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Bei einer Karambolage von fünf Autos auf der eisglatten A46 bei Iserlohn wurden mindestens sechs Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder.
Bei einer Karambolage von fünf Autos auf der eisglatten A46 bei Iserlohn wurden mindestens sechs Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder. © dpa
08.01.2017

Glatte Straßen: Ruhige Region, Chaos im Norden, Massenkarambolage auf A30

Pforzheim/Enzkreis/Deutschland. Reihenweise in den Straßengraben gerutschte Autos, massenhaft Blechschaden, querstehende Lkw, Autobahn-Schleudertouren mit Endstation Leitplanke – die Nacht von Samstag auf Sonntag und auch der Sonntagmorgen bietet in Pforzheim und im Enzkreis nichts von all dem. Erstaunlich ruhig sei es an der Unfallfront gewesen, vermeldet ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe auf PZ-news-Anfrage. Im Norden Deutschlands sah es dagegen ganz anders aus.

Eine erste Sichtung der Unfalllage brachte für die Region nichts Auffälliges zutage. Glück gehabt. In Pforzheim und im Enzkreis scheinen sich die Autofahrer schnell an die veränderten Witterungsbedingungen anpassen zu können. Landesweit sieht es ähnlich aus. Trotz der von Eis und Schnee bedeckten Straßen im Südwesten haben sich am Wochenende relativ wenige Verkehrsunfälle ereignet. „Autofahrer sind offensichtlich auf die winterlichen Bedingungen auf der Straße vorbereitet gewesen“, sagte ein Sprecher des Verkehrswarndiensts im Innenministerium am Sonntag in Stuttgart.

Der rasche Winterbruch hatte demnach ein größeres Chaos befürchten lassen. Die Polizei in Freiburg zählte zwar vor allem im Hochschwarzwald viele liegengebliebene Lastwagen und kleinere Unfälle mit Blechschäden. „Mehr los als üblich am Wochenende war aber nicht“, sagte ein Sprecher.

Das sah es bundesweit vor allem im Norden schon ganz anders aus. Schneefall und Blitzeis haben in Teilen Deutschlands für abenteuerliche Verhältnisse auf den Straßen gesorgt. Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Nahe Hannover starb am Samstagabend ein Autofahrer, als sein Wagen von der verschneiten Straße rutschte und mit voller Wucht gegen einen Baum krachte. Bei einer Karambolage auf der eisglatten A46 bei Iserlohn wurden mindestens sechs Menschen verletzt, darunter mehrere Kinder. Fünf Autos seien an dem Unfall beteiligt gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Auch auf der A30 in Ostwestfalen krachten zahlreiche Autos ineinander. Bei der Massenkarambolage mit zwei Lastwagen und 14 Autos seien mit viel Glück nur vier Menschen leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Nach einem kleinen Auffahrunfall in der Nähe von Löhne habe es auf der eisigen Fahrbahn eine Kettenreaktion gegeben.

Auch für Niedersachsen rief der Deutsche Wetterdienst (DWD) die höchste Unwetter-Warnstufe aus. In Hannover wurde der Busverkehr der Verkehrsbetriebe wegen spiegelglatter Straßen eingestellt. Bereits am frühen Abend seien wegen der Witterung keine Busse mehr gefahren, sagte eine Sprecherin der Polizei. Straßenbahnen führen auf einigen Linien mit Einschränkungen, teilten die üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe zudem via Facebook mit.

Die Feuerwehr der niedersächsischen Landeshauptstadt rückte innerhalb weniger Stunden zu 250 wetterbedingten Einsätzen aus. Zwischen 17.00 und 21.30 Uhr seien insgesamt etwa 550 Notrufe eingegangen, zusätzlich habe es wegen des Glatteises 250 Rettungseinsätze gegeben, teilte die Feuerwehr am späten Abend mit. In den meisten Fällen seien Verletzte mit Knochenbrüchen oder Prellungen in Krankenhäuser gebracht worden.

In Hamburg waren bereits am Mittag zahlreiche Fußgänger ausgerutscht und gestürzt. Die Feuerwehr der Hansestadt teilte am späten Samstagabend mit, dass zwischen 10.00 und 21.00 Uhr 392 wetterbedingte Einsätze angefallen seien. Es sei aber niemand lebensgefährlich verletzt worden.

Für einzelne Landstriche gab der DWD auch für Sonntag eine Warnung vor Unwettern heraus. Vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands müsse erneut mit glatten Straßen gerechnet werden.