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Profis bei der Scheibenproduktion (von links): Wolfgang Flick und Severin Winterroll. Foto: Frommer
Profis bei der Scheibenproduktion (von links): Wolfgang Flick und Severin Winterroll. Foto: Frommer
09.02.2018

Fasnetsverein KG Fledermaus: Scheibenschlagen ist närrischer Sport

Kämpfelbach-Ersingen. Fasching, Fasnet, Karneval – die närrische Jahreszeit hat fast so viele Namen wie Gesichter. Ein wesentlicher Teil ihrer saisonal zuverlässig aufflammenden Kreativität speist sich aus der Fülle unverwüstlicher regionaler Bräuche. Auch das Scheibenschlagen, wie man es in Ersingen noch heute praktiziert, fußt auf altem heidnischem Brauchtum.

Die Vorbereitungen auf das alljährliche Scheibenschlagen und auf andere Traditionen der Ersinger Fasnet sind aufwendig. In der Flatterhalle der Karnevalsgesellschaft Fledermaus wird schon geraume Zeit vor der Fasnetswoche emsig gesägt und gebohrt, lackiert, verschraubt und verdrahtet. Hölzerne Hexen auf fliegendem Besen und – natürlich – ganze Serien des Wappentiers Fledermaus werden hier mit bunten LED-Lichterketten versehen, auch der Festwagen des Prinzen erhält in der mehrstöckigen Halle seinen letzten Schliff. Gut 15 Vereinsmitglieder stellen, quer durch alle Altersgruppen, den harten Kern der in jeder freien Minute präsenten Helfer. Wolfgang Flick (61) und Severin Winterroll (45) haben das Gröbste hinter sich: Gut 1000 quadratische Schieben haben sie mit einer Schablone akkurat aus Buchenholz gesägt, mit jeweils genau zehn Zentimeter Kantenlänge und einer mittigen Bohrung zur Aufnahme des Haselnusssteckens, mit dem die Scheiben später am Freudensonntag und Rosenmontag abgeschlagen werden sollen.

Severin Winterroll ist seit 30 Jahren im Verein und pflegt heute die Tradition der Scheibenherstellung in Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Ehrenvorsitzenden Egon Brenk.

Severin Winteroll macht deutlich: „Zweimal zehn Stunden Arbeit stecken in den Scheiben. Mindestens.“ Die Hälfte der Zeit hat sein Mitstreiter Wolfgang Flick beigesteuert. Beide lassen die letzten zurückliegenden Tage grinsend Revue passieren „Unser 2. Vorstand hat uns feuchtes Stirnholz gebracht. Da haben wir ihm klargemacht, dass das nicht brennt und uns beim Sägewerk Ruf in Nöttingen eilig mit trocken gelagerten Holzresten eingedeckt.“ Die fertigen Holzscheiben werden auf eine Schnur aufgezogen und – fast wie ein Patronengurt – mit einer Schulter getragen, wie es der Ersinger Bildhauer Siegfried Burkhardt mit seinem bronzenen Standbild „Scheibenschläger und Sohn“ am Fuß der Weinsteige verewigt hat.

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