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Die PZ schaute sich auf der Landesstraße bei Bilfingen am Tag nach dem Unfall die Rechtskurve an, die dabei eine wichtige Rolle spielte. Genau dort hatten zwei Autofahrer am Donnerstag hintereinander zu überholen versucht. Foto: Ketterl
16.10.2015

Fatales Überholmanöver erinnert an Blutzoll bei Enzkreis-Unfällen 2014

Schlagartig bringt der tödliche Unfall vom Donnerstagabend zwischen Königsbach und Bilfingen die Erinnerung an die schwarze Serie des vergangenen Jahres auf den Landstraßen zurück. 14 Menschen waren 2014 alleine im Enzkreis bei Unfällen ums Leben gekommen. Die Polizei hatte mit Schwerpunktkontrollen und Aufklärungskampagnen die Risiken auf den Strecken außerhalb der Ortschaften in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Tatsächlich waren 2015 vor dem Donnerstag drei Menschen tödlich verunglückt – ein Autofahrer an der Kreisgrenze bei Knittlingen und im Juni zwei Motorradfahrer auf der B10 bei Enzberg und auf der B35 bei Lienzingen. Doch jetzt zeigt sich wieder, dass die Gefahr auf Landstraßen jenseits aller Statistiken weiter mitfährt.

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Überholmanöver und hohe Geschwindigkeiten: Diese beiden Hauptrisikofaktoren hatte Joachim Zwirner, der im Führungs- und Einsatzstab des Polizeipräsidiums Karlsruhe die schweren Verkehrsunfälle auswertet, für die Landstraßen ausgemacht. Sie standen vergangenes Jahr im Mittelpunkt einer Aufklärungskampagne mit gezielten Kontrollen und Informationen, mit denen die Polizei auf die damals unheimliche Häufung von Landstraßenunfällen reagiert hatte. Der Risikofaktor Überholen steht nun also im Mittelpunkt des tödlichen Unfalls am Donnerstag. Auf einer Strecke, die laut Polizeisprecher Sven Brunner nicht als Gefahrenstrecke bekannt sei.

Der Abschnitt zwischen Königsbach und Bilfingen ist über weite Strecken gut zu überschauen – bis eben zu der Kurve, an der das fatale Überholmanöver begann. Zum Risikofaktor Geschwindigkeit ist bisher nichts Genaues bekannt. Der Sachverständige, den die Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft zur Rekonstruktion des Unfalls hinzugezogen hat, werde alles akribisch untersuchen, so Brunner. Das wird dauern. Eine Tempobeschränkung gibt es am Unfallort nicht. Für Landstraßen gilt dann Tempo 100.

Noch ermittelt die Verkehrspolizei Pforzheim die genauen Umstände des fürchterlichen Unfalls vom Donnerstagabend, bei dem zwischen Königsbach und Bilfingen ein 33-Jähriger ums Leben gekommen ist und vier weitere Menschen schwer verletzt wurden. Eine Frau schwebte am Freitag noch immer in Lebensgefahr. Doch ein wenig mehr ist über den Unfall jetzt bekannt. Auslöser war nach Polizeiangaben, dass zwei Autofahrer, ein 46-Jähriger in einem BMW und der später tödlich verunglückte 33-Jährige im Audi, zum Überholen angesetzt hatten. Hintereinander und ausgerechnet dort, wo die Landesstraße wenige 100 Meter vor Bilfingen nach langer, gerader Strecke eine Rechtskurve macht. So übersahen beide den Gegenverkehr.

Die Folgen waren schrecklich. Beide Überholer wollten nach rechts ausweichen, verloren jedoch die Kontrolle über ihre Fahrzeuge. Der Audi traf seitlich den entgegenkommenden Fiat einer 28-Jährigen, geriet ins Schleudern und knallte schließlich mit der Beifahrerseite in einen Opel. Der Audi wurde in zwei Teile gerissen. Der Fahrer erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Um die lebensgefährlich verletzte Opelfahrerin wird weiter gebangt. Leichter sind die Verletzungen der anderen, die in den Unfall verwickelt waren: des BMW-Fahrers und seines 68-jährigen Begleiters genauso wie der 47-Jährigen, deren Smart der BMW gerammt hatte.

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