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Erstaunt: Der Angeklagte Harry Wörz wundert sich, wie akribisch das Landgericht Mannheim umstrittene Vorgänge aufhellt, die vor zwölf Jahren eine Rolle spielten. Sein Verteidiger Ralf Neuhaus (links) hatte die Richter beim Auftakt um faire Behandlung gebeten.
Erstaunt: Der Angeklagte Harry Wörz wundert sich, wie akribisch das Landgericht Mannheim umstrittene Vorgänge aufhellt, die vor zwölf Jahren eine Rolle spielten. Sein Verteidiger Ralf Neuhaus (links) hatte die Richter beim Auftakt um faire Behandlung gebeten.
01.11.2009

Fortsetzung im Harry Wörz-Prozess nach Revision

BIRKENFELD/MANNHEIM. Im beispiellosen Marathon-Prozess gegen Harry Wörz droht dem kürzlich freigesprochenen Mann aus Birkenfeld eine Fortsetzung des Verfahrens: Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben des „Mannheimer Morgen“ Revision eingelegt gegen den Freispruch für den 43-Jährigen.

Wörz muss sich seit mehreren Jahren wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau vor verschiedenen Gerichten verantworten. Er war zunächst verurteilt und nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens freigesprochen worden. Für die Angehörigen des Opfers hatte der Nebenkläger bereits am Tag des Freispruchs Revision angekündigt.

Das Landgericht Mannheim hatte Wörz am 22. Oktober freigesprochen und den Verdacht mit beispielloser Deutlichkeit auf einen Pforzheimer Polizeibeamten gelenkt - den Geliebten der Polizistin, die im April 1997 mit einem Wollschal beinahe erdrosselt worden war. Die Frau ist seitdem schwerbehindert und kann sich nicht mehr zur Tat äußern.

Wörz war 1998 zunächst zu elf Jahren Haft verurteilt und wegen eines Wiederaufnahmeverfahrens vorzeitig entlassen worden. Vor vier Jahren war er bereits ein erstes Mal freigesprochen worden, doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil wegen rechtlicher Fehler aufgehoben. Der neuerliche Freispruch muss nach der Revision voraussichtlich wieder vom BGH geprüft werden. dpa