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Vor dem Landgericht in Karlsruhe ist der Mordprozess im Fall Paulus fortgesetzt worden. Im Bild unter anderem zu sehen: der Hauptangeklagte (Gesicht gepixelt) mit seinen beiden Verteidigern, Professor Ulrich Sommer aus Köln (ganz links) und Cornelius Schaffrath aus Pforzheim (ganz rechts). 

Foltervideos und Waffenliebe: Heftige Details im Mordprozess Paulus

Karlsruhe/Pforzheim. Weitere Details im Mordprozess Paulus ließen am Freitag im Schwurgerichtssaal des Karlsruher Landgerichts aufhorchen. Es wurde bekannt, dass sich der Hauptangeklagte nach dem gewaltsamen Tod des Büchsenmachers Simon Paulus aus Gräfenhausen im Internet zu schizoaffektiven Störungen kundig gemacht hat.

Möglicherweise um herauszufinden, ob er selbst an einer Verhaltensauffälligkeit oder einer ähnlichen Erkrankung leiden könnte.

Unabhängig von dem Mordfall kam im Zusammenhang mit sexuellen Missbrauchsvorwürfen gegen den Hauptangeklagten erneut Bild- und Videomaterial zur Sprache, das von den Ermittlern unter anderem auf einem USB-Stick in einem Schlangenterrarium und auf einem Laptop sichergestellt wurde. Darauf soll zu sehen sein, wie der Beschuldigte in teils erotischen, teils gewaltverherrlichenden Sequenzen Frauen filmt und mit einem Messer im Bauchnabelbereich traktiert. Durch die Auswertung der Internettätigkeit bilanzierten die Ermittler, dass zu den heruntergeladenen Dateien auch solche gehört haben sollen, bei denen vorgegeben wird, Frauen zu töten. Andererseits wird der 30-jährige Hauptangeklagte selbst von einem Polizeibeamten vor Gericht als zuvorkommendes Wesen beschrieben. Einer, der im Gerichtssaal zumeist lächelt, wobei er im Fünf-Minuten-Takt gut gelaunt mit Cornelius Schaffrath, einem seiner zwei Anwälte, parliert.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Vor Gericht wurde deutlich, dass der versierte Waffenexperte Paulus im Bezug auf den Beschuldigten stets von „meinem Italiener“ sprach, wenn er über ihn redete oder ihn mitnahm: So zu einem Schützenverein im westlichen Enzkreis, wo der Italiener adrett mit Sakko bekleidet erschien.

Prozess Paulus 28
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Mordfall Simon Paulus: Prozess in Karlsruhe

Ein ehemaliger Arbeitskollege und Schützenfreund von Paulus bezeichnete den Büchsenmacher als geradlinig mit klarer Ansage. Das habe nicht jedem gepasst. Paulus sei ein Waffennarr gewesen, der beispielsweise eine Pumpgun selbst reparieren konnte.

Der Prozess wird am 3. Juli um 9 Uhr fortgesetzt.

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