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Der Jubilar vor dem Keulebuckel: Wolfgang Gehring liebt sein Ellmendingen und klettert für den Fototermin auch gerne aufs Dach. Fotos: Marx/privat
Der Jubilar vor dem Keulebuckel: Wolfgang Gehring liebt sein Ellmendingen und klettert für den Fototermin auch gerne aufs Dach. Fotos: Marx/privat
Fotomontage zum 60. Geburtstag: Anspielung auf Gehrings früheres Hobby.
Fotomontage zum 60. Geburtstag: Anspielung auf Gehrings früheres Hobby.
02.05.2019

Früherer Schultes von Ellmendingen und Keltern feiert 80. Geburtstag

Keltern-Ellmendingen. PZ trifft beim Besuch einen gut gelaunten Weltreisenden. Work-Life-Balance? Die könnte der Jubilar erfunden haben. Während andere ächzen und stöhnen, erinnert sich Wolfgang Gehring an ein tolles Leben.

.Auch seine Zeit als Verwaltungschef, zuerst von Ellmendingen, nach der Kommunalreform von Keltern, bildet da keine Ausnahme. Arbeiten muss Spaß machen und auch dann muss genügend Zeit zur Selbstverwirklichung bleiben. Dieses Credo hat sich der Jubilar, der am heutigen 2. Mai seinen 80. Geburtstag feiern kann, zu Herzen genommen. Nachdenklich kann Gehring auch sein, wenn er an frühere und jetzige Bürgermeister denkt, denen der öffentliche Druck tief auf Gemüt und Magen schlägt. Davon kennt er einige.

Alles im Griff

Der Ellmendinger, der hoch oben in seiner schmucken Penthousewohnung einen grandiosen Panoramablick übers Roggenschleh, auf die Weinberge des Keulebuckels und die Dächerwelt des Ortskerns samt Kirchturmspitze genießt, wirkt beim Besuch des Reporters völlig entspannt. Das hat einen Grund: Ehefrau Ilse hat alles im Griff und damit ist ein weiterer Erfolgsgarant in Gehrings Leben erwähnt. Wer so eine Frau hat, braucht sich halt auch keine Sorgen zu machen.

Eine große Leidenschaft der beiden ist das Reisen. Gleich ob kurze Städte- oder längere Weltreisen: Die Gehrings zieht es immer wieder hinaus in die Welt, sei es zum Shoppen oder um entlegene Regionen zu erkunden. Als die PZ zum 75. Geburtstag zu Besuch war, fehlten auf der großen Weltkarte an der Wand im Schreibzimmer noch ein paar Markierungsnadeln. Nun stecken Pins beispielsweise auch bei Papua-Neuguinea.

Wenn man Gehring fragt, was er sich für die Zukunft wünscht: Gesundheit natürlich, um weiterhin verreisen und möglichst viel erleben zu können. Dabei ist man gern mit Freunden unterwegs. Was sich komplett geändert hat: Der passionierte PS-Fan sportlicher Limousinen und heißer Feuerstühle ist deutlich ruhiger geworden. Sein 944er Porsche fristet nur noch ein Schattendasein und ist in der Garage zum Oldtimer geworden. Deshalb steht das Gefährt nun zum Verkauf. „Damit habe ich in den zurückliegenden Jahren praktisch keine Kilometer mehr zurückgelegt“, sinniert der Jubilar und freut sich, dass ihn andere heutzutage mitnehmen. Übrigens gerne in die Natur, denn Gehring liebt nicht nur das weltmännische Flair großer Metropolen, sondern als Naturkind am Fuße der Weinberge und den Ausläufern des Nordschwarzwalds auch die Zeit im Grünen.

Bewegung kann nicht schaden: Als Genussmensch kennt der 80-Jährige jedes gute Restaurant weit und breit und kann exzellente Empfehlungen geben. Man möchte meinen, dass er exquisite Speisekarten im Schlaf herunterbeten kann. Und auch hier schließt sich wieder der wichtigste Kreis im Leben des Kelterner Ehrenbürgers: Liebe geht durch den Magen und da trifft es sich vorzüglich, dass seine Ilse eine begnadete Köchin ist. Auf die Idee, seine Frau in der Küche zu stören, würde er natürlich nie kommen. Ein Macho alter Schule also? Ein bisschen vielleicht.

Ruhig am Abgrund

Auf jeden Fall weiß Ilse Gehring, was gut für ihren Mann ist und hat ihn stets im Blick. Beim PZ-Besuch fällt ihr rasch auf, dass der Hemdknopf nicht richtig sitzt. Also wird nachgebessert. Der Mann muss schließlich auch was hermachen, wenn das Foto gemacht wird.

Die üblichen Motive, raus auf Ellmendingens Ortsmitte und ins Roggenschleh, erscheinen abgenutzt. Tolle Ausblicke zwar, aber schon x-Mal veröffentlicht. Ein Blick auf die Weinberge wäre stark. „Machen wir,“ sagt Gehring und klettert aus dem Schlafzimmerfenster raus aufs Kieselfeld bis an die Flachdachkante. Während der Reporter im Liegen fotografiert, der Jubilar den gähnenden Abgrund hinter sich weiß, fungiert die Gattin als Regisseurin: Hände raus aus den Hosentaschen, lächeln und Brillentausch, denn die dunklen Gläser verunstalten das Gesicht.

Einen vielbeklatschten Auftritt hatte Gehring vor Kurzem bei der großen Jubelfeier zum 1100-jährigen Bestehen Ellmendingens in der Mehrzweckhalle. Da berichtete der Jubilar von Anekdoten aus seiner Zeit als Schultes. Und das kam beim Publikum bestens an, nicht zuletzt, weil von der heute üblichen politischen Korrektheit keine Rede sein konnte, vielmehr in klarer Sprache auf das Menschelnde Bezug genommen wurde. Und das mögen die Leute: wenn viel Raum zum Schmunzeln bleibt. So gesehen taugt Wolfgang Gehring auch zum Alleinunterhalter. Einige Passagen der Ansprache seien an dieser Stelle wiedergegeben.