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12.07.2015

Flößerfest in Neuenbürg: Tollkühne Kisten auf der Enz

Erst kurz vorm Start war klar, wer mitmacht: Sieben Teams traten gestern beim traditionellen Waschzuberrennen in Neuenbürg gegeneinander an. Tausende von Schaulustigen standen rings um die Enz, feuerten die Mannschaften von der Brücke und Mauer aus an. Kaum war das störrische Nilpferd der „Pforzheimer Zeitung“, die das zweitägige Flößerfest unterstützte, als letztes Boot ins Wasser gelassen, gab Moderator Andreas Preissler den Startschuss. Sofort brauste das bestens bekannte „Chamäleon“ der Jungschar Engelsbrand davon. Der Seriensieger war wieder nicht zu schlagen.

Der Gegner im Lauf machte erst mal ein „Kaffee-KrENZchen“ – auf einem Boot mit gemütlichen Polsterstühlen, Tisch und Kaffeetassen. „Hauptsache nicht kentern“, lautete das Motto des Dreier-Teams aus Karlsruhe, das noch auf dem Weg zur Boje abbrach und zurückruderte – das „Chamäleon“ mit Schaufelradantrieb war längst im Ziel. 1:47 Minuten brachten den Hauptpreis ein – ein Sicherheitstraining mit Auto und die Manfred-Eberle-Medaille in Gedenken an den verstorbenen Mitgründer des Flößerfestes. Das „Kaffee-KrENZchen“ wurde per Applausbarometer immerhin zum Pechvogel gekürt und sicherte sich einen Segelflug.

Bildergalerie: Flößerfest in Neuenbürg lockt zahlreiche Schaulustige

Dass das Rennen mit den selbstgebauten Floßen einmal mehr zur Hauptattraktion des Flößerfestes wurde, zeigte sich auch beim zweiten Zeitfahren – das „Flussbett“ von Christian Preissler und Jan Ehmann gegen die Neuenbürger „Gemeinderatsnixen mit Außenborder“. Auf ihrem Floß mit Rathaus standen Ulla Ohaus und Annika Müller mit Ruder, hinten im Wasser tauchte Peter Kreisz als Außenborder in die eiskalte Enz ab. „Das waren gefühlte 14 Grad“, sagte Kreisz hinterher und hüllte sich gleich in einen Bademantel. Bisher sei er nur einmal in die Enz gesprungen – als er vor Jahren mal einen Hund gerettet hat. Die gebürtig aus Neuenbürg stammenden „Schlafmützen“ vom „Flussbett“ machten am Anfang und am Ende ihrer Überholungstour ein Nickerchen. Ihr Wasserbett mit Laken auf Schwimmnudeln wurde zum originellsten Floß gewählt – zusammen mit dem Autoscooter von Johannes Ruppert.

Der Karlsruher trat mit seinem winzigen Kahn letzten Lauf gegen das zurecht siegessichere „Äffle mit Düsenjet“ von der Jungschar Engelsbrand und das bockige PZ-Nilpferd. Gleich drei Redakteure gingen an Bord – Regionalredaktionsleiter Alexander Heilemann, der 2004 das kühle Nass leibhaftig zu spüren bekam, der Neuenbürg-Berichterstatter Peter Hepfer und Stefanie Reinhardt von TV-BW, die mit wassertauglicher Action-Cam ausgestattet war. „Wir setzen auf gute Team-Arbeit“, sagte die PZ-Mannschaft und kämpfte lange auf einer Linie mit dem Mini-Box-Auto um Rang zwei im Lauf. Das Heck des Nilpferdes, das immerhin schon elf Jahre auf dem Buckel hat, hing bald jedoch bedenklich tief im Wasser. Es reichte für Gesamtrang vier – hinter Ruppert und den Engelsbrandern.

Das Rennen war ein Fest-Höhepunkt an einem Tag, der den Veranstaltern von Musikverein und Turnverein wegen des perfekten Feierwetters ohnehin Spaß machte. Das galt auch für alle Renn-Teams. „Der Spaßfaktor steht im Vordergrund“, hatte Gemeinderätin Annika Müller betont.