. Und das nach Abzug von Steuern und Abgaben. Nach Informationen der PZ ist zumindest der Anteil der Entschädigung für Verdienstausfälle und damit der weitaus größte Teil der Vergleichssumme steuerpflichtig. Harry Wörz selbst möchte zu einem späteren Zeitpunkt zu dem erzielten Vergleich Stellung nehmen. Den Weg dahin hatte das Landgericht Karlsruhe bereits 2015 skizziert, indem es auf eine unbürokratische Lösung gedrängt hatte. Denn davor war Wörz‘ Kampf um Entschädigung ein Beispiel für eine Praxis, die der Deutsche Anwaltverein (DAV), eine Interessenvertretung der deutschen Rechtsanwälte, scharf kritisiert. Der Staat gehe schäbig mit Justizopfern um, sagte gestern DAV-Präsident Ulrich Schellenberg der PZ. Wenn es um die Wiedergutmachung finanzieller Folgen einer falschen Verurteilung gehe, bürde man den Betroffenen die ganze Last auf. Sie selbst müssten ihre Ansprüche einklagen. „Damit sind sie für jeden Cent beweispflichtig“, so Schellenberg. Das Resultat: Der Einsatz für eine Wiedergutmachung erfordere eine enorme Kraft der Betroffenen, so Schellenberg.

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