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Die beiden Igelmütter: Conny Walz (rechts) und Conny Eckstein kümmern sich um die Igel, die nachts so richtig aufdrehen. Foto: Ketterl
Die beiden Igelmütter: Conny Walz (rechts) und Conny Eckstein kümmern sich um die Igel, die nachts so richtig aufdrehen. Foto: Ketterl
Täglich wird der Käfig mit der neuen PZ ausgelegt: Da Igel Einzelgänger sind, hat jedes Tier seinen eigenen Käfig – zusammen waren sie nur fürs Foto.  Foto: Ketterl
Täglich wird der Käfig mit der neuen PZ ausgelegt: Da Igel Einzelgänger sind, hat jedes Tier seinen eigenen Käfig – zusammen waren sie nur fürs Foto. Foto: Ketterl
Ooh, wie süß: Die Tiere haben sich gut entwickelt und bringen inzwischen rund 600 Gramm auf die Waage. Ab 800 Gramm sind sie bereit für den Winterschlaf.  Foto: Ketterl
Ooh, wie süß: Die Tiere haben sich gut entwickelt und bringen inzwischen rund 600 Gramm auf die Waage. Ab 800 Gramm sind sie bereit für den Winterschlaf. Foto: Ketterl
15.11.2015

Fünf stachelige Findelkinder werden winterfit gemacht

Würden sie ihre mehrere Tausend Stacheln aufrichten, könnte es unangenehm werden. Aber die fünf kleinen Igelkinder denken gar nicht daran: Wenn Conny Walz und Conny Eckstein sie auf die Hand nehmen, bleiben sie friedlich – und das Stachelkleid hübsch angelegt. Sie lassen sich sogar am Bauch und über dem Näschen kraulen. Kein Wunder: Die beiden Frauen päppeln die Igelkinder liebevoll auf. Und die Hand, die einen füttert, piekst man als anständiger Igel natürlich nicht.

Conny Walz erinnert sich noch gut, wie sie die Igel entdeckt hat. An einem sonnigen Tag Ende September liefen sie über den Rasen bei ihrer Firma neben der Unterreichenbacher Ortsdurchfahrt. Die Igelkinder suchten nach Essen, eine Mutter war weit und breit nicht in Sicht. „Morgens sah ich den ersten, bis zum Abend waren es dann fünf“, erzählt die 50-Jährige. Gemeinsam mit Conny Eckstein, die in der Sanitär-Firma nebenan arbeitet, kümmerte sie sich um die verwaisten Tiere, die etwa sechs Wochen alt waren. Die beiden Frauen nahmen Kontakt zur Igel-Station in Bad-Teinach auf, wo die Findeltiere zunächst versorgt wurden. Aber die Igelstation war sehr voll – und so sagten die Frauen zu, die Tiere zu übernehmen, sobald sie kräftig genug waren.

Ende Oktober war es dann so weit: Die fünf Igel kamen zurück zu Conny Walz. In der Firma stehen jetzt vier große Käfige mit Häuschen, die sie von Bekannten geliehen hat. Denn Igel sind Einzelgänger und brauchen viel Platz für sich. Nur die beiden kleinsten teilen sich einen Käfig. „Wir nennen sie Hanni und Nanni“, lachen die beiden Frauen. Die Versorgung der neugierigen Fünflinge ist für sie längst zur Routine geworden. Morgens um sieben Uhr werden zuerst einmal die Käfige sauber gemacht, denn man merkt, dass die Tiere nachts aktiv waren: Die Zeitungen sind in Fetzen gerissen und die Hinterlassenschaften der Tiere finden sich auch überall. „Das ist eine Mega-Sauerei“, meint die 46-jährige Conny Eckstein schmunzelnd.

Die Frauen desinfizieren alles und legen die Käfige mit neuen Zeitungen aus. Für den Tag gibt es etwas Trockenfutter und Wasser – dann werden die Käfige mit Tüchern abgedeckt, damit die Tiere beim Schlafen nicht gestört werden. Tagsüber hört man nicht viel von den stacheligen Zeitgenossen – erst am Abend werden sie wieder fit. Da bekommen sie ihr Nassfutter und als Leckerli auch einmal Rührei – nachts können sie sich dann wieder austoben. In den vergangenen zwei Wochen haben sich die Igel gut entwickelt. Die beiden Frauen kontrollieren mit einer Küchenwaage regelmäßig ihr Gewicht und halten es in einem Protokoll fest. „Die meisten haben jetzt über 600 Gramm“, erzählt Conny Walz. Als sie gefunden wurden, brachten die Igelkinder gerade mal um die 100 Gramm auf die Waage. Bis die Igel nach draußen dürfen, müssen sie aber noch etwas zulegen. 800 Gramm brauchen sie mindestens, um den Winterschlaf zu überstehen.

Sobald sie dieses Gewicht haben und die Temperaturen sinken, werden ihnen ihre beiden Igelmütter draußen ein Gehege bauen, in dem sie den Winter geschützt überstehen können. Erst im nächsten Frühjahr sind die Igel dann bereit für den Weg in die große, weite Welt: Dann werden sie in die Freiheit entlassen. Über den geeigneten Ort haben sich Conny Walz und Conny Eckstein schon ihre Gedanken gemacht. Der Fundort in Unterreichenbach sei wegen der nahen Hauptstraße zu gefährlich. Deshalb haben sie sich für Schömberg entschieden, wo Conny Eckstein wohnt. Dort gebe es ein Fleckchen, umgeben von Wiesen, Feldern und Wäldern, wo sie ihre Findelkinder hinbringen werden. „Wir hoffen, dass sie den Winter gut überstehen“, meinen die beiden etwas besorgt – wie es sich für echte Igelmütter gehört.