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Unter den Waffen, die das Opfer legal besessen hat war ein solches AR-15-Gewehr. Es ist verschwunden. In Herrenberg hat die Polizei dafür weitere Waffen gefunden, die dem Gräfenhausener gehört haben.  Foto: dpa 
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Der Waffenspezialist Simon Paulus verwendete in sozialen Medien gerne Motive wie dieses.  Foto: privat 

Führt Waffe von Simon Paulus zu den Tätern?

Pforzheim/Enzkreis. Im Fall des ermordeten Büchsenmachers, Sportschützen und Jägers Simon Paulus gibt es Stimmen aus dessen Umfeld, die im verschwundenen Sturmgewehr AR-15 nach wie vor einen entscheidenden Schlüssel für die Tat und somit das ausschlaggebende Motiv der Täter sehen. Die Mehrzahl der rund 30 Jagdwaffen, die aus seiner Wohnung in Bikenfeld-Gräfenhausen bis auf den heutigen Tag spurlos verschwunden sind, seien eher „als Mitnahmeeffekt einzustufen“, heißt es.

Zum halbautomatischen Gewehr AR-15 kämen Handfeuerwaffen hinzu, etwa eine Glock, die sicherlich auch das Interesse der Täter geweckt hätten. Gleichwohl sei die AR-15 ein ganz besonderes Objekt der Begierde: für legale Waffennarren ebenso wie für Kriminelle. Unbekannte hatten den 50-Jährigen am Abend des 29. Augusts verschleppt. Das Opfer scheint bereits an seinem Wohnort schwer verwundet worden zu sein, wie die Blutspuren, die Ermittler in Gräfenhausen fanden, belegen. Nach dem Hinweis eines Waldarbeiters war der Leichnam des Vermissten schließlich in der Nähe des Pforzheimer Wildparks am 2. Oktober vergraben aufgefunden worden.

Aus dem Bekanntenkreis von Paulus wurde nun bekannt, dass die AR-15 wohl seit mindestens zwei Jahren in seinem Besitz gewesen sein muss und der versierte Waffentechniker dieses Schmuckstück seiner Sammlung Bekannten auf dem Schießstand gerne demonstrierte. Nach PZ-Informationen auch auf dem Gelände eines Schützenvereins in der Region. Im Umfeld des Opfers spekuliert man über Täter aus kriminellen Milieus, in denen auch sonst gerne Automatikwaffen, zumal umgebaute Exemplare, zum Einsatz kämen.

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Zwiespältige Persönlichkeit

Zwar wird Paulus immer wieder als Eigenbrötler charakterisiert, doch er hatte Freunde und Bekannte. Die sagen, er sei ein ruhiger Typ gewesen und habe ein eher friedfertiges Naturell gehabt, allerdings habe er in bestimmten Situationen durchaus auch aufbrausend und impulsiv reagiert. Das Problem von Paulus sei nicht erst jetzt gewesen, sich „mit falschen Freunden“ eingelassen zu haben. Ob er dieses Risiko bewusst eingegangen sei oder das Gefahrenpotenzial verdrängt habe, sei nicht klar. Dass er schon früher wegen Waffengeschäften mit dem Gesetz in Konflikt gewesen sei (PZ berichtete), schien vergleichsweise lange hinter ihm zu liegen. Aber auch sonst sei der Waffensammler in der Vergangenheit aufgefallen und habe seinen Führerschein abgeben müssen.

Mittlerweile ist klar, dass Paulus weit mehr Waffen besessen hat, als legal gemeldet waren. Da diese nicht in seiner Wohnung in Gräfenhausen gelagert waren, entgingen sie aber dem Zugriff der Täter, so zumindest die Einschätzung der Ermittler. Kurz nach der Tat war die 40-köpfige Sonderkommission Wagner gebildet worden, um die Hintergründe der Bluttat aufzudecken.

Zum Thema AR-15

„Bei sechs der zehn tödlichsten Massentötungen in den USA kam es zum Einsatz: das halbautomatische Sturmgewehr AR-15“, schreibt das Schweizer Onlineportal „Blick“. Für weniger als 1000 Dollar sei die bevorzugte Waffe der Massenmörder und Todesschützen bei Schulmassakern legal in Waffenshops zu kaufen – sogar von jungen Männern, die in strengen US-Bundesstaaten in dem Alter nicht einmal ein Bier legal erstehen und trinken dürften. In den waffennärrischen USA soll es nach „Blick“ mehr als fünf Millionen AR-15-Gewehre in Privathand geben.

„Das Magazin kann mit bis zu 100 Schuss beladen, das Gewehr mit einem Nachtsichtgerät erweitert werden. Die Halbautomatik lässt sich kinderleicht umgehen. Das Gewehr lässt sich mittels eines besonderen Griffstücks (Bumpstock) in eine vollautomatische Massenmord-Waffe umwandeln“, schreibt „Blick“. Damit wäre das Sturmgewehr AR-15 eine ideale Waffe für Attentäter und Terroristen.

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