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06.11.2017

Friedliche Vorstellung des einzigen Bürgermeisterkandidaten in Remchingen

Remchingen. Am Sonntag, 12. November, wird in Remchingen der neue Bürgermeister gewählt. Vorab konnten sich die Bürger der westlichen Enzkreisgemeinde noch einmal in einer öffentlichen Bewerbervorstellung über den einzigen Kandidaten informieren. Amtsinhaber Luca Wilhelm Prayon stellte sich auch den Fragen des Publikums. PZ-news tickerte live von der Bürgerinformation.

Es ging gleich mit einem Versprecher los: Der 1. Bürgermeister-Stellvertreter und Wahlleiter Kurt Ebel kennt beide genau und weiß um deren zum Teil grundverschiedene Positionen zu großen Projekten in der Remchinger Kommunalpolitik. Und doch verwechselte er gleich zu Beginn der Kandidatenvorstellung Alt-Bürgermeister Wolfgang Oechsle mit Noch- und wohl Bald-wieder-Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Oechsle hatte seinen Nachfolger immer wieder auch öffentlich kritisiert: Etwa für den Rathaus-Neubau, der momentan vor der Kulturhalle in Wilferdingen entsteht, oder wegen der Erweiterung des Altenpflegeheims. Doch an diesem Abend hielt er sich zurück. Überhaupt verlief der Abend recht ruhig, was angesichts der vorangegangenen Auseinandersetzungen wegen dieser Projekte nicht unbedingt zu erwarten war. Nach nicht einmal einer Stunde endete die Kandidatenvorstellung vor gut 300 Zuschauern mit längerem Applaus für Prayon.

In seiner Präsentation hatte er darauf verwiesen, wie prägend für die Gemeinde diverse Strukturmaßnahmen in seiner Amtszeit waren. Er nannte das Gewerbegebiet Billäcker, den Hochwasserschutz, die Ortsmitte mit dem Rathaus-Neubau, die Ortsumgehung bei Nöttingen und anderes mehr. Aber es sei ein Problem, dass es im Gewerbegebiet Billäcker kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten gebe. Dabei müsste man erweiterungswilligen Firmen aus Remchingen Fläche für den Ausbau des Unternehmens zur Verfügung stellen, um diese in der Gemeinde zu halten. Insbesondere verwies er auf die wichtige Funktion des Handwerks.
Prayon wolle Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze erhalten und weitere schaffen. Beim Handel sei das Problem für Remchingen jedoch der Abfluss der Kaufkraft in die benachbarten Großstädte. Da werde es wichtig, eine gemeinsame professionelle Plattform des Handels und in unmittelbarer Ladennähe ausreichend Parkplätze vorzuweisen.
Die Diakoniestation soll weiter Partner der Gemeinde bleiben. Beim Altenpflegeheim warte nämlich eine große Herausforderung auf Remchingen. Durch ein neues Gesetz würden Betten in der Einrichtung bei der Kulturhalle wegfallen, weshalb die Kommune das Altenpflegeheim erweitern müsse, um den Bettenverlust zu kompensieren. Allerdings würden nicht nur alte Menschen in naher Zukunft weniger Platz haben in Remchingen, denn es fehle laut Prayon Wohnraum in der Gemeinde. Dabei hatte er auch die Flüchtlinge im Blick. Mehr als die geforderten 120 Flüchtlinge in den nächsten 18 Monaten könne Remchingen nicht unterbringen. Immerhin: Durch die vielen ehrenamtlichen Helfer sei es in der Flüchtlingsunterkunft in Darmsbach ruhig geblieben.
Ein großes Thema bei den Bürgerfragen waren der Bahnhof und das Brodbeck-Gelände nebenan. Schon vor Jahren habe der Gemeinderat Millionenbeträge für einen barrierefreien Bahnhof in den Haushalt gestellt. Diese seien wieder zurückgenommen oder nicht angefasst worden, so Gemeinderat Lothar Wolf.

Prayon sieht die Schuld bei der Bahn. Die Gespräche seien bisher fruchtlos geblieben. Und: Bahn und Bund hätten anderen Kommunen beim Ausbau ihrer Bahnhöfe den Vorrang gegeben. Ohne ein Signal von dieser Seite könne man nichts tun. Nun müsse eben der Gemeinderat ein Machtwort sprechen.
Michael Loewenstein wünschte sich, dass die Gemeinde das Brodbeck-Gelände am Bahnhof kauft, um einen „Schandfleck aus der Welt zu schaffen“. Allerdings, so Prayon: „Beide Eigentümer wollten in der Vergangenheit und wollen auch heute nicht verkaufen.“ Für das Gelände würden Pläne für eine Wohnbebauung vorliegen, doch das Areal liege auch in einem Hochwassergebiet.
Auch ein Dauerbrenner-Thema: Irmgard Zachmann von der Bürgerinitiative „Ruhe jetzt“ sprach den Schutz vor dem Autobahnlärm an. Prayon macht der Nöttingerin wenig Hoffnung, dass es an der A8 in naher Zukunft einen besseren Lärmschutz geben könnte. Die Aktionen der Bürgerinitiative hätten allerdings dazu geführt, dass die Gemeindeverwaltung die Pläne abermals durchforstet habe und auf Fehler gestoßen sei.

Mehr darüber lesen Sie am Dienstag in der Pforzheim Zeitung auf Seite 21 oder im E-Paper auf PZ-news oder über die PZ-Apps.

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