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Auch Jahrzehnte später arbeitet die Biomethananlage in Mühlacker noch unverändert.  Foto: Enz/Silas Schüller 
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In voller Blüte: Die Energiepflanze „Durchwachsene Silphie“. Foto: Enz/Sven Nagel 

Farm-Fenster: Biomethananlagen in Mühlacker aus Pflanzen

Enzkreis/Mühlacker. Was macht die Landwirtschaft im Enzkreis aus? Wer prägt unsere Kulturlandschaft und produziert unsere Nahrungsmittel vor Ort? Die Artikelserie Farm-Fenster beleuchtet Aspekte der hiesigen Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region. In der siebten Folge der Reihe geht es um den Betrieb einer Biogasanlage, welche Pflanzen hierfür am besten geeignet sind und warum diese Art der Energiegewinnung zukunftsfähig ist.

Enzkreis/Mühlacker. Was macht die Landwirtschaft im Enzkreis aus? Wer prägt unsere Kulturlandschaft und produziert unsere Nahrungsmittel vor Ort? Die Artikelserie Farm-Fenster beleuchtet Aspekte der hiesigen Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region. In der siebten Folge der Reihe geht es um den Betrieb einer Biogasanlage, welche Pflanzen hierfür am besten geeignet sind und warum diese Art der Energiegewinnung zukunftsfähig ist.

Vor rund 15 Jahren wurde im Rahmen des damals frisch aufgelegten Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) für den Bau von derlei Anlagen geworben – was bei Kommunen und in der Privatwirtschaft auf großes Interesse stieß. Besonders die attraktiven Subventionen zogen viele Investoren an, was zu einem regelrechten Boom führte: Biogasanlagen waren angesagt, das Grundkonzept versprach langfristige Gewinne und Nutzen für alle beteiligten Parteien.

Auch die Stadtwerke Mühlacker schlossen sich dem Trend an, gründeten die Biomethananlage Mühlacker und steckten ab 2007 in den neuen Standort im Industriegebiet in den Waldäckern etliche Millionen Euro. Von Anfang an galt das Projekt als Referenz im Land, da die Anlage sowohl in technischer als auch in leistungsmäßiger Hinsicht neue Maßstäbe setzte. Pro Jahr verarbeitete man circa 30 000 Tonnen frischer Biomasse, speiste 46 Millionen Kilowattstunden ins Erdgasnetz ein und verwertete alle Nebenprodukte aus den Gärprozessen.

Und heute, bald eineinhalb Jahrzehnte später? „Da hat sich an den Leistungsdaten eigentlich kaum etwas verändert. Die Anlage läuft praktisch immer und erfüllt zuverlässig ihren Zweck“, sagt Betriebsleiter Thomas Gutjahr. Außer einem Generator, der 400 Kilowattstunden Strom pro Stunde produziere, und einer Trockendünger-Aufbereitungsanlage seien keine weiteren Systeme integriert worden. Ganz ähnlich sehe es bei der Rohstoff-Beschaffung aus: Auch hier arbeite man weiter mit rund 75 Landwirten in der Region zusammen. Sie fungieren für die Biomethan-Anlage als Energiepflanzen-Lieferanten.

Neben den technischen und kaufmännischen Kompetenzen sind dabei nicht zuletzt agrarspezifische Kenntnisse von Bedeutung, denn schließlich ist das kleine Team direkt in die Arbeitsabläufe der Rohstoff-Produzenten eingebunden. „Wir richten uns komplett nach dem Jahresablauf in der Landwirtschaft aus“, stellt der Betriebsleiter fest, „von Januar bis Dezember sind wir für unsere Partner zur Stelle“. Angefangen bei der Saatgutberatung und -bestellung im Winter über die Versorgung mit Gärsubstraten als Dünger oder der von Lohnunternehmen durchgeführten Ernte im Sommer und Herbst – die Kooperation umfasst im Laufe des Jahres mehrere Aspekte.

Nützliche Gewächse

Gerade der Dauerbrenner unter den Energiepflanzen, der Mais, gilt als unempfindlich; auch die Durchwachsene Silphie erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Neben Grünroggen, Zuckerhirse oder Sudangras eignet sich zudem Getreide als Rohstoff-Material. Im Fall der Mühlacker Anlage kamen in diesem Jahr mehr als 40 000 Tonnen Biomasse zusammen, womit der prognostizierte Jahresverbrauch deutlich übertroffen wurde. „Die feuchtwarmen Bedingungen heuer waren perfekt für den Mais, der mit 53 Tonnen pro Hektar so gut wie noch nie abgeschnitten hat“, berichtet Gutjahr.

Auch die ressourcenschonenden Effekte für die Landwirtschaft, die sich durch den Betrieb der Biomethananlage ergeben, sind nicht zu vernachlässigen: Durch die Nutzung von Gärresten als Flüssig- und Trockendünger werden natürliche Nährstoff-Kreisläufe möglich, die in extensiver Bewirtschaftung fortgesetzt werden können.

Neben diesen ökologischen Gesichtspunkten stehen auch die wirtschaftlichen Belange im Mittelpunkt. Denn wo viele Preise dem Weltmarkt unterworfen sind und heftigen Schwankungen unterliegen, bieten die Anbauverträge eine Kontinuität für die Landwirte.