nach oben
In Ersingen läuft alles wie geplant: Ein beeindruckendes Feuer gibt es, als die zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilte Oberhexe auf dem Dorfplatz in Flammen aufgeht. Foto: Schott
Im Remchinger Ortsteil Singen ging alles glatt: Lichterloh brannte der Narrenbaum der Spaßvögel in Singen – so gut sogar, dass nach nur 15 Minuten nichts mehr von ihm übrig war. Foto: Roller
Im Birkfenfelder Ortsteil Gräfenhausen zauberte das „Ameisenvolk“ in Windeseile eine kleine Dekohexe herbei, die dann vom Präsidenten Harald „Olli“ Pfisterer angezündet wurde. Foto: Jürgen Keller
Ob sich die Narren aus Schömberg den Ausklang der Jahreszeit so vorgestellt haben? Eine Strohhexe wurde zumindest zu Kreuze getragen. Foto: Drach
Verteidigung bis zum letzten Regentropfen: Die Schildwachhexen in Bilfingen wollten sich nicht von ihrer gut behüteten und geliebten Oberhexe trennen. Später brannte sie auf der Hellen Platt auf dem Scheiterhaufen. Foto: Schott
Der Tiefenbronner Schneemann hat noch mal Glück gehabt. Durch den Regen war er so durchnässt, dass er den Flammen in diesem Jahr nicht zum Opfer fallen konnte. Foto: Lachenmaier
Feuerwehr und Narren gaben in Schellbronn ihr Bestes, um das Feuer trotz Unwetter in Gang zu bringen. Die meisten der zahlreichen Besucher betrachteten das Spektakel sicher und trocken von der Fensterfront der Schwarzwaldhalle aus. Foto: Späth
10.02.2016

Fasnet-Verbrennungen fallen in der Region vielerorts ins Wasser

Die Narren aus der Region hatten am Faschingsdienstag mit Wind und Wetter zu kämpfen. In einigen Gemeinden musste die fünfte Jahreszeit anders als sonst zu Grabe getragen werden.

In insgesamt acht Gemeinden der Region verabschiedeten sich die Narren in die Fastenzeit. Wo sie den Tag auf traditionelle Weise begehen konnten, wo ihnen der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat:

Tiefenbronn: Nach altem Brauch wird am Fastnachtsdienstag in Tiefenbronn ein Schneemann als Symbol des Winters verbrannt. Doch gestern war alles anders. Nachdem man sich um 16 Uhr zur Einstimmung in der Lammscheuer traf, startete um 18 Uhr bei Blitz, Donner und Hagel der Umzug mit nahezu 300 Häs- und Maskenträgern hin zur Gemmingenhalle. Doch verbrannt konnte der Schneemann nicht mehr werden, da er zwischenzeitlich im wahrsten Sinne des Wortes „ertränkt“ wurde. Die Zünfte und Besucher stürmten die Gemmingenhalle, wo mit Musik und Auszügen aus der Prunksitzung das Narrenvolk unterhalten wurde, ehe Prinz Philipp entthronisiert wurde.

Ersingen: Schon die kleineren Böen als Vorboten des herannahenden Wintergewitters fachten das Feuer auf dem Ersinger Dorfplatz mächtig an und rissen kleine Glutnester aus der brennenden Hexe. Wegen des schlechter werdenden Wetters hatte sich das Femegericht mit Ulrich Schaier, Timo Trautz und Bernd Frei beeilt, um zu einem Urteil zu kommen. Ein guter Anwalt statt einer Pflichtverteidigung hätte für die Oberhexe sicher mehr herausholen können. Denn zumindest der Anklagepunkt „ungebührliche Verlängerung des Winters“ konnte angesichts des Wetters der letzten Monate kaum überzeugen. Doch das Todesurteil wurde rechtskräftig, und Scharfrichter Joachim Schaier entzündete den Scheiterhaufen.

Bilfingen: Die Bilfinger Narren drehten gestern nochmals ordentlich auf. Beim Dienstagsfasnetumzug des Narrenbundes Kakadu paradierten nahezu 50 bunte Gruppen und Wagen vor einigen Tausend Besuchern durch die Straßen. Auf dem Richtplatz vor der Kämpfelbachhalle wurde den Schildwachhexen nochmals ein Abschiedstanz um ihre „Chefin“ gestattet. Nachdem die stolze Oberhexe lodernd zum Aschenhäuflein zusammengefallen war, konnten sich die Zuschauer an einem großartigen Brillantfeuerwerk am Schalkenberg erfreuen. Nach der Entthronisierung des Prinzenpaares Laura I. und Tobias I. beim Kehrausball gingen für die fünfte Jahreszeit in Bilfingen die Lichter aus.

Schömberg: Feucht und wild ging es bei den Hexen zum Ausklang der Fasnetkampagne in Schömberg/Langenbrand zu. Trotz Wind und nassem Wetter feierte die Narrenzunft das Ende der Fasnet. Trauern, jammern und heulen half nichts. Die Strohhexe musste zu Kreuze getragen werden. Zum Dank an die Fasnetzeit legte jeder ein Teil seines Häs bei.

Gräfenhausen: Es ist einfach alles anders als sonst, bekräftigte Klemmerpräsident Harald „Olli“ Pfisterer in der Betriebshalle von Müller-Reisen, dem Ersatzquartier für den Kinderfasching und der anschließenden Hexenverbrennung. Die Verbrennung der großen Hexe fiel den Witterungsbedingungen mit Gewitter, Starkregen und Sturm zum Opfer. Es war einfach zu gefährlich, auch wäre es schwierig gewesen, die Hexe zum Brennen zu bringen. Und so musste kurzerhand improvisiert werden. Da es sich zum Kampagnenende gehört, symbolisch den Winter zu verabschieden, zauberte das „Ameisenvolk“ in Windeseile eine kleine Dekohexe herbei, die dann vom Präsidenten angezündet wurde.

Neuhausen: Kurzfristig absagen mussten die Neuhausener Narren des Fastnachtsverein Hau-Hu die diesjährige Hexenverbrennung. Mit der 13. Hexenverbrennung wollten die Jongen Hexen nach dem Kinderfasching eigentlich die Fasnet austreiben. „Der Regen und Sturm ist einfach zu stark, das ist wirklich sehr schade“, sagte Walter Bayer, der Hexenchef der Jongen Hexen Neuhausen. Die vergangene Kampagne sei kurz aber intensiv gewesen, sagt Bayer. „Es war eine durch und durch gelungene Fasnet, das Highlight war unser großer Faschingsumzug am Sonntag mit rund 25 000 Zuschauern.“ Ausklingen ließen die Narren die Kampagne nun statt beim Tanz ums Feuer im Traubenkeller in Neuhausen.

Schellbronn: Regen, Sturm, Blitz und Donner hielten den Narrenbund Schellau nicht davon ab, in Schellbronn an der Schwarzwaldhalle ein großes Feuer zur traditionellen Hexenverbrennung zu entzünden. Im Anschluss an den Kinderfasching gaben Feuerwehr und Narren am Faschingsdienstag ihr Bestes, um das Feuer trotz Unwetter in Gang zu bringen. Mit Wehmut und Gejammer fand die närrische Zeit in Schellbronn so ihr Ende. Die meisten der zahlreichen Besucher betrachteten das Spektakel sicher und trocken von der Fensterfront der Schwarzwaldhalle aus. Heute, am Aschermittwoch, findet am Schellbronner Dorfbrunnen noch die traditionelle Geldbeutelwäsche mit Fischessen statt.

Singen: Pünktlich zur Verbrennung des Narrenbaums legte der Regen in Singen eine kurze Pause ein. Und so fand sich trotz des eher bescheidenen Wetters ein großes Aufgebot an Kostümierten auf dem Narrenplätzle ein, um den Aktiven der Karnevalsgesellschaft „Spaßvögel“ Singen in dieser für sie schweren Stunde des Abschieds Beistand zu leisten. Nachdem Schultes Luca Wilhelm Prayon beim Narrentribunal die Macht hatte abgeben müssen, sollte er nun berichten, warum er sie zurückhaben will. Anstelle von Prayon erschien dann aber Gemeinderat Martin Gegenheimer, der den Bürgermeister zu verteidigen wusste. Nachdem der Narrenbaum entzündet, ein Feuerwerk bestaunt, und die Guggenmusik der Kelterner Bääraglopfa erklungen war, endete die diesjährige Kampagne.