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Ein Film braucht auch Komparsen: Karlheinz Walther (Bad Wildbad), Roland Brunner (Karlsruhe) und Eberhardt Nerz (Bad Wildbad, von links) stellten sich zur Verfügung. 
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Regisseur und Drehbuchautor Valle Döring wird von Regieassistentin Sophia Schiller und weiteren Mitarbeitern am Regiepult unterstützt.  Fotos: Gabi Meyer 

Filmdreh im Sommerberghotel: Eine seltsame Atmosphäre für eine ungewöhnliche Story

Bad Wildbad. Da, wo einst Promis, Kanzler und Präsidenten sich trafen, tafelten und diskutierten, verwischt jetzt Verfall die Spuren der einstmaligen Schönheit der Räume. Doch für kurze Zeit ist hier wieder Leben eingekehrt. In dem seit Jahren leerstehenden Sommerberghotel dreht eine Studentencrew der Fachhochschule für Gestaltung Karlsruhe zusammen mit Auszubildenden des SWR und einem vierköpfigen Team professioneller Schauspieler sowie einigen Komparsen den Kurzfilm „A la carte“ und nutzt für die groteske „Dramödie“ eine Kulisse, die mit ihrem verblichenen 60er-Jahre-Charme selbst eine leicht bizarre Optik ausstrahlt.

Draußen ist nichts von der Betriebsamkeit zu spüren, die in dem Hotelteil mit dem fast vollständig verglasten Halbrund und seinem herrlichen Blick über Bad Wildbad und den Schwarzwald herrscht. Hat man sich aber erst einmal durch verwirrende Gänge, Treppen und Räumlichkeiten, in denen die Zeit und der Regen der letzten Tage deutliche Spuren hinterlassen haben, durchgearbeitet, wird es lebhaft. Der rosa Plüsch von damals ist noch da, der weiße Stuck und das weiße Gestühl – ein Hauch vergangener Eleganz liegt über dem Drehort: Ein bisschen „lost places“-Feeling. Gerade richtig für eine absurde Businessparodie und Gesellschaftskritik, fand Regisseur Valle Döring, der den Film als Abschlussarbeit umsetzt und das Drehbuch geschrieben hat – in solchen Räumlichkeiten entsteht eine seltsame Atmosphäre, die die ebenso ungewöhnliche Story prägt. Durch die großen Fenster fällt Sonne, blendendes Scheinwerferlicht und Kameras sind auf Doris Conrad und Peter W. Hermanns gerichtet, die bei einer Versteigerung und einem Vertrag konkurrieren. „Dreizehn vier, die Zweite – Komparsen achtet auf Eure Blicke – und los“. Was dann kommt, ist Shakespearsches Versmaß: „Ich unterschreibe das und biete, das Geschäft zu schließen“ – „Ich bitte dich, und dafür willst du Sekt vergießen“. Die Reime sind der Auftakt zu einem Schlussakkord, der das „Networking Dinner“ mit zwei Geschäftsleuten und ihren Assistenten in einem tödlichen Kriminalfall enden lässt. Bis es so weit ist, wird um die Wette bestellt und gegessen, überbietet man sich gegenseitig, unehrlich, verbiestert und mit kalkulierter Selbstdarstellung. „Ausgehend von der Parodie eines ohnehin schon absurden Leistungsalltags nehmen wir das Publikum mit Witz und Irritation bei der Hand, um später die verstörenden und grausamen Szenen in bizarrer Komik zugänglich zu machen“, heißt es in einem Regiekommentar. So schnell ist das nicht im Kasten – „dreizehn vier – die Zweite“ erhält noch etliche Nachfolge-Takes, ehe Döring zufrieden ist. Konzentration fordert er immer wieder von allen ein, die sich in der verblichenen Exklusivität mit all den Kabeln und Leitungen der von der Fachhochschule zur Verfügung gestellten technischen Ausrüstung bewegen. Geduld gehört wohl auch dazu – „Dreizehn vier“ ist mittlerweile ein paar Zahlen weiter gerutscht, da heißt es plötzlich: „Alles auf Anfang bitte“.

Eine Woche lang wird auf dem Sommerberg gedreht, ein weiterer Drehtag soll im Juni folgen, die Fertigstellung des rund 20-minütigen Films ist für Ende des Jahres geplant. Dann könnte eine Erfolgsgeschichte des Films, für den finanzielle Unterstützung gesucht wird, folgen. „Wir hoffen“, sagt Elenya Bannert, die zusammen mit dem Verein Kaeliope den Film produziert, „auf eine Premiere in einem A-Festival“.