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Christian Häußermann aus Diefenbach kontrolliert Rebstöcke in Freudenstein. Der Frost hat den Lembergerknospen teilweise stark zugesetzt. Foto: Lutz
Christian Häußermann aus Diefenbach kontrolliert Rebstöcke in Freudenstein. Der Frost hat den Lembergerknospen teilweise stark zugesetzt. Foto: Lutz
10.05.2017

Frostnächte im April zehren an den Nerven von Winzern und Obstbauern

Von einer Naturkatastrophe sprechen mittlerweile die Experten, wenn es um die Beurteilung der Frostauswirkungen vom April geht. Minustemperaturen von bis zu sieben Grad wurden verzeichnet.

Das gab es letztmals 1991, also vor 26 Jahren. Massiv betroffen waren Winzer und Obstbauern in der Region (PZ berichtete). Mittlerweile lässt sich der Schaden genauer ablesen, als noch vor zwei Wochen. Erneut hat sich deshalb die „Pforzheimer Zeitung“ bei regionalen Produzenten umgehört. Die bereits geäußerten Befürchtungen hinsichtlich massiver Schäden haben sich dabei bestätigt. Gleichzeitig hoffen Winzer und Obstbauern, zumindest von den Eisheiligen zur Monatsmitte verschont zu bleiben. Skeptisch sind die Betroffenen, ob die von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) Ankündigung, Betrieben, die existenziell in Not geraten, finanziell zu helfen, unbürokratisch umsetzbar sei. Ohnehin könne dies erst später auf der Grundlage geschehen, dass die exakten Ernteausfälle zu beziffern seien.

In dieser Woche hat Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) Soforthilfen im steuerlichen Bereich versprochen.„Die Finanzämter werden so schnell und unbürokratisch wie möglich helfen. Damit können wir kurzfristig für mehr Liquidität sorgen“, sagte Sitzmann. So seien erleichterte zinslose Stundungen bereits fälliger Steuerforderungen denkbar, außerdem könnten Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer angepasst werden. In begründeten Fällen sei es möglich, dass Vollstreckungen aufgeschoben werden, ohne dass dafür Zuschläge gezahlt werden müssen. Die Ministerin nannte zudem die Möglichkeit, dass die Kosten für Wiederanpflanzungen zerstörter Dauerkulturen als sofort abziehbare Betriebsausgaben geltend gemacht werden können.

Beim Weingut Zaiß in Schützingen bewegt sich der Schaden je nach Weinberg zwischen 30 Prozent und Totalschaden. Man hoffe auf Beiaugen und Reserveknospen, wobei nicht alle fruchtbar seien. Der mögliche Ernteausfall könne erst im Herbst beziffert werden. Schon jetzt aber sei sicher, dass mehr Arbeit auf die Winzer zukomme durch ungleich entwickelte Rebbestände, verschieden reifende Trauben und eine in letzter Konsequenz gestaffelte Lese.

Christian Häußermann aus Diefenbach bestätigt: „Auch wir sind nicht ungeschoren davongekommen.“ Einige Lagen seien allerdings stärker betroffen gewesen, etwa Freudenstein. In Diefenbach gehe es noch. Lemberger und Trollinger habe es hart getroffen. Bei anderen Rebsorten könne man die Schäden je nach Lage womöglich an anderer Stelle ausgleichen, so die Hoffnung von Häußermann.

Auch die Obstbauern der Region haben zu kämpfen. Obstbauberater Bernhard Reisch vom Landwirtschaft des Enzkreises weiß, dass es Süßkirschen, Zwetschgen und Pfirsiche hart getroffen hat. Bei den Äpfeln komme es auf die Sorten an. Manche Blüte sehe äußerlich noch gut aus. Doch durchtrenne man mittig den Blütenboden, erschließe sich einem beim Anblick eines dunklen, statt grünen Fruchtknotens erst, dass ein Frostschaden vorliege. Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.