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15.01.2009

Fensterbohrer muss lange in Haft

KARLSRUHE/ENZKREIS. Der Mann war zwischen März und Juni 2008 in rund 120 Wohnungen und Häuser eingedrungen oder hatte es zumindest versucht. Viele der Taten hatte er in Pforzheim und im Enzkreis verübt, in Tiefenbronn, Kämpfelbach, Birkenfeld oder in Königsbach-Stein. Für diese Serie von Einbrüchen hat das Landgericht Karlsruhe gestern den als Fensterbohrer berüchtigten Mann zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Bei seinen Einbrüchen, bei denen er Geld und Diebesgut in Wert von rund 50 000 Euro erbeutete und einen Schaden in gleicher Höhe anrichtete, war der Albaner meist nach dem selben Muster vorgegangen: Mit einem Akku- oder Handbohrer bohrte er die Fensterrahmen oder Terrassentüren auf und öffnete die Griffe dann mit einem Draht. Er kroch aber auch unter angehobenen Rollladen hindurch oder stieg durch eine Hundeklappe ein.

Zwar rechnete es ihm das Gericht positiv an, dass der Mann nie Gewalt anwendete, keine Wohnung verwüstete, ein volles Geständnis ablegte und die Polizei nach seiner Festnahme zu einem Versteck mit Diebesgut führte. Der „sanfte Fensterbohrer“, so der Richter, habe aber mit bis zu sieben Einbrüchen pro Nacht eine hohe kriminelle Energie gezeigt. Außerdem habe er die Intim- und Privatsphäre seiner noch heute teils traumatisierten Opfer zerstört.

Die im Wesentlichen auf sieben Wochen konzentrierte Einbruchserie habe „verstörend“ auf die Bevölkerung gewirkt und viele Polizisten auf Trab gehalten. Der Täter konnte erst gefasst werden, nachdem ein beherzter älterer Herr den Einbrecher mit seiner Digital-Kamera auf frischer Tat fotografiert hatte. Nur ein Teil der Beute, rund 12 000 Euro wert, wurde gefunden.

Mit falschen Papieren unterwegs

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der Schwere des Vergehens sogar eine Strafe von neun Jahren und drei Monaten gefordert. Die Verteidigung hatte dagegen für ein milderes Urteil plädiert, auch weil der Mann während des Prozesses echte Reue gezeigt habe. Der Vorsitzende Richter meinte aber zur Höhe der Strafe: „Weniger wäre nicht richtig gewesen.“ Ob die Verteidigung Revision einlegt, blieb offen. Die Staatsanwaltschaft vermochte auf den ersten Blick keine Rechtsfehler zu erkennen.

Der nur albanisch sprechende Mann hielt sich illegal in Deutschland auf und war mit falschen Papieren unterwegs. Er wurde auch wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz und Urkundenfälschung verurteilt.