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06.03.2017

„Genügend Zeit“ für Schulthematik in Keltern

Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft des Schulstandorts Ellmendingen am Dienstag (19 Uhr in der Mehrzweckhalle Ellmendingen) hat sich nun auch Altgemeinderat Herbert Bischoff in die Diskussion eingeschaltet.

Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft des Schulstandorts Ellmendingen am heutigen Dienstag (19 Uhr in der Mehrzweckhalle Ellmendingen) hat sich nun Er kritisiert die Aussagen von Elternvertreterin Heike Schweitzer. Es sei nicht richtig, dass das Thema nun allzu rasch wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden sei: „Seit Sommer zurückliegenden Jahres waren Eltern und Schulvertreter zur Abgabe ihrer Meinung gebeten worden.“ Diese Meinungen lägen längst vor – und zwar auch von den Gremien der Schule und des Elternbeirats. Dass diese nun mit einem Mal fehlen sollten, wie Heike Schweitzer ausführe, sei „deshalb schlicht falsch“.

Bischoff analysiert in seiner mehrseitigen Stellungnahme vielerlei Aspekte zur Schulstruktur in Keltern. Die „Pforzheimer Zeitung“ veröffentlicht deshalb auch seinen Beitrag im vollen Wortlaut im Internet unter www.pz-news.de. Dort finden sich bereits die Äußerungen von Heike Schweitzer, von Bürgermeister Steffen Bochinger und vom Verein „Eltern für Keltern“. Da die Entscheidung am Dienstagabend vom Gemeinderat getroffen werden wird, beendet die „Pforzheimer Zeitung“ mit der Stellungnahme von Herbert Bischoff nun dieses spezielle Leserinformationsforum zur Grundschule Ellmendingen. Alle dort veröffentlichten Beiträge können natürlich auch weiterhin eingesehen werden.

Blockierte Entscheidungsfindung in Sachen gemeinsamer Schulstandort der JKS

-Ein Beitrag von Heike Schweitzer-

Durch die Arbeit meines Vaters im Gemeinderat und die Veröffentlichung in der PZ und den Gemeindenachrichten dieser Woche habe ich Kenntnis von der wiederholten Einflussnahme des Vereins „Eltern für Keltern“ auf die Entscheidung zur Zusammenlegung der beiden Grundschulstandorte erhalten.

Ich möchte Sie alle ermutigen, sich in Ihren Entscheidungen nicht einseitig von einer kleinen, aber sehr lauten Gruppe beeinflussen zu lassen. Der Verein hat zwischen 50 und 60 Mitglieder, davon etliche sogenannte Familienmitgliedschaften, d.h. es wird hier die Meinung von vermutlich weniger als 40 Familien lanciert. Auf ganz Keltern gesehen eine sehr kleine Gruppierung. Leider habe ich das Gefühl, dass es bisher nur diesen Gegnern der Zusammenlegung gelungen ist, sich und ihrer Position ausreichend Gehör zu verschaffen.

Das ist vor allem deswegen bedauerlich, weil dieser Verein ausgesprochen unlautere Mittel anwendet, um die eigene Position zu stärken. Es werden falsche Behauptungen aufgestellt und völlig ungerechtfertigte Ängste geschürt – ein eigentlich ungeheuerliches Vorgehen, wenn man bedenkt, dass dieser Verein sich auf die Fahnen schreibt einen besonderen Beitrag zu Demokratie und bürgerlichem Engagement zu leisten.

 

Die Veröffentlichungen im Internetauftritt des Vereins geben beispielsweise einen ganz einseitigen Eindruck vom Verlauf der öffentlichen Gemeinderatssitzung im November wieder. Zitat EfK: Der Verwaltungsvorschlag beinhaltet die Zusammenlegung der Schule in Dietlingen und Zusammenlegung der Ellmendingen Kindergärten im Schulgebäude. Die versammelte Bürgerschaft hat auf der Versammlung Ihre Meinung geäußert, die sich nicht mit dem Verwaltungsvorschlag deckt. Ich war selbst anwesend – zähle mich also auch zur versammelten Bürgerschaft - aber im Gegensatz zu den Vereinsmitgliedern wäre es mir und vielen anderen nie in den Sinn gekommen den Tagesordnungspunkt „Fragen der Bevölkerung“ zu missbrauchen, um meine Meinung zum Thema kundzutun. Denn es gab ausreichend Gelegenheit dies vor der Sitzung in schriftlicher Form zu machen. Die Verwaltung hat sich ja wirklich sehr viel Mühe gegeben möglichst vielfältige Argumente zu sammeln und Ihnen zur Verfügung zu stellen. Schade, dass diese unerlaubten Statements nicht sofort unterbunden wurden. Welcher Eindruck dadurch entstehen konnte, ist ja inzwischen offensichtlich.

Als Mitglied im Elternbeirat der JKS Keltern, ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde Tätige und dreifache Mutter von Kindern im Grundschul- und Kindergartenalter habe ich viele Kontakte zu Eltern in Keltern und bei weitem nicht alle teilen die Position des o.g. Vereins.

Zu Beginn des Schuljahres 16/17 hat sich der Elternbeirat große Mühe gegeben, zu einem Stimmungsbild der Elternschaft an beiden Schulstandorten zu kommen. Unser Vorsitzender Herr Dürr hat die Ergebnisse sehr ausgewogen und mit zahlreichen Sachargumenten unterfüttert für Sie zusammengestellt, damit Sie in der Novembersitzung zu einer guten Entscheidung kommen sollten. Wir alle wissen, dass das nicht geklappt hat.

Seiner Darstellung können Sie entnehmen, dass beide Positionen (Pro und Contra Zusammenlegung der Schulstandorte) in etwa gleich stark vertreten waren. Es ist also mitnichten so, dass irgendjemand für sich beanspruchen könnte, die Mehrheit der Eltern auf sich zu vereinen, auch wenn der Name des o.g. Vereins dies leider suggeriert.

Die aufgelisteten Sachargumente in der Darstellung des Elternbeirats aber sprechen eine andere, ganz eindeutige Sprache – es gibt einfach viel mehr und qualitativ überzeugendere Vorteile als Nachteile bei einer Zusammenlegung der Standorte.

Die Gegner aber lassen jedes noch so fadenscheinige Argument bestehen, um diesen eklatanten Unterschied in der schieren Menge sowie der Qualität der Vor- und Nachteile zu marginalisieren. In den Veröffentlichungen des Vereins werden immer wieder unbegründete Ängste geschürt und Ihre bisherige Arbeit im Bereich Schulentwicklung diskreditiert.

Auch hier möchte ich Sie ermutigen. Es gibt in Keltern viele Eltern, die sehr gut verstanden haben, dass man den Verlust der Werkrealschule nicht Ihnen und Ihrer Arbeit anlasten kann. Wenn man dafür unbedingt einen Verantwortlichen benennen möchte, dann waren es letztendlich wir Eltern selbst, die mit den Füßen abgestimmt haben und ihren Kindern höherwertige Bildungsabschlüsse ermöglichen wollten. Dieser landesweite Trend hat gar nichts mit Ihrer Arbeit und auch nicht mit der Arbeit der Schulleitung oder des Kollegiums der JKS zu tun. Vielen von uns ist im Gegenteil durchaus bewusst, welch große Anstrengungen unternommen wurden, um eine weiterführende Schule in Keltern zu halten. Auch hier hatten Sie - hatten wir alle - einfach großes Pech, dass die Gemeinschaftsschule nicht bewilligt wurde. Das ernüchternde Ergebnis dieser Entscheidung des RPs/Schulamtes ist, dass es tatsächlich ungerechtfertigt sein dürfte, zu hoffen, dass wir in Keltern in absehbarer Zukunft wieder eine weiterführende Schule haben werden. Zitat EfK: Es ist davon auszugehen, dass durch den veränderten Schulbetrieb eines der Gebäude stillgelegt bzw. umgenutzt wird. Eine solche Umnutzung hätte auch zur Folge, dass auf sehr lange Sicht keine weiterführende Schule mehr in Keltern eingerichtet werden kann, da die notwendige Infrastruktur nicht mehr zur Verfügung steht. Mag sein, aber wenn es doch ohnehin keinen Anlass zu dieser Hoffnung gibt, warum sollte man dann eine vorhandene Infrastruktur nicht anderweitig sinnvoll nutzen? Wie lange sollte man ungenutzte Infrastruktur für nicht vorhersehbare zukünftige Entwicklungen vorhalten? Wie soll man Ausgaben für Erhalt und Instandsetzung eines größtenteils lehrstehenden Schulgebäudes dauerhaft rechtfertigen? Warum sollte man auf die Vorteile die eine Zusammenlegung bringen würde verzichten, und für welchen Zeitraum?

Zitat EfK: In Kindergarten und Schule werden Beziehungen und Freundschaften geknüpft, die ein ganzes Leben definieren. Hier entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl, hier entsteht Identität, hier entsteht Gemeinschaft und in letzter Konsequenz Gemeinde. Hier wird entschieden, ob sich Menschen wirklich in unserer Gemeinde wohlfühlen, sie als Heimat empfinden und nicht nur als Wohnort, ob sich unsere Kinder mit unserer Gemeinde identifizieren und eines Tages bereit sind für sie einzustehen.

Ganz genau, und es gibt in Keltern glücklicherweise auch auf lange Sicht genügend Grundschüler, für die wir alle Verantwortung tragen. Eine Zusammenlegung der Standorte im Dietlinger Schulgebäude würde deren Bildung in Keltern in Zukunft sicherstellen und dem Kollegium dank freiwerdender Ressourcen eine Schärfung des Schulprofils als nunmehr reine Grundschule ermöglichen. Viele von uns würden eine gut ausgestattete Grundschule für alle Kinder Kelterns sogar als eine Steigerung der Attraktivität Kelterns empfinden. Nicht zuletzt könnten so auch Dietlinger Kinder Freunde aus anderen Ortsteilen finden und diese Beziehungen pflegen. Der Schulstandort in Ellmendingen vernetzt ja schon heute die 4 anderen Ortsteile intensiv. Keltern würde unserer Meinung nach durch eine gemeinsame Grundschule besser und stärker als bisher zusammenwachsen.

Auch die immer wieder geäußerte Angst, dass eine Zusammenlegung dazu führen wird, dass junge Familien in Zukunft einen Bogen um Keltern machen, halten die meisten, die ich kenne, für bloße Propaganda. Denn: Keltern ist familienfreundlich.

Viele Eltern sehen, dass Sie unter Aufwendung erheblicher Mittel eine ungeheure Vielfalt an Kindergärten erhalten, dass Gebäude sehr gut ausgestattet und gepflegt werden, dass bei uns Grundschulkinder kostenlos am Nachmittag und in den Ferien betreut werden können, dass das Mittagessen großzügig bezuschusst wird und Schulbusse kostenlos in Anspruch genommen werden können. All dies sind keine Selbstverständlichkeiten und nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Sie es bisher verstanden haben, die Belange der Familien wahrzunehmen, aber auch mit dem zur Verfügung stehenden Geld so gut gewirtschaftet haben, dass diesen Belangen Rechnung getragen werden konnte.

Dem Blog des Vereins Eltern für Keltern ist zu entnehmen, dass man sich sogar wünscht, dass Kelterns Kinder ihre gesamte Schulzeit in Keltern verbringen. Zitat EfK: Wir finden, dass eine Gemeinde wie Keltern ein Schulangebot haben sollte, dass es Kindern erlaubt die komplette Schulzeit hier zu verbringen. Es fühlt sich nicht richtig an, dass hier nur eine halbe Schule angeboten wird. Wir sollten nicht gezwungen sein, unsere Kinder aus der Gemeinde hinaus zu schicken, damit diese Schulbindung erhalten. (Ich gehe davon aus, dass mit Schulbindung hier Schulbildung gemeint ist.) Ein Standpunkt der mir erstens völlig utopisch und zweitens nicht zeitgemäß erscheint. Wer fordert, zum Zwecke der Bildung die eigene – in unserem Fall eher kleine - Heimatgemeinde niemals verlassen zu müssen, muss wohl in einer ganz andern Welt als die meisten von uns leben.

Außerdem wird bei „Eltern für Keltern“ häufig von Schulschließung gesprochen, ein Terminus der den Sachverhalt verfälscht, denn es geht ja im Gegenteil darum, beide Grundschulen zu erhalten, sie aber an einem Ort zusammenzuführen. Zitat: Eine Schulschliessung ist ein Leistungsabbau mit Zukunftsfolgen. Das würde ich im Falle einer Schließung schon unterschreiben, nicht aber bei einer Zusammenlegung.

Warum eine nach Zusammenlegung dauerhaft mindestens 3-zügige Grundschule davon bedroht sein sollte, an umliegende Gemeinden „outgesourced“ zu werden, bleibt völlig unbegründet. Zitat EfK: Es ist eher davon auszugehen, dass künftig auch die Grundschule an die umliegenden Gemeinden outgesourced wird.

Immer wieder wird auch der Klassenteiler als gewichtiges Argument gegen die Zusammenlegung ins Feld geführt. Zitat EfK: Damit wären die Kinder die direkten Leidtragenden dieser Entwicklung. Ich bin selbst Lehrerin und interessiere mich daher sehr für Kriterien guten Unterrichts. Es gibt weltweit keine einzige Meta-Studie die einen Zusammenhang zwischen Klassengröße und Lernfortschritt nahelegt. Dafür sind ganz andere Kriterien wichtig. Unter anderem der gute Austausch und die Zusammenarbeit im Kollegium, was durch eine Zusammenlegung zu einer mehrzügigen Schule überhaupt erst sinnvoll gestaltet werden könnte. Ganz abgesehen davon gab und gibt es auch aktuell an beiden Standorten immer wieder sehr große Klassen und die Zahlen für die nahe Zukunft zeigen, dass ein gemeinsamer Standort in den kommenden Jahren gar keine Veränderung der Klassenzahl und damit der Klassengröße bedeuten würde.

Ich möchte mit einer dringenden Bitte an Sie alle schließen:

Schauen Sie genau hin, wenn jemand versucht sich durch wuchtige und medial gut inszenierte Auftritte Einfluss zu verschaffen. Möglicherweise leben wir auch in Keltern gerade in „postfaktischen“ Zeiten - dass dies nicht so bleibt liegt auch in Ihren Händen.

 

Bisher hat „Eltern für Keltern“s offensives Vorgehen vor allem dafür gesorgt, den Gemeinderat und die Verwaltung wie eine Gruppe von visionsfreien, leicht manipulierbaren Zauderern und Blockierern wirken zu lassen. Sorgen Sie schnell dafür, dass dieses Bild sich nicht zu sehr verfestigt und schieben Sie eine Entscheidung in der Sache nicht unnötig auf die lange Bank. Reden Sie wieder miteinander. Werden Sie selbst noch einmal aktiv, befragen Sie den Elternbeirat oder die Schulleitung der JKS zu ihrer Meinung – Sie werden überrascht sein, wie viel Potenzial auch eine Zusammenlegung für eine gedeihliche Zukunft der Kelterner Grundschullandschaft haben könnte. Und wie wenig „Kostengründe“, wohl aber pädagogische Überlegungen hierfür ausschlaggebend sind.

Für Ihre Arbeit als Vertreterinnen und Vertreter von Kelterns Bürgern möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. Es ist gewiss keine einfache Aufgabe – Ihr Engagement ehrt Sie umso mehr.

Mit freundlichen Grüßen,

Heike Schweitzer


 

Stellungnahme zur Schuldiskussion in Keltern von "Eltern von Keltern"

In diesen Tagen werden die Weichen über die Zukunft der Gemeinde Keltern gestellt: Ein kostengetriebener Vorschlag der Gemeindeverwaltung über eine Zusammenlegung der Grundschulen in Dietlingen für den die Grundschule in Ellmendingen aufgegeben werden soll erhitzt die Gemüter.

Die Verwaltung macht bisher ihrem Namen alle Ehre – sämtliche Vorschläge besitzen einen wenig visionären, gestaltenden Charakter, stattdessen wird die Zukunft unserer Gemeinde auf einen kaum überzeugenden Kostenfaktor reduziert. Verwalten anstatt zu Gestalten – das scheint hier die Devise zu sein.

Dass die Verwaltung gleichzeitig mit den Werbesprüchen „Wohlfühlgemeinde“ oder „Wein und mehr“ hantiert, zeigt, dass man anscheinend im Kern nicht verstanden hat, was eine Gemeinde zur Heimat macht, was Bürger zu Menschen macht, was den nächsten Tag im Kalender zur Zukunft macht. Selbstverständlich sind wir „Eltern für Keltern“ in dieser Sache befangen, es liegt in der Natur der Sache dass sich Eltern von Kindergarten- und Schulkindern sehr für die aktuellen Themen ihrer Sprösslinge verkämpfen. Was bei den Kindern gerade anliegt, was Freude oder Probleme macht, wird von den Eltern besonders wichtig genommen. Aber Eltern sind nicht nur „besorgte Glucken“ mit verzerrter Sicht: Unser Blick ist besonders geschärft für die wesentlichen und grundlegenden Dinge des Lebens. Essen und Trinken, Glück und Unglück, Zweifel und Glaube, Unsicherheit und Stärke – wir erleben es Tag für Tag, was es heißt Menschen für die Zukunft fit zu machen. Und genau das ist am Ende die Begründung, weshalb wir die bisherigen Vorschläge der Verwaltung zur Grundschulzusammenlegung mit großer Mehrheit ablehnen: Hier wird unsere Heimat als Kostenfaktor abgewickelt. Wir und Sie wissen ganz genau, dass Kinder zu bekommen und zu haben immer ein völliges „Verlustgeschäft“ ist, wer Kinder nach Kostengesichtspunkten beurteilt, wird immer falsche Entscheidungen treffen. Übrigens wissen gerade Eltern, was Dinge kosten, wir sind es gewohnt jeden Tag unternehmerisch zu denken und zu handeln. Gerade deshalb erwarten wir uns im Blick auf die Kosten einer zukünftigen Kindergarten- und Schulstruktur mehr Weitsicht und Kreativität. Die Vorschläge der Verwaltung sind nicht klug genug.

Eine „Wohlfühlgemeinde“ kann nur sein, wer Kinder und Jugend als den Beginn von „Gemeinde“ und „Gemeinschaft“ versteht. Auf dem Weg zum Kindergarten und zur Schule entstehen die ersten Landkarten eines Menschen, hier wird die Heimat von einem Punkt auf der Weltkarte zu einem Gefühl, zu Geruch und Geräusch. In Kindergarten und Schule werden Beziehungen und Freundschaften geknüpft, die ein ganzes Leben definieren. Hier entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl hier entsteht Identität, hier entsteht Gemeinschaft und in letzter Konsequenz Gemeinde. Hier wird entschieden, ob sich Menschen wirklich in unserer Gemeinde wohlfühlen, sie als Heimat empfinden und nicht nur als Wohnort, ob sich unsere Kinder mit unserer Gemeinde identifizieren und eines Tages bereit sind für sie einzustehen. Wer Kinder als Kostenfaktor in Schulbusse pfercht und in Riesenkindergärten packt um ein paar Euro zu sparen, entkernt in Wahrheit eine Gemeinde ihrer Bedeutung. Wollen Sie in einer Gemeinde leben in der morgens keine Kinder mehr zum Kindergarten oder zur Schule gehen, in der Vereine Nachwuchssorgen haben und in der statt Leben die stille Ruhe einer ausgeglichenen Kostenbilanz herrscht? – Ganz sicher nicht!

Darüber hinaus treibt uns eine ganz aktuelle Problematik um: Wir leben in einer Zeit, in der Menschen durch Globalisierung und Digitalisierung zunehmend verunsichert sind, in der Identität und Heimat zu einem gefährdeten Gut erklärt werden. Während dann in Talkshows und Sonntagsreden eingeklagt wird, dass man den Rattenfängern populistischer Parteien widerstehen müsse, plant unsere Verwaltung unter Schützenhilfe einzelner Gemeinderatsfraktionen eine völlig unverständliche und kurzsichtige Pseudo-Rationalisierung eines prägenden Lebensbereichs der Menschen in unserer Gemeinde, eine Zerstörung von Heimatgefühl. Dies ist erschütternd und ein Zeichen großer Weltfremdheit. Eine ländliche Gemeinde wie Keltern wird durch funktionierende, kleinteilige Strukturen geprägt, dies ist der einzige Unterschied zu städtischen Strukturen. Man wohnt in Keltern weil man den überschaubaren, persönlichen Heimat-Charakter einer Landgemeinde liebt. Ein Rühren an dieses Kernelement unserer Gemeinde ist unverzeihlich.

Zurück zum aktuellen Stand: In einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im November vergangenen Jahres hat sich der Gemeinderat Keltern mehrheitlich für die weitere Planung einer zukunftsfähigen Kindergarten- und Schulstruktur in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft entschieden. Nun mussten wir feststellen, dass der „Fraktion der Freien Wähler Keltern“ in dieser Frage nicht nur jegliche Kompromiss- und Diskussionsbereitschaft fehlt, sondern dass man zur Durchsetzung eigener – bisher

nicht mehrheitsfähiger – Interessen sogar so weit geht, zurückliegende Gemeinderatsbeschlüsse zu boykottieren und versucht auf dem Weg eines allgemeinen Bürgerentscheids echte Bürgerbeteiligung zu verhindern.

Die Begründung der „Freien Wählergemeinschaft Keltern“ für ihren Antrag auf einen Bürgerentscheid in den Gemeindenachrichten vom 3. Februar 2017 lässt tief blicken: Dass angeblich „auch unter Einbeziehung weiterer... Interessengruppen keine wesentlich neuen Argumente für den... Verwaltungsvorschlag zu erwarten sind“ und daher im Hauruck-Verfahren „eine Entscheidung kommen muss“ ist kein Argument für einen Bürgerentscheid, sondern lediglich eine politische Bankrotterklärung.

Gerade der Antrag auf einen Bürgerentscheid beweist, dass die „Freien Wähler“ ganz augenscheinlich nicht mit der Idee leben können Mitarbeit an eine gestaltungswillige Bürgerschaft abzugeben – um die eigene Weltsicht durchzusetzen riskiert man es lieber, dass in einem allgemein gehaltenen, kurzsichtigen Bürgerentscheids-Szenario langfristig Generationen und vor allem Ortsteile gegeneinander ausgespielt werden. Wir „Eltern für Keltern“ stehen für eine echte und konstruktive, nicht für eine theoretischmanipulative Bürgerbeteiligung. Wir stehen für eine Stärkung des Schulstandorts Ellmendingen UND eine Stärkung des Schulstandorts Dietlingen. Wir wollen Keltern zur Heimat machen, zur „Wohlfühlgemeinde“.

Antwort von Bürgermeister Steffen Bochinger

zu dem Schreiben des Vereins „Eltern für Keltern e.V.“, das sie und wir gestern Abend nach der Sitzung erhalten haben, möchte ich gerne von unserer Seite Stellung beziehen.

Wir beurteilen Kinder nicht nach Kostengesichtspunkten. Uns sind die Kinder, um die es geht nicht egal . Sie spielen, wenn es um deren Wohl (nicht um das Wohl der Erwachsenen) geht eine prioritäre Rolle. Als Vater von zwei Kindern weiß ich wohl, dass Kinder unter anderem auch Geld kosten, nur wäre mir – im Gegensatz zu den Vereinsmitgliedern - nie eingefallen, sie als „Verlustgeschäft“ zu bezeichnen.
Trotzdem müssen wir als Kommune für die Zukunft die Weichen so stellen, dass Kosten etc. nicht irgendwann zur Handlungsunfähigkeit im operativen und investiven Bereich führen. Daher haben wir von Seiten der Verwaltung nach allen Absagen, die wir für eine weiterführende Schule oder Kooperation erhalten haben und da eine Privatschule seitens der Mehrheit des Gemeinderates nicht gewollt war, dem Gemeinderat die Zusammenlegung der beiden Standorte empfohlen. Wohlwissend, dass dies bei den Eltern zu Widerstand führen kann und dass es keine populäre Entscheidung ist. Aber wir, von der Verwaltung, haben die Aufgabe das Geld aller 9000 Bürgerinnen und Bürger so einzusetzen, dass die gesetzlich normierten Haushaltsgrundsätze wie Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit beachten werden und dass wir dauerhaft alle unsere Pflichtaufgaben sowie die laufenden Kosten decken können. Unterm Strich sollte auch noch Geld für Freiwilligkeitsaufgaben übrig bleiben, um eine gewisse Lebensqualität zu erhalten bzw. zu schaffen. Völlig außer Acht gelassen werden bedauerlicherweise die Argumente, die seitens der Pädagogen bereits in der Sitzung vom 6.11.2016 zur Entscheidungsgrundlage zusammengestellt wurden. Hier geht es um das Wohl der Kinder.

Dass uns die Kinder sehr am Herzen liegen, zeigt doch schon seit Jahren, dass wir sicherlich eines der besten Betreuungsangebote im Enzkreis haben. Wir bieten sämtliche Gruppenformen in den Kindergärten, wir haben eine Kernzeitbetreuung mit Hausaufgabenbetreuung und wir bieten in allen Schulferien eine Ferienbetreuung an. Hier geht es uns um die Kinder und nicht um Kosten, das wird aber bei vielen für selbstverständlich angesehen und nicht mehr wahrgenommen. Selbst das Defizit bei den Kindergärten, das mittlerweile bei 2 Mio. EUR jährlich liegt unterstreicht eine sehr großzügige Haltung unserer Gemeinde.

Wenn uns dann aber noch unterstellt wird, wir würden Kinder in Schulbusse „pferchen“ und in Riesenkindergärten packen, dann enttäuscht mich das sehr und ich frage mich, ob der Verein eine konstruktive Zusammenarbeit möchte.
Ich glaube nicht, dass unsere Kinder, die aktuell schon mit dem Schulbus fahren, in Busse gepfercht werden, sondern genügend Platz haben. Es keine Tiere! – Jedenfalls nicht für mich! Hier fehlt jeglicher Bezug zur Realität und der Sprachgebrauch des Vereins überrascht – nein: ärgert - mich doch sehr.

Unser Bestreben war und ist es, die aktuell gute Finanzlage so lange wie möglich zu erhalten, und dabei dafür zu sorgen, dass wir langfristig eine gute Gesamt-Infrastruktur haben und schaffen, die uns weiterhin als „Wohlfühlgemeinde“ bezeichnen lässt.

Stellungnahme von Herbert Bischoff

Im Brief von Heike Schweitzer sind einige falsche Behauptungen und persönliche Feststellungen enthalten, die meiner Meinung nach so einfach öffentlich nicht stehen bleiben können. Gestatten Sie mir als langjährigem ehemaligen Gemeinderat und Kenner der Schulszene in Keltern (5 Enkel von mir besuchten oder besuchen diese Schule in Dietlingen !!) dazu deshalb einige Bemerkungen zu Inhalten des Briefes.
Daß die Entscheidung zur "Zusammenlegung der Grundschulstandorte Ellmendingen und Dietlingen" jetzt nach Meinung von Frau Schweitzer (zu) rasch auf die Tagesordnung des Gemeinderates  kommt, ist schlicht unrichtig. Seit Sommer letzten Jahres waren Eltern und Schulvertreter zur Abgabe ihrer Meinung gebeten worden. Diese Meinungen liegen auch längst vor, auch von den Gremien der Schule und des Elternbeirates. Daß diese fehlen sollen, wie Frau Schweitzer schreibt, ist deshalb schlicht falsch. Mehrfach hatte sich in der Zwischenzeit der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt. Nachdem andere Vorschläge wie 'Bürgerentscheid' oder 'Runder Tisch' oder 'Bürgerabfrage über die Gemeindenachrichten' keine Mehrheiten im Gemeinderat fanden, soll jetzt das Thema im Gemeinderat entschieden werden. Dies halte ich für völlig richtig.
Nun gibt es sicherlich viele Argumente, die für oder gegen den gemeinsamen Schulstandort sprechen. Eine gemeinsame Schule ist die Grundschule Keltern ja schon längst, nur eben an 2 getrennten Standorten. Es kann aber m.E. nicht sein, daß die jetzige Entscheidung nun wesentlich nur dadurch bestimmt wird, daß durch Wegfall jeder weiterführenden Schule im Standort Dietlingen dort Räumlichkeiten leerstehen. Wobei die Bemerkung von Frau Schweitzer, das Schulzentrum "Speiterling" stehe momentan weitgehend leer, schlicht falsch ist. Derzeit belegen die 6 Grundschulklassen auch 6 der 12 Räume. Ein weiterer Raum wird von der "Anna-Bertha-Königsegg - Schule" aus Pforzheim mit 1 Aussenklasse belegt. Bei einer sofortigen Vereinigung beider Standorte passen die bestehende 14 Klassen gar nicht in diese Schulräume, sondern es müßten mit Zusammenlegung / Zerlegung einiger Klassen (besonders der kleinen Klassen aus Dietlingen !!) erst 11 bzw 12 damit teilweise sehr große Klassen gebildet werden. Dieses wird dezent verschwiegen. Wollen dies alle Eltern in Keltern wirklich ????
Zudem ist eines völlig unklar:  Die beträchtliche Anzahl der heute in Ellmendingen und Dietlingen in der Kernzeitbetreuung befindlichen Kinder wird völlig übergangen. In Dietlingen und Ellmendingen kommen nämlich in der Spitze heute schon über 100 Kinder zusammen, die im Speiterling 'Pavillon' ihr Mittagessen einnehmen sowie anschliessend in Hausaufgaben usw. betreut werden müßten. Dies ist mit den jetzigen Raumverhältnissen des Pavillons völlig unmöglich !!  Die heutige Essensausgabe sowie die Betreuungsplätze fassen maximal gerade noch die heutigen Dietlinger Kinderzahlen, die zum Mittagessen angemeldet sind. Wie die noch grössere Zahl der in Ellmendingen kernzeitbetreuten Kinder zusätzlich da reinpassen sollen, ist mir ein Rätsel.  Das gesamte Thema "Kernzeitbetreuung" wird deshalb wohl auch von Frau Schweitzer komplett verschwiegen. Daß sie diese Betreuung wohl für eigene Kinder selber gar nicht nutzt, ist dafür aber keine Begründung, zumal sie ja vorgibt, auch für andere Eltern zu sprechen! Und einige davon sind eben voll auf die Kernzeitbetreuung angewiesen !!
Noch schlimmer wäre es bei einer von vielen Eltern ebenfalls seit Jahren angestrebten Ganztags - Grundschule. Diese wird zwar momentan von einer Mehrheit der Eltern in Keltern zwar nicht gewollt, was aber m.E. sehr stark an einer mangelnden Aufklärung durch die Schulleitung über deren Inhalte / Vorteile lag. Zumindest eine Grundschule mit mindestens 1 gebundenen Ganztagsklasse wäre sicherlich heute schon sinnvoll, wie eben gerade die Anzahl der Kernzeit - Kinder zeigt.  Eine solche Ganztagsgrundschule unter Einbeziehung von Vereinen, der Musikschule usw. (wie es z.B. bei vielen existierenden Ganztags - Grundschulen der Normalfall ist)  würde aber erst recht nicht komplett in das Schulgebäude mit seinen Nebenräumen wie Mensa usw. passen. Eine fachliche Untersuchung, wie dieser Ganztagsbetrieb sich gestalten könnte und welche Auswirkungen auf den Raumbedarf bestehen würden,  hat wohlweislich nie stattgefunden. Aber auch dieses Thema wird von Frau Schweitzer (absichtlich ??) gar nicht angesprochen.
Natürlich gibt es durchaus auch pädagogische Punkte, die aus Sicht der Lehrerschaft für eine Zusammenlegung der beiden Standorte sprechen. Allerdings sind es überwiegend Punkte, die m.E. bei einem gewissen stärkeren Engagement von Schulleitung und Lehrern in der höchstens 2 km grossen Entfernung der Schulhäuser eben gerade keinen absoluten Hindernisgrund sehen dürften. Daß dies heute nicht schon längst verbessert ist, liegt keinesfalls an den Eltern oder den Schulkindern. Viele schulischen Dinge könnten auch heute schon längst gemeinsam erfolgen. Eine mangelnde Abstimmung unter 1 (!!!) Schulleitung kann doch nicht an dieser geringen Entfernung der Schulgebäude scheitern ???!!!
Zum Schluß wird von Frau Schweitzer noch betont, daß daß heute schon am Standort Ellmendingen akute Raumnot herrsche. Dies verwundert mich sehr, gab es dort in der Vergangenheit doch auch schon viel mehr als die heutigen 8 Klassen. Auf Nachfrage von mir ergab sich, daß die Räume des Schulpavillons wohl offensichtlich gar nicht mehr als normale Klassenzimmer genutzt werden. Sondern nur u.a. der Kernzeitbetreuung (ausgerechnet !!!!) zur Verfügung stehen. Auch dies verschweigt der Brief der Frau Schweitzer, wohl aus gegebenem Anlaß................
Ganz eigenartig mutet ein anderer Leserbrief in der heutigen PZ zum selben Thema an. Da wird also als Schlußfolgerung die einheitliche Grundschule als Notwendigkeit bezeichnet, um die Integration der Kelterner Ortsteile untereinander zu verbessern. Dabei wird mit dieser Aussage schlicht übersehen: Die gemeinsame Grund - Schule gibt es für 4 der 5 Ortsteile ja schon längst seit den 70er Jahren. Aber gerade im Grundschulalter und in den eben nur 4 Jahren Dauer scheitern eventuelle Freundschaften der Kinder unterschiedlicher Ortsteile meist an deren Mobilität. Diese ist erst mit dem Besuch einer weiterführenden Schule gegeben. Allerdings zerstreuen sich dann die Kinder aller 5 (!!!) Ortsteile von Keltern in alle Winde:  Remchingen und Königsbach mit Gymnasien und Realschulen,  Langensteinbach mit seiner Gemeinschaftsschule (!!), Straubenhardt mit der Realschule, Neuenbürg mit dem Gymnasium, Birkenfeld mit Werkreal- und Realschule, Pforzheim mit mindestens 6 aus Keltern besuchten Gymnasien und mindestens 2 Realschulen, ja sogar Ettlingen mit seinem Gymnasium sind Standorte der besuchten weiterführenden Schulen. Da von einer Integrationskraft eines 4 - jährigen gemeinsamen Grundschulstandortes zu sprechen,  ist schlicht eine Verkennung aller objektiven Tatsachen.