nach oben
© dpa
15.11.2010

Gezielter Racheakt: Mordprozess gegen Minderjährige

KREIS CALW. Zwei 18 und 15 Jahre alte Jungen müssen sich seit Montag für den Mord an einem Freund vor dem Tübinger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen einen Racheakt vor: Sie sollen im Februar in Ebhausen (Kreis Calw) einen 15-Jährigen umgebracht haben, weil der sie bei der Polizei verpfiffen hatte.

Das Opfer lag nach der Tat noch rund zwei Stunden lang auf der Straße. Als schließlich ein Notarzt gerufen wurde, konnte der nur noch den Tod feststellen. Dem 18-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe, seinem mutmaßlichen Komplizen eine Jugendstrafe von zehn Jahren.

Völlig regungslos und mit versteinerter Miene saßen die beiden Angeklagten zum Prozessauftakt vor den Richtern der 3. Großen Jugendkammer. Monatelang hatten Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt, bis nach und nach klar wurde, was am 25. Februar 2010 rund um das Feuerwehrhaus der 5000-Einwohner-Gemeinde Ebhausen passiert war. Die Ermittler hatten immer weiter zurück in die Vergangenheit forschen müssen, um den Streit der drei Jungen zu verstehen.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war wohl eine Anzeige, die die Mutter des späteren Opfers am 8. Dezember 2009 bei der Polizei erstattete. Der 18-Jährige hatte ihrem Sohn einen Wurfstern verkauft, der unter das Waffengesetz fiel und somit verboten war. Ihr Sohn wurde daraufhin bei der Polizei vernommen und bestätigte die Vorwürfe gegen seinen Freund. Als die Polizei deshalb ein Ermittlungsverfahren einleitete, schwor der 18-Jährige den Ermittlern zufolge Rache.

Am 25. Februar 2010 trafen sich der 18-Jährige und sein Opfer wie so oft in Ebhausen, tranken Eistee und Wodka. Vier Freunde kamen hinzu, und schließlich gingen alle in die Wohnung des damals noch 14- jährigen Mitangeklagten. Wenig später liefen dann alle zusammen zu einem Platz hinter dem Feuerwehrhaus.

Auf dem Weg dorthin soll der 18-Jährige seinen Mord-Plan gezielt vorbereitet haben. Zunächst hetzte er laut Anklage sein Opfer gegen den damals noch 14-jährigen Mitangeklagten auf. Tatsächlich kam es zu einem handfesten Streit zwischen den beiden. Der 15-Jährige soll den 14-Jährigen vor einer Gruppe Mädchen bloßgestellt und in den Matsch geschubst haben. Die Stimmung sei immer gereizter geworden, sagte die Staatsanwältin in ihrer Anklage.

Der 18-Jährige habe dann die Wut des 14-Jährigen ausgenutzt und ihn in seine Rachepläne eingeweiht. Beide hätten daraufhin beschlossen, den 15-Jährigen zu töten.

Als alle anderen aus der Clique weg waren, sollen sich die beiden ihr Opfer dann vorgeknöpft haben. Der 18-Jährige habe den Jungen mit einer Kordel zwei bis drei Minuten lang bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und ihm danach mit einem Messer rund 30 Mal in den Hals gestochen. Der damals 14-jährige Komplize ist laut Anklage zwar nicht selbst handgreiflich geworden. Er soll die Tat aber gebilligt und gewollt haben. Bei einer Verurteilung wegen Mordes würde deshalb auch er rechtlich als Mörder gelten.

Unmittelbar nach der Verlesung der Anklageschrift wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidiger aus dem Prozess ausgeschlossen. Geplant sind sechs Verhandlungstage. Ein Urteil soll Mitte Dezember gesprochen werden.