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05.05.2009

Fiat im Fluss: Unfallopfer trafen sich zufällig kurz zuvor

CALW. Was anfangs nur ein Verdacht war, ist jetzt Gewissheit. Der Fahrer des Unglückswagens, mit dem am Sonntag um 1.11 Uhr sieben junge Menschen bei Calw von der B463 ins Wasser der Nagold schleuderten, ist erst 16 Jahre alt und besitzt daher auch keinen Führerschein. Ob Alkohol beim Fahrer und dem 18-jährigen Halter des völlig überfüllten Kleinwagens im Spiel war, kann die Polizei erst im weiteren Verlauf der Woche sagen. Und: Die sieben jungen Menschen, die auf verschiedenen Festen in Calwer Ortsteilen waren, trafen sich vor ihrer gemeinsamen Unfallfahrt zufällig in einer Calwer Gaststätte neben der B463.

Landesweit sind solche Unfälle an Wochenenden, bei denen vor allem die jungen Autofahrer der unfallträchtigen Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren beteiligt sind, der traurige Normalfall. Raus aus der Disco, rein ins Auto und dann kracht es kurz darauf – im Gebiet der Polizeidirektion Calw, so Polizeisprecher Winfried König, seien diese „Disco-Unfälle“ jedoch weniger ein Problem als in anderen Landesteilen. Es gebe im Calwer Raum keine ausgeprägte Disco-Szene wie etwa auf der Wilferdinger Höhe in Pforzheim.

Und so klingt auch die Vorgeschichte des Unfalls nicht wie bei vielen jener Disco-Unfällen. Die sieben jungen Menschen im Alter von 14 bis 18 Jahren waren in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf verschiedenen Festen in Calwer Ortsteilen. Sie trafen sich ohne Verabredung zufällig in einer Calwer Gaststätte an der B463. Von dort fuhren sie in einem Fiat Punto in Richtung Nagold. Sechs Insassen kommen aus der Calwer Umgebung, ein 14-jähriges Mädchen aus dem Landkreis Böblingen.

Dieses Mädchen könnte eventuell am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Sie wurde, so Polizeisprecher König, wegen des Verdachts auf einen Wirbel-Anbruch stationär aufgenommen. Weiterhin im Krankenhaus liegen der 16-jährige Fahrer und der 18-jährige Autohalter, beide immer noch, so König, „in kritischem Zustand“. Sie waren im Fiat, der mitten im 1,50 Meter tiefen Fluss auf dem Dach zum Liegen kam, eingeklemmt worden und mussten von der Feuerwehr mit Hilfe von drei Schlauchbooten und Rettungsscheren befreit werden. Die fünf anderen Mitfahrer könnten sich selbst befreien.

Unter anderem ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr. Aber auch die Eltern insbesondere der 14- und 15-jährigen Mitfahrer werden sich kritische Fragen gefallen lassen müssen. Letztlich sei es, so König, „jugendlicher Übermut“ gewesen, der sich durch eine überhöhte Geschwindigkeit und einen Fahrfehler ausgedrückt und in einem spektakulären Unfall geendet habe. Verhindern könne die Polizei solche Wochenend-Unfälle mit jungen Autofahrern zwar nicht, aber sie sieht in Vorbeugemaßnahmen wie etwa der „Schutzengel-Aktion“ eine Möglichkeit, mäßigend auf das Verhalten einzuwirken.