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Die Pflegekräfte der Familienherberge Lebensweg arbeiten derzeit mit Mundschutz, der alle zwei Stunden gewechselt wird. Aktuell können nur bis zu fünf schwerkranke Kinder in der Schützinger Einrichtung betreut werden.  Foto: Privat 
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Der neue Spielplatz im Außenbereich wurde erst Ende Januar eingeweiht und ist laut Geschäftsführerin Karin Eckstein (Zweite von rechts) für die Öffentlichkeit bis auf Weiteres nicht zugänglich.  Foto: Hepfer 

Familienherberge „Lebensweg“ nimmt im Notbetrieb wieder Kinder auf

Illingen-Schützingen. Es war ein harter Schlag für Karin Eckstein, ihr Lebenswerk zu Beginn der Corona-Pandemie schließen zu müssen. Denn die Entlastung, die die Familienherberge „Lebensweg“ Eltern und ihren kranken Kindern bietet, wäre gerade in diesen Zeiten umso nötiger gewesen. Deshalb ist die Freude in der Schützinger Einrichtung groß, seit vergangenen Montag wenigstens wieder einen Notbetrieb anbieten zu können.

Bis zu fünf pflegebedürftige Kinder kann die Einrichtung, die Familien mit schwerstkranken Kindern eine Auszeit vom Alltag ermöglicht, derzeit für maximal fünf Tage aufnehmen. Geschwister oder Eltern dürfen allerdings nicht bleiben, ebenso wenig dürfen Menschen von außen die Einrichtung betreten. Nach dem Aufenthalt wird das Haus einen Tag lang geputzt und durchgelüftet. Schließlich wechseln nicht nur die Bewohner einmal alle durch, sondern auch das gesamte Personal. So könnten mögliche Infektionsketten direkt nachvollzogen werden.

Es werden außerdem nur solche Kinder aufgenommen, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht selbstständig mit anderen Kindern in Kontakt treten können. Außerdem dürfen sie keine Vorerkrankungen der Lunge haben. „Man darf nie vergessen, dass diese Kinder fast alle Risikopatienten sind“, sagt Karin Eckstein, Initiatorin und Geschäftsführerin der Herberge. Den Eltern sei das durchaus bewusst. „Wir haben viele Anfragen, aber die Eltern rennen uns nicht die Türen ein. Viele wägen sorgfältig ab, ob sie das Risiko einer Infektion mit Covid-19 eingehen sollen.“

Leere ist schwer zu ertragen

In der ersten Woche nach der Wiedereröffnung hat die Herberge drei Kinder aufgenommen. „Ich genieße es richtig, hier wieder Stimmen zu hören“, schwärmt Eckstein. „Und endlich riecht es wieder nach Menschen.“ Die Leere der vergangenen Wochen sei für sie nur schwer zu ertragen gewesen, erzählt die 56-jährige Kinderkrankenschwester. „Das war wirklich furchtbar. Die Eltern hätten sich so sehr auf die Osterferien und die Entlastung gefreut.“ Für sie und ihre Mitarbeiter sei es alles andere als leicht gewesen, den Eltern abzusagen.

Ob der Betrieb so weiterlaufen oder eventuell sogar noch erweitert werden kann, ist momentan noch unklar. Karin Eckstein will die nächsten Wochen abwarten. Denn so groß die Freude über den wieder angelaufenen Betrieb ist – sie hat auch ihre Schattenseiten. „Finanziell gesehen ist die Situation gerade nicht sonderlich positiv“, sagt die 56-Jährige. Hier müsse sie sehen, ob die Kosten weiterhin stemmbar sind.

Außerdem sei es eine immense Belastung für die Mitarbeiter, die fünf Tage im Zwei-Schicht-Betrieb, also täglich zwölf Stunden, arbeiten. Die Bereiche Pflege und Hauswirtschaft seien seit Beginn der Krise in Kurzarbeit, für den Notbetrieb habe sie nun einige aus der Kurzarbeit geholt, erklärt die Geschäftsführerin. Das Ganze ist ein Kompromiss, aber einer, der hilft. Der eh schon vom Schicksal gebeutelten Familien unter die Arme greift. „Es ist unser Beitrag in dieser Krise“, so Eckstein. Zwar entspreche der Ablauf und die distanzierte Arbeit mit Mundschutz & Co. so rein gar nicht der Philosophie des Hauses. Aber das lässt sich momentan nun einmal nicht ändern.