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Gesprächsrunde: die Gleichstellungsbeauftragte Kinga Golomb (von links), der langjährige Erste Landesbeamte Wolfgang Herz, die erste Kreisrätin Katalin Erat und die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Martina Klöpfer.  Foto: enz/Patrizia Joos 

Frauen im Enzkreis weit vorne: 35 Jahre Gleichstellungsarbeit

Neuhausen/Enzkreis. 35 Jahre Gleichstellungsarbeit im Enzkreis: Dieses Jubiläum hat das Landratsamt mit einem Festakt in der Theaterschachtel Neuhausen gefeiert, zu dem neben der jetzigen und früheren Frauenbeauftragten, Kinga Golomb und Martina Klöpfer, auch der langjährige Erste Landesbeamte Wolfgang Herz und die erste Kreisrätin im Enzkreis, Katalin Erat, gekommen waren. Landrat Bastian Rosenau betonte, dass in diesen 35 Jahren sehr viel für die Gleichstellung auf den Weg gebracht worden sei.

„Der Enzkreis war der allererste Landkreis in Baden-Württemberg, der das Thema Gleichstellung institutionell und personell verankert und ihm damit eine echte Bedeutung zugemessen hat“, so der Landrat. Der Kreistag habe das 1986 beschlossen. Die erste Stelle der Frauenbeauftragten übernahm Astrid von Sichart. Ihr erster Tätigkeitsbericht habe denn auch zu „Tumulten im Kreistag“ geführt, zitierte Rosenau eine Schlagzeile von damals. Aber der damalige Landrat habe nur gemeint: „Eine Frauenbeauftragte muss unbequem sein, sonst braucht man sie ja nicht.“ 1992 übernahm dann Martina Klöpfer das Amt. Und dank ihrer ausgleichenden, aber gleichzeitig hartnäckigen Art sollte der „Exotinnen-Status“ bald bröckeln. Klöpfer sei die Dinge realistisch und pragmatisch angegangen. 1995 wurde sie zur Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten gewählt. Insgesamt war Klöpfer 28 Jahre im Amt, mittlerweile ist ihr Kinga Golomb gefolgt, die stellvertretende Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten ist. Diese Arbeitsgemeinschaft unter Regie des langjährigen Ersten Landesbeamten Wolfgang Herz habe im Laufe der Jahre viele wichtige Dinge auf den Weg gebracht: Beispielsweise die Richtlinie für Chancengleichheit. Außerdem erwähnte Rosenau die Erfolge bei der Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen: der Enzkreis sei auf Ebene der Amtsleitungen zwischenzeitlich paritätisch besetzt.

Kinga Golomb erinnerte daran, dass erst seit 2016 Kommunen ab 50.000 Einwohnern verpflichtet sind, eine Gleichstellungsbeauftragte zu beschäftigen. Das zeige, dass der Enzkreis in diesem Bereich eine Vorreiter-Rolle eingenommen habe. Die Aufgabe sei nach wie vor wichtig. „Auch im Enzkreis haben wir leider zu wenig Frauen in politischen Gremien vertreten. Von 58 Kreistagsmitgliedern sind nur sieben Frauen.“

Es folgte eine Gesprächsrunde, in der Martina Klöpfer berichtete, dass ihre erste Veranstaltung unter Polizeischutz begann. Die erste Kreisrätin Katalin Erat sprach von unglaublich spannenden Jahren im Kreistag: „Von der Idee und Überzeugung, die Welt zum Besseren verändern zu können.“ Abläufe seien damals vollständig auf Männer abgestimmt gewesen, denen zu Hause der Rücken frei gehalten worden sei. Martina Klöpfer betonte, es gehe darum, Themen zur richtigen Zeit und am richtigen Ort wieder aufzugreifen – auch wenn sie bereits besprochen wurden.