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Haben im Fall Paulus noch eine Menge Arbeit vor sich, auch wenn zwei Verdächtige geschnappt sind: Die Leitende Oberstaatsanwältin Sabine Mayländer und der Pforzheimer Kripo-Chef Uwe Carl.  Foto: Meyer 

Fall Simon Paulus: Noch keine Aussagen von den Verdächtigen

Pforzheim/Enzkreis. Sechs Wochen nach dem Verschwinden von Simon Paulus in Gräfenhausen und zwei Wochen nach dem Fund seiner Leiche im Hagenschieß sitzen zwei Tatverdächtige aus Pforzheim in Untersuchungshaft. Doch viele Fragen im Fall des getöteten Büchsenmachers sind immer noch offen. Die Ermittlungen der 40-köpfigen Sonderkommission „Wagner“ laufen weiter. Die Verdächtigen haben vor dem Haftrichter keine Aussagen gemacht.

Die Polizei ist deshalb nach wie vor darauf bedacht, möglichst wenig Täterwissen, das später bei der vollständigen Aufklärung des Falls helfen könnte, nach außen dringen zu lassen. So wurden auch bei der großen Pressekonferenz am Mittwoch vor mehr als 20 Medienvertretern von TV, Radio und Zeitung zu zahlreichen Aspekten „aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben“ gemacht.

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Pressekonferenz zum Fahndungserfolg im Fall Paulus

Stellung bezog sie allerdings zu einigen Punkten, die im Zuge der Ermittlungen öffentlich diskutiert wurden. So war aus Paulus Umfeld zu erfahren, dass er öfter Waffen für Bekannte repariert habe und dabei möglicherweise an die falschen Leute geraten sei. Auch über illegale Waffenverkäufe und Kontakte zur Rockerszene wurde berichtet. Die Polizei bestätigte nun zwar lose Verbindungen zu einzelnen Personen, die überprüft worden seien. Diese Spuren hätten sich aber als „nicht verfahrensrelevant“ erwiesen.

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So gelang der Fahndungserfolg im Fall Paulus

Frühere Vergehen – aus Paulus’ Umfeld war von einem zeitweisen Berufsverbot zu hören, weil er illegale Kriegswaffen besaß – seien strafrechtlich nicht mehr von Belang gewesen, sprich verjährt und aus den Akten gelöscht. Über aktuellen Waffenhandel habe man keinerlei Erkenntnisse. Die sichergestellten Waffen, die Paulus in einer Wohnung in Herrenberg gehortet hatte, seien offensichtlich seiner Sammelwut zuzuschreiben. Und bei allen Spekulationen dürfe man nicht vergessen: „Simon Paulus war das Opfer“, so der Pforzheimer Kripo-Chef Uwe Carl.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 29-jährigen Italiener – einem langjährigen, früheren Nachbarn des 50-jährigen Opfers – und einem 26-jährigen Deutschen Mord und gemeinschaftlichen Raub mit Todesfolge vor. Denn aus der Wohnung des Büchsenmachers Paulus sind auch mindestens 30 Waffen verschwunden. Eine DNA-Spur aus Paulus’ Wohnung habe zum Italiener geführt.

Verhaftet wurde im Rahmen einer großangelegten Polizeiaktion am Dienstag, bei der vier Objekte in Pforzheim durchsucht wurden, auch ein 26-jähriger Grieche. Er habe mit Paulus’ Tod nichts zu tun, soll mit den beiden anderen aber einen Raubüberfall im Enzkreis geplant haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft sagen, ohne weitere Details preiszugeben.

Die Verhinderung der geplanten Tat war offensichtlich auch der Grund, weshalb sich die Polizei in den vergangenen Wochen so verschlossen gab, auf Anfragen der PZ zum Stand der Ermittlungen, sowie zur Täter- und Motivsuche. Strafrechtlich seien alle drei Verhafteten zuvor noch nicht in Erscheinung getreten.

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