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Ein Parson-Russel-Terrier wurde vor etwa zwei Jahren in einer Rettungsaktion der Feuerwehr befreit. Die Besitzerin des Hundes Skipper soll nun mehrere tausend Euro für die Rettung bezahlen und wehrt sich vor Gericht gegen den Gebührenbescheid.
Ein Parson-Russel-Terrier wurde vor etwa zwei Jahren in einer Rettungsaktion der Feuerwehr befreit. Die Besitzerin des Hundes Skipper soll nun mehrere tausend Euro für die Rettung bezahlen und wehrt sich vor Gericht gegen den Gebührenbescheid. © Symbolbild: dpa
12.11.2014

Frauchen muss in Berlin für Rettung ihres Hundes 10.000 Euro bezahlen - In Pforzheim und Region bleibt Tierrettung kostenfrei

Für die aufwendige Rettung ihres Hundes muss eine Berlinerin den Rettungskräften 10.000 Euro bezahlen. Auf diese Summe einigte sich die Tierärztin am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht in Berlin mit der Feuerwehr. In Pforzheim und im Enzkreis würde sich diese Frage nicht stellen. Hier rettet die Feuerwehr Tiere kostenfrei.

Die Einsatzkräfte hatten den Terrier Skipper im November 2012 erst nach einem stundenlangen Einsatz aus einem Dachsbau im Tegeler Forst befreien können. Dabei waren 23 Feuerwehrleute und fünf Fahrzeuge samt Ausrüstung im Einsatz - die Feuerwehr stellte der Hundehalterin dafür 13.000 Euro in Rechnung. Dagegen hatte die 46-Jährige geklagt. Vor Gericht argumentierten sie und ihr Anwalt, dass zehn Feuerwehrleute ausgereicht hätten.

Das beklagte Land Berlin sagte schließlich zu, ein Fahrzeug samt Personal weniger zu berechnen. 5000 Euro übernehme zudem die Haftpflichtversicherung der Frau, sagte der Anwalt der Klägerin während der Verhandlung. Geregelt ist der Anspruch im Berliner Feuerwehrgesetz, das auf die Gefährdungshaftung für Tiere im Bürgerlichen Gesetzbuch verweist. Danach haften Halter für Personen- und Sachschäden, die ihr Tier verursacht.

„Offensichtlich haben wir in Baden-Württemberg eine andere Rechtsgrundlage“, erklärt der Pforzheimer Stadtbranddirektor Sebastian Fischer. Tiere aus einer lebensbedrohlichen Lage zu retten, sei in Baden-Württembergs Feuerwehrgesetz ganz klar als „Pflichtaufgabe der Feuerwehr“ genannt. Das mit der Lebensgefahr sehe man hierzulande eher „pragmatisch“ und daher auch meistens zum Vorteil des Tierhalters, wohl wissend, dass Tierrettung stets ein sehr emotionales Thema sei. Rettungsaktionen, die zu jenen „Pflichtaufgaben“ gehören, können von der Feuerwehr nicht abgerechnet werden, so der Pforzheimer Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer. Es sei denn, es handele sich um ein vorsätzlich herbeigeführtes Ereignis oder einen mutwilligen Fehlalarm.

Das Pferd, das am Montagabend in Keltern-Weiler in die Güllegrube gestürzt war und aufwendig mit Hilfe eines Kranwagens gerettet wurde, war in Lebensgefahr. Der Halter des Vierbeiners muss also zunächst nicht mit einem Gebührenbescheid rechnen. Bei einem Stundensatz für einen Pforzheimer Feuerwehrmann in Höhe von 38 Euro wäre bei 25 Einsatzkräften und zwei Stunden Einsatzzeit plus der Einsatz von diversen Fahrzeugen schnell ein Wert deutlich über 2000 Euro herausgekommen. Der Hamster, den Pforzheimer Feuerwehrleute Anfang Mai aus einem Zigarettenautomat befreiten, wäre im Vergleich zum verunglückten Pferd ein Kosten-Schnäppchen gewesen. Aber auch hier ging es um das Leben des kleinen Haustiers, weshalb die junge Besitzerin nicht ihr Taschengeld opfern musste.