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Die Ermittlungsergebnisse der Sonderkommission Wagner im Fall Paulus füllen rund 16 000 Seiten und meterweise Aktenordner. Anfang Februar wurden sie der Staatsanwaltschaft Pforzheim übergeben. Polizei
15.04.2019

Getöteter Birkenfelder: Prozesstermine stehen - 4 Angeklagte, 15 Verhandlungstage

Birkenfeld/Pforzheim. Jetzt steht es fest: Der Fall des getöteten Simon Paulus wird ab Ende April vor dem Karlsruher Landgericht verhandelt. Vier Angeklagte müssen sich für Mord oder andere Straftaten verantworten. Und noch mehr wurde am Montag bekannt.

Am 29. April beginnt der Prozess im Fall Paulus – und es wird ein Mammutprozess. Voraussichtlich vier Monate lang wird er das Karlsruher Landgericht nach der Anklageverlesung beschäftigen. 15 Hauptverhandlungstage unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt sind bis Mitte August angesetzt. Sollte das für die Zeugenvernehmung und anderes nicht ausreichen, hält sich das Gericht sechs weitere Reservetermine bis Mitte September frei. Das erklärte die für Presseinformationen zuständige Richterin Carolin Kley am Montag auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“.

Vom Verschwinden bis zum Prozess - wie Ermittler, Journalisten und die Öffentlichkeit den Fall Paulus erlebten: Unter diesem Link finden Sie eine Multimediareportage, die den Kriminalfall noch einmal in allen Einzelheiten beleuchtet.

Verhandelt wird vor der Schwurgerichtskammer gegen vier Beschuldigte aus Pforzheim, die verwickelt sind in die Tötung des 50-jährigen Simon Paulus aus Gräfenhausen, das Beiseiteschaffen seiner Leiche oder weitere Straftaten, die die Pforzheimer Kriminalpolizei im Rahmen ihrer Ermittlungen aufgedeckt hat.

So gelang der Fahndungserfolg im Fall Paulus

Erfahrene Ermittler bezeichnen den Fall als einen der spektakulärsten, die es bisher in der Region gegeben hat. Anfang Februar hat die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen und die Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben: meterweise Ordner mit rund 16 000 Seiten Material.

Bildergalerie: Leiche in einem Pforzheimer Waldstück aufgefunden

Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern.Kriminaltechniker arbeiten am 2. Oktober 2018 am Fundort der Leiche. Foto: Meyer

Fünf Monate lang hat die bis zu 40-köpfige Sonderkommission Wagner teils rund um die Uhr ermittelt und das Kriminalpuzzle Stück für Stück zusammengesetzt. Es gab Drohneneinsätze auf der Suche nach Paulus. Taucher durchkämmten die Enz in Pforzheim nach Beweismitteln. In einer großangelegten Aktion mit MEK und SEK (Mobilem- und Spezialeinsatzkommando) wurden Mitte Oktober mehrere Wohnungen durchsucht und drei Verdächtige verhaftet. Ein weiterer Beteiligter wurde später festgenommen. Drei der Beschuldigten sind wieder auf freiem Fuß, nachdem sie ausgesagt haben. Der Hauptverdächtige, ein inzwischen 30-jähriger Italiener, sitzt weiter in Untersuchungshaft und schweigt.

Leichenfund im Wald bei Pforzheim

Ihm wird von der Staatsanwaltschaft der Mord am Büchsenmacher in Gräfenhausen Ende August vergangenen Jahres vorgeworfen. Dem Pforzheimer droht eine lebenslange Strafe. Außerdem soll er rund 30 Waffen aus Paulus’ Wohnung geraubt haben, die nach wie vor verschwunden sind. Mit einem 27-jährigen Deutschen und einem 26-jährigen Griechen – beide ebenfalls angeklagt – soll er vorgehabt haben, eine 60-Jährige aus dem Enzkreis zu töten, um ans Erbe und an Wertsachen zu kommen. Zudem ist die Polizei auf Vergewaltigungen gestoßen, die der Hauptbeschuldigte begangen haben soll.

Bildergalerie: Nach Leichenfund: Polizisten durchkämmen Wald erneut

Einem 42-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, beim Abtransport der Leiche und der Waffen am Tatabend geholfen zu haben. Paulus’ Leiche wurde Anfang Oktober vergraben im Wald beim Pforzheimer Wildpark gefunden.

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