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Spurensuche vor Flüchtlingsheim in Remchingen-Singen © Seibel
Hätte der Brand in diesem Haus, das als Flüchtlingsheim vorgesehen war, verhindert werden können, wenn es einen Polizeischutz gegeben hätte? Die Gewerkschaft der Polizei sagt, dass ein dauerhafter Schutz aller ähnlichen Einrichtungen nicht möglich ist. © dpa
20.07.2015

Flüchtlingsheim in Remchingen: Spuren von Brandstiftung gesucht

Remchingen-Singen. In der ausgebrannten Ruine des geplanten Flüchtlingsheimes in Remchingen haben Experten des Landeskriminalamtes am Montag ihre Suche nach Hinweisen auf Brandstiftung fortgesetzt. „Unsere Kollegen sind vor Ort und untersuchen das Objekt weiter“, sagte ein Polizeisprecher. Weitere rund 20 Beamte hätten mehrere Stunden lang das gesamte Industriegebiet rund um die Unterkunft im Enzkreis nach Spuren abgesucht.

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Das Feuer war in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Die Behörden ermitteln wegen Brandstiftung; ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Erste Ergebnisse sollen frühestens Mitte der Woche vorliegen. Die „Ermittlungsgruppe Meilwiese“ analysiert unter anderem den Brandschutt nach möglichen Brandbeschleunigern; genauere Angaben wurden auch am Montag nicht gemacht.

In das Gebäude hätten im kommenden Jahr Flüchtlinge einziehen sollen. Vermutlich muss es jetzt abgerissen werden. Der Schaden beträgt etwa 70.000 Euro. Im ganzen Land werden derzeit auf kommunaler Ebene Flüchtlingsheime gebaut beziehungsweise bestehende Gebäude für diesen Zweck hergerichtet. Genaue Zahlen gibt es laut Landkreistag und Integrationsministerium nicht.

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„Sie können aber davon ausgehen, dass angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen in jedem Landkreis solche Projekte gerade laufen“, sagte der beim Landkreistag unter anderem für Asylfragen zuständige Dezernent Dietmar Herdes. Häufig würden Flüchtlinge schon nach ein paar Tagen von den Erstaufnahmestellen des Landes an die Kommunen „durchgereicht“.

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Das Innenministerium hatte nach eigenen Angaben bereits im September 2014 die Polizeipräsidien des Landes angewiesen, in die öffentlichen Sicherheitskonzepte auch die Flüchtlingsheime mit aufzunehmen - etwa mit häufigeren Streifenfahrten. „Jetzt wird sicherlich nochmals eine Intensivierung stattfinden“, sagte ein Ministeriumssprecher. Oft seien den örtlichen Polizei-Dienststellen nicht nur die bestehenden Flüchtlingsheime bekannt, sondern auch die im Bau oder der Sanierung befindlichen würden abgefahren. Ob das auch bei dem geplanten Remchinger Asylheim der Fall war, konnte er nicht sagen.

Ein Rundumschutz aller Unterkünfte sei aber nahezu unmöglich, sagte der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft Joachim Lautensack. Schon derzeit gebe es an Aufnahmestellen Problemlagen, die mit örtlichen Polizeikräften bewältigt würden. Er hoffe, dass die Brandstiftung im Enzkreis eine Ausnahme bleibe. „Das ist eine Vorstellung, die ich mir gar nicht machen will, wenn das überhandnähme in Baden-Württemberg.“

Der Brand in dem früheren Vereinsheim in Remchingen war einem Autofahrer von der nahen B10 aus aufgefallen. Bis die Feuerwehr kam, waren schon zwei Stockwerke und das Dach ausgebrannt.

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