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Tierquäler in der Region

Justitia: Der erzieherische Gedanke steht beim Jugendstrafrecht im Vordergrund. Symbolfoto: dpa
Justitia: Der erzieherische Gedanke steht beim Jugendstrafrecht im Vordergrund. Symbolfoto: dpa
12.03.2013

Frauen überfallen, Schaf getötet: Milde Strafen für Bande

„Zum Glück waren sie zum Zeitpunkt der Taten noch unter 21 Jahren“, bilanzierte der Vorsitzende Richter Andreas Witulski bei der Urteilsverkündung. Fünf jungen Männer aus dem Enzkreis im Alter zwischen 21 und 22 Jahren hatten sich in einer weiteren Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Pforzheim zu verantworten.

Angeklagt waren sie wegen zweier Überfälle auf drei Frauen in Sindelfingen und Bretten und weil sie im Enzkreis ein Schaf an ein Auto gebunden und zu Tode geschleift hatten.

Die Überfälle wurden im Mai 2010 begangen, die Tierquälerei stammte vom März 2011, wobei in letzterem Fall nur zwei der Angeklagten beteiligt waren und einer hierfür bereits verurteilt worden war. Bei einem Erwachsenen hätte der bandenmäßige, schwere Raub eine Mindeststrafe von fünf Jahren bedeutet, sagte der Richter. Im Jugendstrafrecht stehe jedoch der erzieherische Gedanke im Vordergrund und so wurden die Strafen von Roland T. (ein Jahr und sechs Monate), Frank S. (zwei Jahre), Lars Z. (zwei Jahre) und Jonas M. (ein Jahr) zur Bewährung ausgesetzt. Chris P. wurde unter Einbeziehung einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, die er derzeit verbüßt, zu vier Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Die Urteile hatten sich bereits in den Plädoyers angedeutet. Staatsanwältin Melanie Wetzel hatte hierin mehr auf Chance als auf Strafe gesetzt. Hierbei ließ sie die Brutalität der Angeklagten bei den Überfällen auf die drei Frauen nicht unerwähnt und betonte wie perfide es gewesen sei, die Tat mit dem Schaf nicht nur zu filmen, sondern sich den Film auch noch auf dem Handy anzuschauen. Für Chris P. regte die Staatsanwältin an, seine aktuelle Haftstrafe nicht in das Urteil einzubeziehen und forderte für ihn eine isolierte Jugendstrafe von zwei Jahren. Ob diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, solle erst sechs Monate nach der Verbüßung der aktuellen Strafe von drei Jahren und sechs Monaten entschieden werden. Bei den anderen vier Tätern plädierte sie auf ein Jahr und sechs Monate (Roland T.), ein Jahr und elf Monate (Frank S.), zwei Jahre (Lars Z.) sowie ein Jahr und zwei Monate (Jonas M.). Die Anwälte der Angeklagten – Bastian Meyer, Susanne Burkhardt, Christoph Bühler, Erich Lulei und Mathias Bürckle lobten in ihren Plädoyers das Augenmaß der Staatsanwältin. Zu den Bewährungsauflagen gehören auch Geldstrafen. So müssen Roland T. und Franz S. 1000 Euro sowie 1200 Euro an zwei der von ihnen überfallenen Frauen in Sindelfingen und Bretten bezahlen. Denselben Betrag müssen sie an den Bezirksverein für soziale Rechtspflege überweisen. Im Falle von Jonas M. sind 900 Euro an diese Einrichtung zu bezahlen.

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