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Das Kieselbronner Rathaus: Auch hier könnte sich die Verwaltung eine Photovoltaikanlage grundsätzlich vorstellen. 

Gemeinde Kieselbronn reduziert ihren Energieverbrauch

Kieselbronn. Es war als Scherz gemeint und wurde von den Anwesenden auch so verstanden, als Bürgermeister Heiko Faber zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung auf das Thermometer blickte, um anschließend bekanntzugeben: „Wir haben aktuell 19,9 Grad.“

Sofort und pflichtbewusst fügte er an, gestartet sei man mit den vorgeschriebenen 19 Grad, die sich dann ausschließlich durch die Körperwärme der Anwesenden auf den Wert von 19,9 erhöht hätte. Die Anwesenden lachten, doch allen war bewusst: Das Ganze hat einen ernsten Hintergrund.

Kaltes Wasser im Waschbecken

Denn die Kosten für Strom und Heizung klettern rasend schnell und in ungeahnte Höhen. Nicht nur viele Bürger stellt das vor größte Herausforderungen, sondern auch die Kommunen. Deswegen hat die Kieselbronner Verwaltung nun den Gemeinderat über vorgesehene Maßnahmen zu Energie-Einsparungen in gemeindeeigenen Liegenschaften informiert. Dazu gehört unter anderem, dass grundsätzlich nur noch kaltes Wasser in die Handwaschbecken fließen soll. Im Rathaus wird die Temperatur auf die von Faber erwähnten 19 Grad begrenzt, in den Fluren gar nicht mehr geheizt. In Grundschule und Kindergärten soll die Temperatur in Klassenzimmern, Gruppenräumen und Spielbereichen bei 20, in den sonstigen Räumen bei 19 Grad liegen. Auch in der Gemeindebücherei, im Bauhof, in der Festhalle und bei der Feuerwehr wird es künftig nur noch 19 Grad geben.

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Faber sagte, die Erhöhung der Energiekosten werde sich auf alle Bereiche erstrecken – „auch da, wo wir es noch nicht sehen“. Er denkt etwa an die Wasser- und Abwassergebühren, denn die Förderung und der Transport von Trinkwasser als auch die Abwasserbeseitigung in Kläranlagen sind energieträchtig. Auch das Brennholz wird laut Faber teurer werden. Eisingen hat es vorgemacht. Als „logische Konsequenz“ aus der Energiekrise will die Verwaltung prüfen, ob und inwieweit auf den Liegenschaften der Gemeinde Photovoltaikanlagen installiert werden können. In Frage kommen dabei das Rathaus, die Grundschule, die Turn- und Festhalle sowie der Kindergarten Sonnenschein. Gebäude, in denen Erzeugung und Verbrauch des Stroms zeitlich zusammenfallen würden, weil der Strom tagsüber benötigt wird. Auch für das Feuerwehrgerätehaus hält die Verwaltung laut Sitzungsvorlage eine bedarfsorientierte Anlage für sinnvoll.

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Der Kindergarten Regenbogen und das gemeindeeigene Multifunktionsgebäude im Reible mit Bauhof, Jugendraum und Fahrzeughalle des Roten Kreuzes haben bereits Photovoltaik-Anlagen. Für die anderen Liegenschaften soll nach einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats ein Fachbüro die Anlagengrößen ermitteln – und zwar unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Grundsätze und des Verbrauchs der vergangenen Jahre. Für das Rathaus bräuchte die Gemeinde eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung, um eine Photovoltaik-Anlage installieren zu dürfen. Faber stellte klar: Eine kurzfristige Umsetzung könne man vergessen.