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Einem Freispruch entgegen blickt  Harry Wörz (oben) vor dem Landgericht Mannheim. Michael Schilpp (unten links), Anwalt der Opfer-Familie, konnte sich gestern nicht mit weiteren Forderungen durchsetzen – für Wörz-Anwalt Hubert Gorka (rechts) wohl ein Erfolg.
Einem Freispruch entgegen blickt Harry Wörz (oben) vor dem Landgericht Mannheim. Michael Schilpp (unten links), Anwalt der Opfer-Familie, konnte sich gestern nicht mit weiteren Forderungen durchsetzen – für Wörz-Anwalt Hubert Gorka (rechts) wohl ein Erfolg. © PZ-Archiv
24.09.2009

Gericht scheint sich im Wörzprozess festgelegt zu haben

BIRKENFELD/MANNHEIM. Das Ende im Wörz-Prozess ist nah. Am 22. Oktober soll das Urteil im nunmehr dritten Strafverfahren gegen den Bauzeichner aus Birkenfeld fallen. Wörz erwartet im Landgericht Mannheim einen Freispruch.

„Die Beweisaufnahme ist aus Sicht der Kammer jetzt erschöpft“, sagte Richter Rolf Glenz gestern am 24. Verhandlungstag. Harry Wörz hofft auf einen Richterspruch, der keine Fragen mehr offen lässt und der wasserdicht ist. Seit zwölf Jahren versucht der heute 43-Jährige seine Unschuld zu beweisen. Er sei nicht der Täter, der 1997 seine Ex-Frau töten wollte. Im Wiederaufnahmeverfahren 2005 hatte ihn das Landgericht Mannheim zwar entlastet, jedoch nur aus Mangel an Beweisen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe kassierte aber das Urteil und ordnete einen neuen Prozess an.

Alle Beweisanträge abgelehnt

Diesmal stehen die Zeichen erneut auf Freispruch. So lehnte das Gericht gestern alle Anträge des Pforzheimer Anwalts Michael Schilpp ab, mehrere Beweisstücke aus der Tatwohnung in Birkenfeld auf DNA-Spuren von Wörz zu untersuchen. Schilpp vertritt die Familie des Opfers, das überlebte, seither aber schwerst behindert ist. „Selbst wenn man DNA-Spuren von Wörz finden würde, wäre das ohne Bedeutung“, sagte Richter Glenz. Denn das hieße noch lange nicht, dass der Angeklagte zur Tatzeit in der Wohnung seiner Ex-Frau gewesen wäre, machte Glenz keinen Hehl aus der Meinung der Kammer, dass die angeregten Gutachten sinnlos seien. Man könne von Wörz bestenfalls Hautschüppchen finden. Solche kleine Spuren könne Wörz allerdings „schon früher bei Besuchen oder Kontakten mit dem gemeinsamen Kind übertragen haben“.

Auch die Untersuchung des Wollschals, mit dem Andrea Z. fast erdrosselt wurde, „kann nicht belegen, dass der Angeklagte zur Tatzeit da war“, so Glenz. Den Schal habe der damals zweijährige Sohn „in vier Haushalten getragen“ – in den Wohnungen der Eltern, die sich getrennt hatten, sowie bei den Großeltern: „Deshalb kann man nicht eindeutig herausfinden, ob sich Spuren auf den Kleidungsstücken verlagert haben.“

Richter Glenz und seine Kollegin Petra Beck haben in den vergangenen fünf Monaten alle Indizien haarklein unter die Lupe genommen. Wie genau sie die Wahrheit ermitteln wollten, bewiesen sie auch gestern, als sie noch einen Karlsruher Polizisten befragten. Erstmals in der langen Prozessgeschichte legte der 54-jährige Kommissar das Originalfunkband aus der Tatnacht sowie das damalige Dienstbuch seines Reviers auf einen Richtertisch. „Wir sind zweimal in den Keller gegangen, um Belege zu suchen“, sagte der Polizist. „Man dachte ja schon, die gibt es nicht mehr“, frotzelte Glenz.

Zutritt verboten

Doch blieb die Frage weiter ungeklärt, wer in der Tatnacht die Karlsruher Polizisten anwies, das Fahrzeug des neben Wörz ebenfalls verdächtigten Polizisten Thomas H. nicht auf einen möglicherweise noch warmen Motor zu prüfen. Der verheiratete Polizist hatte sich in Andrea Z. verliebt, kehrte aber am Tag vor der Tat zu seiner Frau zurück. Polizeibeamte observierten zwar sofort sein Haus in Pfinztal, es sei „ihnen aber verboten worden, in den Hof des Anwesens zu gehen“, sagte der Karlsruher Beamte. „Die Anordnung stand, ich weiß aber nicht mehr, ob das von unserem Lagezentrum kam.“

Ob das Gericht dieser Frage noch einmal nachgeht, ist indes offen. Denn der Fahrplan, bis Glenz das Urteil fällt, steht nun fest.

Am Montag, 5. Oktober, um 9 Uhr halten Staatsanwalt Zinkgräf und Nebenkläger Schilpp im Landgericht Mannheim ihre Plädoyers, am Dienstag, 13. Oktober, um 9 Uhr sind die Verteidiger Gorka und Neuhaus an der Reihe. Am Donnerstag,

22. Oktober, verkündet Richter Rolf Glenz dann das Urteil.