760_0900_101926_15330816.jpg
Kein Tierfreund: das Jakobskreuzkraut.  Foto: www.ak-kreuzkraut.de, dpa-Archiv 
760_0900_101927_60306423.jpg
Übermannshoch: Der Riesen-Bärenklau nimmt gewaltige Ausmaße an.  Foto: www.ak-kreuzkraut.de, dpa-Archiv 

Ganz schön giftig: Jakobskreuzkraut, Riesenbärenklau & Co. breiten sich aus

Die Natur macht es möglich: Giftige Pflanzen kommen auch in der Region vor. Panikmache ist zwar nicht angezeigt, aber Hobbygärtner, Wanderer und Radler sollten die Gefahren kennen und sich richtig verhalten.

jakobskreuzkraut
Bildergalerie

Giftpflanzen breiten sich in Deutschland aus

Herkulesstaude: Praktisch alle Teile sind giftig

Im Juli fühlen sich Jakobskreuzkraut und Riesenbärenklau so richtig wohl: Ersteres ist auch als Jakobsgreiskraut bekannt, Letzteres als Herkulesstaude. Kein Wunder, die kräftige Pflanze kann am Fuß stabil verholzen und locker eine Höhe von vier Metern erreichen. Der weißblühende Gigant kann dem Menschen leicht gefährlich werden und erhielt 2008 die zweifelhafte Auszeichnung „Giftpflanze des Jahres“.

Praktisch alle Teile sind giftig. Ganz besonders gilt das für den Pflanzensaft. Die Flüssigkeit enthält fototoxische Substanzen, die auf der Haut in Verbindung mit Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen führen. Diese Ausprägung wird als Wiesengräserdermatitis bezeichnet: Diese ist schmerzhaft und hinterlässt auch nach dem Abheilen häufig Pigmentveränderungen. Grundsätzlich sollte man einen Haus- oder sogar einen Hautarzt aufsuchen, wenn man Opfer der Pflanze geworden ist.

Der Riesenbärenklau ist ein sogenannter Neophyt, ist hier ursprünglich also gar nicht heimisch. Das hilft aber auch nicht weiter, denn er fühlt sich hierzulande wohl und verdrängt durch seine schiere Mächtigkeit andere Pflanzen. Hinzu kommt eine enorm hohe Samenproduktion, die das Überleben sichert. Sollte die Pflanze im heimischen Garten auftauchen, sollte man sie mit Schutzkleidung und Handschuhen konsequent ausgraben – und zwar unbedingt vor dem Aussamen. Aber nicht nur im Garten, auch in der Nähe von Kindergärten, Schulen oder Sportstätten hat die Pflanze nichts verloren.

Gefahr für Weidetiere

Ebenfalls unerfreulich ist das Jakobskreuzkraut, das man ebenfalls so früh als möglich beseitigen sollte. Dr. Wolfgang Ballarin, Allgemeinmediziner aus Ispringen, gehört seit Jahren zu den kritischen Beobachtern der Pflanze und warnt: „Überall an Straßenrändern und Feldwegen, auf ungepflegten Wiesen und sogar auf Waldwegen steht es: kniehoch und höher, strahlend gelb blühend und heimtückisch giftig.“ Die Pflanze sei überaus bitter und werde von Weidetieren gemieden, gleichwohl seien die Giftstoffe sehr resistent. Im Heu verliere sich die Bitterkeit, und es könne zu einer Gefährdung beispielsweise für Pferde kommen. Der Mediziner unterstreicht, dass das kontaminierte Heu „nicht sofort tödlich sein muss“. Auch kleinere Dosen schädigten die Leber dauerhaft, sodass eine schleichende Vergiftung möglich sei, die „zu Leberversagen führen kann“.

Gefährlicher Riesenbärenklau

Giftspuren im Honig?

Ballarin weist auch darauf hin, dass über den Honig, insbesondere bei ausländischen Produkten, das Gift vom Menschen aufgenommen werden könne. Entsprechende Untersuchungen seien aber „wegen der langen Latenzzeit der toxischen Wirkung schwer durchzuführen“. Ballarin hofft darauf, dass sich ein Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung entwickelt, zudem seien die Gemeindeverwaltungen aufgerufen, tätig zu werden. Ballarins Forderung: „Die Bauhöfe sind hierbei in die Pflicht zu nehmen.“ Er persönlich verbrenne gefundene Pflanzen nach dem Ausreißen. Für größere Flächen sei eine zeitige Mahd sinnvoll.

Beim Naturschutzbund (Nabu) warnt man dagegen vor einer „irrationalen Debatte um das Jakobskreuzkraut“. Nachgewiesene Vergiftungen seien verschwindend gering. Das Gleiche gelte für Menschen, die angeblich durch verseuchten Honig zu Schaden gekommen seien. Mittlerweile ist es deutschlandweit zu einer Kontroverse um die Pflanze gekommen. Dabei wird deutlich, dass die Diskussion ähnlich giftig ist wie die Pflanze selbst.

Giftige Pflanzen weit verbreitet

Ganz weit oben auf der Liste der giftigsten Pflanzen in Deutschland steht die Herbstzeitlose. Laut Gartenexperten kommt die kleine Zwiebelblume hauptsächlich auf feuchten Wiesen vor. Ihre von Rosa bis ins Lila gehenden Blüten kommen von August bis Oktober zum Vorschein und ähneln dem dann ebenfalls blühenden Safran-Krokus. Die Blätter erscheinen erst im Frühling und werden leicht mit dem ansonsten in der Region gerne in der Küche verwendeten Bärlauch verwechselt.

Das Gift der Herbstzeitlosen, das Colchicin, ähnelt dem Arsen und wirkt bereits in kleinen Mengen tödlich. Werden die Samen der Pflanze konsumiert (zwei bis fünf Gramm sind bereits tödlich), treten nach etwa sechs Stunden die ersten Vergiftungserscheinungen in Form von Schluckbeschwerden und einem brennenden Gefühl im Hals- und Mundbereich auf. Es folgen Erbrechen, Magenkrämpfe, starke Durchfälle, ein Abfallen des Blutdrucks und damit einhergehend sinkt die Körpertemperatur. Nach etwa ein bis zwei Tagen kann der Tod durch Atemlähmung eintreten, sagen Experten. Große Herausforderungen bereiten können auch Seidelbast, Goldregen, Tollkirsche, Pfaffenhütchen, Eibe, Rizinus, Maiglöckchen, Eisenhut, gefleckter Schierling und Taumel-Kälberkropf . Probleme in den Gärten können leicht durch Blühmischungen ausgelöst werden. Einerseits sind diese Mischungen zur Unterstützung der Biene gut. Andererseits ist manches Samentütchen aber auch verunreinigt.