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TV-Kolumne PZ-zapp

So schön liegen Leichen im Fürstenbad. Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Facebookseite „Schwarzwald-TATORT“, auf der Bürgermeister Klaus Mack für Bad Wildbad als zukünftige „Tatort“-Stadt wirbt. Foto: Screenshot Facebookseite Schwarzwald-TATORT
So schön liegen Leichen im Fürstenbad. Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Facebookseite „Schwarzwald-TATORT“, auf der Bürgermeister Klaus Mack für Bad Wildbad als zukünftige „Tatort“-Stadt wirbt. Foto: Screenshot Facebookseite Schwarzwald-TATORT © Screenshot Facebookseite Schwarzwald-TATORT
13.02.2015

Für schaurig-schöne Morde: Der Nordschwarzwald sucht „Tatorte“

Pforzheim im Fadenkreuz? Bislang sind es nur die blauen Augen von Ex-Schauspieler Horst Lettenmeyer, die Sonntagabends in der ARD im Fadenkreuz des legendären „Tatort“-Vorspanns zu sehen sind. Danach wird man zu schaurigen Plätzen in München (92- mal), Hamburg (81-mal) oder Berlin (74-mal) geführt, zu Leichenfundorten in Villen oder Blutlachen in Abbruchhäusern. Pforzheim scheint das nicht zu bieten, denn hier mussten noch keine „Tatort“-Kommissare ermitteln.

Umfrage

Sollte der "Tatort" künftig auch in Pforzheim gedreht werden?

Ja 66%
Nein 31%
Weiß nicht 3%
Stimmen gesamt 911
Einige Fans des ARD-Sonntagabendkrimis aber haben beim TV-Kolumnisten von PZ-news nachgefragt, warum Freiburg seit über einem Jahrzehnt die Werbetrommel rührt, um „Tatort“-Stadt zu werden, und warum sich Klaus Mack, Bürgermeister von Bad Wildbad, dafür engagiert, die Kurstadt zur telegenen Mordmetropole zu machen, während sich die Goldstadt so gar nicht vor die Kamera drängen möchte.

Und das alles nur, weil 2016 der Bodensee-„Tatort“ mit Eva Mattes beendet wird. Da stellt sich die Frage nach einem Ersatz-Schauplatz. Die Schwaben durften schon 57-mal in Stuttgart ermitteln, die Badener haben es zwischen 1972 und 1988 auf 14 „Tatorte“ aus Baden-Baden gebracht. Der badische Raum ist also krimitechnisch unterversorgt.

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Sie wollen regelmäßig einen „Tatort“ aus unserer Region im Fernsehen sehen? Dann schreiben Sie uns einen Satz, der Ihren Wunsch oder Ihre Unterstütztung ausdrückt. Einsendeschluss ist am Mittwoch, 25. Februar. Unter allen Einsendern verlosen wir zehn Taschenbücher „Tatort - Das Buch: 999 x Krimi, Kult & Kurioses“.

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Gesprächsstoff ohne Ende

Mack setzt auf die Schwaben-Connection. Mit einer Facebook-Kampagne erreicht er über 2300 Fans der Facebookseite „Schwarzwald-TATORT“. Die scheinen es zu genießen, über rätselhafte, unheimliche Plätze zwischen Badetempel und Hochmoor zu spekulieren. So viel kriminelle Energie im schwäbischen Städtchen? Muss man beim Spaziergang im Kurpark laufend über die Schulter schauen?

Es liegt wohl einfach nur an der ungebrochen großen Strahlkraft der Krimireihe, die regelmäßig zwischen acht und zwölf Millionen vor die Fernseher lockt. Krimis flimmern pausenlos auf allen Kanälen. Doch kein Hollywood-Blockbuster sorgt für so viel Gesprächsstoff wie ein „Tatort“ – inklusive böser Blicke, wenn der Bürokollege den Lieblingsermittler schlecht redet und einfach nicht verstehen will, wie der Mörder überführt wurde.

Weil so viele über den „Tatort“ reden, sehen Tourismusmanager in diesem Markenprodukt eine Chance, ihre Stadt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Initiative von Mack hat schnell breiten Zuspruch im Nordschwarzwald gefunden. Kein Wunder: Der aus Königsbach-Stein stammende „Tatort“-Regisseur Sebastian Marka („Das Haus am Ende der Straße“, 22. Februar) sieht im „Black Forest“ eine ideale Kulisse für das fernsehgerechte Morden. Das Düstere des Schwarzwalds böte reichlich Spannungsatmosphäre. Es müsste aber in einem größeren Raum gedacht werden.

Dann wäre das kleine Bad Wildbad aus dem Rennen und Freiburg wieder vorne. Wo aber liegen die Chancen für Pforzheim, sich noch ins Spiel zu bringen? Hier verschwanden aus dem Rathaus schon mal Dutzende Millionen Euro in Spekulationen. Und wo soll man den großen Goldraub drehen, wenn nicht in der Goldstadt? Pforzheim hat dunkle Bahnhofsunterführungen, einen mysteriösen Kohlebunker am Enzauenpark und das verlassene Industrieareal der Papierfabrik in Dillweißenstein. Da ließe sich trefflich morden.

Oder ein paar Kilometer weiter in der weitgehend verlassenen Schömberger Siedlung Charlottenhöhe, in der ein irrer Serienmörder den Sensenmann spielt. Oder im edel aufgemotzten Bad Wildbader Palais Thermal, das sich für ein Oberklasse-Verbrechen in der Welt der kaum bekleideten Reichen und Schönen eignet.

SWR hält sich bedeckt

Wo ist das Bewerbungsschreiben von Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager? Wann steht das Thema auf der Tagesordnung des Regionalverbands Nordschwarzwald?

Auf der Webseite des Südwestrundfunks wird Intendant Peter Boudgoust zitiert: „Es gibt noch keine Präferenz.“ Aber das Messer in den Rücken aller Werber für eine „Tatort“-Stadt sticht SWR-Kulturchefin Martina Zöllner: „Grundsätzlich kommen alle Städte unseres Sendegebiets infrage, in denen es Polizeipräsidien und Landeskriminalämter gibt.“ Der Stich ist tödlich. Denn Pforzheim und Calw haben keine Polizeidirektionen mehr.

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