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Die Verhandlung über die Geiselnahme mit Morddrohung wird am Mittwoch, 21. Oktober, am Amtsgericht Pforzheim fortgesetzt. Symbolbild: picture alliance/Friso Gentsch/dpa 

Geiselnahme im westlichen Enzkreis: War Geld das Motiv?

Enzkreis. Drei Männer entführen einen Bekannten auf einen Feldweg, ohrfeigen ihn und drohen ihm mit dem Tod. Den Hauptangeklagten erwarten drei Jahre Gefängnis – jetzt packt er vor Gericht eine Geschichte aus, die nicht nur dem Opfer, sondern auch seinen Mittätern widerspricht.

Will er nur seine Haut retten oder ist die Geiselnahme im westlichen Enzkreis doch ganz anders abgelaufen? Beim Prozess gegen drei Deutsche vor der auswärtigen Großen Kammer des Landgerichts in Pforzheim erzählte der als Drahtzieher geltende 34-Jährige jetzt eine ganz andere Geschichte als das Opfer und sein Mittäter. Die Männer werden beschuldigt, im September 2019 einen Bekannten wegen Streitigkeiten vor seinem Haus im westlichen Enzkreis in ein Auto gezerrt und dann auf einem Feldweg geohrfeigt und mit dem Tod bedroht zu haben.

Gespräch für „Deal“ gescheitert

Schon zum Ende des vergangenen Verhandlungstags vor zwei Wochen gab es ein Rechtsgespräch zwischen Richter Andreas Heidrich, Staatsanwalt Sven Müller und den Anwälten der drei Angeklagten. Das Angebot von Heidrich: Die beiden 37 und 40 Jahre alten Mittäter kommen mit einem Jahr und sechs Monaten und zwei Jahren Haft auf Bewährung davon, wenn sie ein Geständnis ablegen. Den Drahtzieher, der an diesem Tag wegen eines ausstehenden Corona-Tests nicht im Gericht anwesend sein konnte, hätten drei Jahre Gefängnis erwartet. Darauf wollten sich die Verteidiger nicht einlassen: „Der Versuch einer Verständigung ist gescheitert“, sagte Heidrich beim gestrigen zweiten Verhandlungstag.

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Entführt und geschlagen wie in einem Mafia-Film: Geiselnahme im Enzkreis vor Gericht

Während der 40-jährige Mittäter die Chance jedoch nutzte und alle ihm vorgeworfenen Anklagepunkte restlos einräumte, unter anderem, dass er das Opfer am Tatort mehrfach geohrfeigt habe, schwieg der zweite Mittäter weiterhin. Und dann die Überraschung: Der Hauptangeklagte erzählte seine eigene Geschichte der Tat. Seiner Aussage zufolge sei der eigentliche Haupttäter ein vierter Mann, der bei der Tat dabeigewesen sein soll.

Wen hatte das Opfer verpfiffen?

Diesen hätte das Opfer wegen eines vermeintlichen Diebstahls bei dessen Arbeitgeber verpfiffen, woraufhin er seinen Job verloren habe.

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Constantin Hegel

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