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Suchen den Austausch mit ehrenamtlichen Helfern. Von links: Angelika Edwards (Gesundheitsamt), Angela Gewiese (Forum 21), Sozialdezernentin Katja Kreeb, Roswitha Theilmann (Schulamt), Anne Polinsky und Frank Kontermann („miteinanderleben“), Hartmut Schölch (Jobcenter Enzkreis), Uwe Müller (Agentur für Arbeit), Brigitte Joggerst (Gesundheitsamtsleiterin), Moderator Jürgen Hörstmann.   Foto: Seibel
Suchen den Austausch mit ehrenamtlichen Helfern. Von links: Angelika Edwards (Gesundheitsamt), Angela Gewiese (Forum 21), Sozialdezernentin Katja Kreeb, Roswitha Theilmann (Schulamt), Anne Polinsky und Frank Kontermann („miteinanderleben“), Hartmut Schölch (Jobcenter Enzkreis), Uwe Müller (Agentur für Arbeit), Brigitte Joggerst (Gesundheitsamtsleiterin), Moderator Jürgen Hörstmann. Foto: Seibel
28.10.2015

Flüchtlingshelfer brauchen Hilfe

So voll erlebt man den Großen Sitzungssaal im Landratsamt Enzkreis fast nie. Über 160 Menschen wollten sich am Mittwochabend über Flüchtlingshilfe austauschen: ehrenamtliche Helfer von überallher aus dem Enzkreis, Vertreter von Kommunen und Behörden. Vor allem in den Arbeitsgruppen in kleineren Räumen könne es eng werden, bereitete Moderator Jürgen Hörstmann die Besucher vor: „Aber wenn wir von Platznot sprechen, sind wir schon mitten im Thema.“

Tatsächlich überlagert die Frage der Unterbringung der Asylbewerber in der öffentlichen Wahrnehmung alles – besonders dann, wenn der Enzkreis an einem Mittwochabend noch nicht sagen kann, wo die auch für die kommende Woche wieder erwarteten 96 Neuankömmlinge wohnen sollen. Doch Sozialdezernentin Katja Kreeb sagte auch: „Die wirklichen Aufgaben werden erst in den nächsten Jahren deutlich.“ Herausforderungen für Bildung, Arbeitsmarkt, medizinische Versorgung und grundsätzlich die Integration so vieler Menschen. Katja Kreeb beschrieb genauso wie Anne Polinsky vom Verein „miteinanderleben“, der für die Sozialbetreuung der Asylbewerber zuständig ist, ihre Dankbarkeit für die weiterhin sehr große Hilfsbereitschaft der Enzkreisbürger. „Wenn Sie nicht helfen würden, könnten die Behörden die Aufgaben nicht mehr schaffen“, so Kreeb.

Der große Andrang im Landratsamt zu diesem ersten Koordinationsabend war so zum einen Anlass zur Freude über das Interesse. Aber es wurde auch schnell deutlich, dass dieses Interesse auch mit der Not zusammenhängt, die viele Helfer angesichts immer mehr zu betreuender Menschen erleben. Auch die Helfer selbst brauchen Hilfe.

Dass es damit nicht immer einfach ist, war ein Thema des Abends. Auf der einen Seite sind da viel zu wenige Verwaltungsmitarbeiter für die stetig wachsenden Flüchtlingsaufgaben (mangels Bewerbern seien 18 geschaffene Stellen noch unbesetzt, so Kreeb) und zu wenige Sozialarbeiter bei „miteinanderleben“ für die Betreuung. Und auf der anderen Seite sind die ehrenamtlichen Helfer, die immer stärker eingebunden sind und ihrerseits Fragen an die ohnehin schon überlasteten Profis haben.

Der Enzkreis baue gerade an tragfähigen Strukturen, so Katja Kreeb. Vieles geschehe notgedrungen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Umso wichtiger seien Rückmeldungen der Ehrenamtlichen an den Kreis. Und die gab es aus der großen Runde. Der Neuenbürger Günter Tiemann berichtete von seinen Erfahrungen bei der Betreuung einer syrischen Familie. Ein Dauerproblem sei es, jemanden als Übersetzer zu finden. Da fehle es überall. Polinsky gab dem Helfer Recht. Auch die Profis hätten diese ständige Sorge und suchten händeringend nach Arabisch-Dolmetschern.

Der Wimsheimer Karl-Willi Wagner berichtete von Frust, weil er sich mit Mitstreitern in einem Angebot von Praktika für Asylbewerber vom Enzkreis ausgebremst fühlt. Katja Kreeb will der Sache nachgehen. Ihrerseits bitten die Profis um gute Absprachen, ehe sich verschiedene Helfer in ihren Bemühungen dazwischenfunken. Auch von Sachspenden raten sie ab. Für Kleidung und Essen hätten die Neuankömmlinge genügend Geld.